Skandal in Thailand: Überlebender bei tödlichem Unfall als Schuldiger eingestuft

Polizei stuft Opfer nach tödlichem Frontalcrash als Unfallverursacher ein. Obwohl der betrunkene Unfallgegner ungebremst in ein entgegenkommendes Auto krachte, wirft die Behörde dem schwerverletzten Überlebenden nun Mitschuld vor.

Skandal in Thailand: Überlebender bei tödlichem Unfall als Schuldiger eingestuft
ThaiRath

NAKHON SAWAN – Ein grausamer Verkehrsunfall, ein Todesopfer, ein schwerverletzter Hinterbliebener – und dann das: Statt Gerechtigkeit bekommt das Opfer eine Anklage. Ein 57-Jähriger, dessen Wagen von einem betrunkenen Geisterfahrer gerammt wurde, wird nun selbst wegen „gemeinsamer Fahrlässigkeit“ belangt. Die Familie tobt, die Polizei begründet kühl.

Frontal gerammt, Freundin tot

Es war der 18. Februar, als Somchai Naktrakul (57) mit seiner Lebensgefährtin auf der Straße Tha Tako – Nakhon Sawan unterwegs war. Die Fahrt endete in einer Katastrophe: Ein weißer Pickup, gesteuert von Surin Maikaew, geriet außer Kontrolle, stieg über den Mittelstreifen und krachte frontal in ihr Fahrzeug.

Für Somchais Beifahrerin kam jede Hilfe zu spät. Sie starb noch am Unfallort. Der Unfallverursacher Maikaew überlebte den Zusammenstoß ebenfalls nicht. Somchai selbst trug schwere Beinbrüche davon und ist bis heute arbeitsunfähig.

Blutprobe bringt die schockierende Wahrheit

Die Polizei ermittelte und fand, was viele vermuteten: Der Fahrer des Pickups war volltrunken. Eine Blutprobe ergab einen Wert von 299 mg% Alkohol – ein Zustand, der jede Fahrtüchtigkeit zunichtemacht. Die Familie von Somchai war sich sicher, dass die Schuldfrage damit glasklar sei.

Doch nach vier Monaten des Wartens flatterte Somchai ein behördliches Schreiben ins Haus, das die Welt auf den Kopf stellte. Statt einer Entschädigung wird er nun selbst als Beschuldigter geführt.

Die brisante Begründung der Beamten

Polizeileutnant Suttikorn Iam-ang bestätigt die Anklage. Der Vorwurf: Somchai sei auf der vierspurigen Straße rechts gefahren, anstatt sich links zu halten. „Vor dem Unfall fuhr er 3 Sekunden lang auf der rechten Spur, ohne zu bremsen, was einen Mangel an Vorsicht zeigt“, zitiert die Stellungnahme der Polizei aus dem Strafgesetzbuch.

In der Anklageschrift heißt es weiter, Somchai hätte durch Ausweichen nach links den Zusammenstoß verhindern können. „In diesem Fall fuhren beide Fahrer mit einer Fahrlässigkeit, die nicht geringer ist als die des anderen“, so die Begründung. Der Einwand, wer betrunken auf die Gegenfahrbahn rast, zählt für die Beamten rechtlich offenbar nicht mehr allein.

Tochter schäumt vor Wut

Für die Tochter von Somchai ein unfassbarer Vorgang. „Ich zweifelte schon, als die Polizei die Videoaufnahmen sah, die klar zeigen, dass die Gegenpartei meinen Vater gerammt hat“, sagt sie. Ihre Enttäuschung sitzt tief, denn schon lange kursierten Gerüchte, der Fall könne als gemeinsame Fahrlässigkeit enden.

Vier Monate konnte ihr Vater nicht arbeiten, die Behandlungskosten haben die Familie über 400.000 Baht gekostet. „Er hat beide Beine gebrochen, kann nicht laufen. Ich will Gerechtigkeit für meinen Vater“, lautet ihr verzweifelter Appell.

Polizei verweist auf Zivilklage

Polizeileutnant Suttikorn stellt klar, dass auch der getötete Unfallverursacher wegen desselben Delikts der Fahrlässigkeit angeklagt wurde. „Der Grund für die Anklage ist, dass die klagende Partei auf einer 4-spurigen Straße rechts fuhr, was laut Gesetz nur beim Wenden erlaubt ist“, erklärt er.

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Für Somchais finanzielle Forderungen sieht die Polizei nur einen Weg: Er muss selbst zivilrechtlich gegen die Angehörigen des verstorbenen Unfallfahrers klagen. Dem 57-Jährigen bleibt nichts anderes, als neben den Schmerzen und der Trauer nun auch noch juristisch gegen die Familie des Mannes vorzugehen, der ihm so viel Leid brachte.

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Quelle: Thairath

10 Kommentare zu „Skandal in Thailand: Überlebender bei tödlichem Unfall als Schuldiger eingestuft

  1. Wenn das alles so ausgelegt wird, halte ich es für einen Witz, einen besonderen Witz sogar. Rechts fahren ist nur erlaubt wenn man wenden will? Was ist mit überholen? Ich dachte bisher, links überholen ist auch strafbar. Ich mache es täglich, mehrmals, weil rechts oft langsam gefahren wird…nicht, weil sie wenden wollen, nein, weil sie träumen. Und das Unfallopfer fuhr tatsächlich 3 Sekunden rechts…und dann noch ohne zu bremsen! Aber wenn ich lese, das sogar der getötete Unfallfahrer angeklagt wird, nehme ich an, der Polizeileutnant macht wirklich Scherze.

    1. Ich kenne diese Straße. Man fährt in diesem Bereich rechts um abzubiegen, und natürlich um zu wenden.
      Vielleicht war das der Grund dafür. Im Bericht ist jedenfalls nichts davon zu lesen.
      Der Pick-up ist aber eindeutig über die Betonabgrenzung geflogen, ungebremst in den Gegenverkehr gekracht, und hätte auf Grund des Fotos, den PKW auch dann abgeschossen, wenn der in der zweiten oder dritten Spur unterwegs gewesen wäre.
      Komplett unverständlich die Rechtsauslegung.

  2. Es ist m.E. schwierig zu einem Rechtsthema einen gut begründeten Kommentar abzugeben wenn dazu nur ein rudimentärer, etwas sehr dünner Bericht aus der Yellow Press, hier der „Thairath“ vorliegt auf den sich hiesiger Artikel gründet. Aber wenn es den Aufreger-Index und die Klick-Zahlen steigen lässt, dann nur weiter so.

    1. Die Frage ist doch, welchen Status der besoffene Falschfahrer und welchen Status das Opfer hatte. Ein Schlingel, dem eine braune Uniform in den Sinn kommt.

    2. Also, ich kannte dieses Gesetz, das man auf einer vierspurigen Straße nur dann rechts fahren darf, wenn man wenden, also einen U-Turn machen will, nicht. Somit habe ich durch diesen Bericht wieder etwas dazu gelernt. Jetzt ist aber auf z.B. dem Highway von Bangkok nach Pattaya auf der rechten Spur teilweise ein Tempo von 120km/h vorgegeben. Wie soll ich bei dieser Geschwindigkeit wenden? Meine Frage ist jetzt nicht ganz ernst gemeint und selbe Meinung habe ich auch zu dieser Auslegung der Mitschuld. Viele Verkehrsteilnehmer fahren rechts, manche wollen zeigen, mach Platz, ich komme, andere fahren nicht gerne links, weil aus den Nebenstraßen und Sois oft einfach auf die Hauptstraße eingefahren wird ohne zu schauen und verhindern dadurch eigentlich den ein oder anderen Unfall. Also nochmals, wenn mir einer über den Mittelstreifen entgegengeflogen kommt, kann ich in den Sekundenbruchteilen unmöglich reagieren und ausweichen, egal auf welcher Spur ich fahre. Wäre natürlich nicht verkehrt, zu erfahren ob es sich wirklich so zugetragen hat wie im Thairath berichtet und vor allem was aus der Anklage gegen den Geschädigten wird.

  3. Der Unfallverursacher war stockbesoffen! Er geriet auf die Gegenfahrbahn und verschuldete so diesen fatalen Unfall. Ein klarer Fall für den es sich lohnt sämtliche Rechtsmittel einzusetzen!

  4. Was man meint und was Recht ist, sind unterschiedliche Dinge. Wie bei uns auch. Rechts fahren wenn links frei ist, ist nun mal nicht erlaubt. Aufregung ist verständlich, aber sinnlos.

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