BURIRAM / SA KAEO – Ein mutmaßlicher Killer, der einen Lotterieverkäufer getötet haben soll, lieferte der Polizei eine bizarre Show: Während die Beamten sein Versteck umstellten, filmte er sich live beim Zähneputzen und erklärte gelassen: „Dieses Spiel ist vorbei.“
Zähneputzen im Livestream vor der Festnahme
Die makabre Szene spielte sich am Mittwochnachmittag in einem Mietkomplex im Unterbezirk Baan Mai Nong Sai ab. Als die Polizei das Zimmer umstellt hatte und die Insassen aufforderte herauszukommen, schaltete der 24-jährige Sutthirak, genannt „Thi“, einfach sein Handy ein. Vor laufender Kamera putzte er sich seelenruhig die Zähne, während die Beamten draußen warteten.
Durch die geschlossene Tür rief er den Ermittlern zu: „Wartet einen Moment.“ Kurz darauf endete die Pattsituation. Zusammen mit seinem mutmaßlichen Fahrer Kiattisak (26) und seiner Freundin Nuntita (23) kam der Verdächtige nach draußen und ergab sich widerstandslos.
Tödlicher Hinterhalt in einer dunklen Gasse
Die Festnahme war der Schlusspunkt einer rasanten Fahndung, die am Dienstag kurz nach Mitternacht begonnen hatte. Zur Tatzeit gegen 00:58 Uhr fuhr der 40-jährige Lotterieverkäufer Pichit mit seinem Motorrad in eine Gasse im Dorf Ban Pradeak im Bezirk Prakhon Chai. Eine weiße Limousine vom Typ Honda City zog neben ihm auf.
CCTV-Aufnahmen zeigen, wie das Opfer kurz vor den Schüssen mit den Insassen des Wagens in einen heftigen Streit gerät. Kurz darauf kam es zum tödlichen Schusswechsel, bei dem Pichit ums Leben kam.
Meth-Tabletten werfen neue Fragen auf
Bei der Untersuchung des Tatorts entdeckten die Beamten 140 Methamphetamin-Tabletten, die zwischen den Beinen des Toten lagen. Der Fund eröffnete der Mordkommission eine völlig neue Ermittlungsrichtung: Obwohl Pichit Lotterielose verkaufte, prüfen die Detektive jetzt, ob der tödliche Streit mit Drogenhandel zusammenhing.
Ein klares Motiv hat die Polizei bisher nicht bekannt gegeben. Polizeioberst Wisanu Apornphong, Leiter der Prakhon Chai Police Station, und seine Leute werteten umgehend Überwachungskameras in der Umgebung aus und verfolgten die Fluchtroute des weißen Honda City.
Fluchtplan Richtung Kambodscha vereitelt
Die Spur führte die Ermittler ins Grenzgebiet nach Sa Kaeo, wo die weiße Limousine schließlich an dem Mietkomplex in Aranyaprathet entdeckt wurde. Die Provinz grenzt direkt an Kambodscha und bietet zahlreiche natürliche Grenzübergänge – die Polizei geht davon aus, dass die Verdächtigen das Land verlassen und sich der thailändischen Justiz entziehen wollten.
Die Razzia leiteten hochrangige Provinzpolizisten: Polizeioberst Jaturaphat Singhatthit, stellvertretender Kommandeur der Provinzpolizei Sa Kaeo, Polizeioberst Damrong Iampairoj, Chef der Ermittlungsabteilung, sowie Polizeioberst Chaturaphat Singhasit. Die Beamten riegelten das Grundstück ab, bevor sie das Zimmer umstellten.
Drei Festnahmen und zwei Ermittlungsverfahren
Nach der Festnahme der drei Verdächtigen wurde sofort deren Überstellung zur Prakhon Chai Police Station in Buriram in die Wege geleitet. Sutthirak gilt als mutmaßlicher Schütze, Kiattisak soll das Fluchtfahrzeug gesteuert haben und Nuntita wird als Freundin des Hauptverdächtigen geführt.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Neben der Morduntersuchung wurde ein zweites Verfahren eingeleitet: Die 140 Methamphetamin-Tabletten begründen den Verdacht auf Drogenhandel. Die Ermittler befragen Zeugen, werten weitere Kameraaufnahmen aus und untersuchen, ob noch mehr Personen an der Tat beteiligt waren. Das bizarre Live-Video des Hauptverdächtigen könnte dabei eine Rolle spielen – die Polizei vermutet, dass seine Botschaften an Drogenpartner gerichtet waren.



Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: