Er tötete eine 17-Jährige in Pattaya – Wer ist Simon Carman?

Er hat zugegeben, sie getötet zu haben. Dann stopfte er die Leiche in einen Koffer, fuhr zum Flughafen – und wollte einfach weg. Was wir über Simon Peter Carman wissen: ein Porträt aus Kälte und gescheiterter Flucht.

Er tötete eine 17-Jährige in Pattaya – wer ist Simon Carman?
Pattaya News

Pattaya am 27. Juni 2026: Zwischen überwuchertem Gras neben Bahngleisen entdecken Polizisten einen schwarzen Koffer. Was darin ist, erschüttert die der Beamten. Simon Peter Carman – 46 Jahre alt, australischer Staatsbürger – sitzt in diesem Moment bereits im Transitbereich des Suvarnabhumi-Airports, Kratzer auf dem Körper, ein Jetstar-Ticket nach Perth. Er kommt nicht weit. Wer aber ist dieser Mann wirklich, der nun ohne Kaution im Pattaya Remand Prison sitzt und auf seinen Prozess wartet?

Ballarat-Boy auf Abwegen

Carman wurde im australischen Ballarat, Victoria, geboren – wuchs aber im abgelegenen Jerramungup auf, einer Kleinstadt in Westaustralien knapp 440 Kilometer südöstlich von Perth. Bekannt ist Jerramungup vor allem für Weizen, Schafe und die weite Stille der Wheatbelt-Region. Keine Weltstadt. Kein Ort, an dem man über sich hinauswächst, wenn man nicht will. Carman wollte offenbar nicht.

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Die Familie zog später weiter: nach Albany, dann nach Rockingham im Großraum Perth, schließlich in den südperthischen Vorort Casuarina. Auf diesem Weg verdiente Carman seinen Lebensunterhalt als Mechaniker und Fernfahrer auf Langstreckenrouten zwischen Westaustralien und Victoria. Nachbarn, die The West Australian interviewte, beschreiben ihn auch dort als Einzelgänger – pünktlich, unauffällig, schwer zu greifen.

Als der Rücken den Fernfahrer stoppte

Beim Langstreckentransport zahlte Carman einen körperlichen Preis, der sein Leben dauerhaft veränderte. Bekannte, die The Australian und The Nightly befragten, berichten von schweren Rückenverletzungen, einem Metallstab in der Wirbelsäule und einer dauerhaften Abhängigkeit von starken Schmerzmitteln. Arbeitsfähig war er damit nicht mehr – weder als Fernfahrer noch als Mechaniker.

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Was folgte, war knapp ein Jahrzehnt in einem Industriekomplex in Rockingham: staatliche Behindertenrente, dazu Entschädigungszahlungen aus dem Arbeitsunfall. Nachbarn beschrieben ihn dort ähnlich wie später jene in Jomtien: als jemanden, der größtenteils für sich blieb, wenig redete, kaum auffiel. Keine Freunde. Kein nennenswertes Sozialleben. Ein Mensch im Dauermodus Rückzug.

Threads-Nachrichten statt echter Gespräche

Kein Facebook, kein Instagram – Carman hatte laut allen vorliegenden Berichten kaum eine digitale Präsenz. Bis The Nightly nach seiner Verhaftung ein öffentliches Threads-Profil fand und auswertete. Monate von nahezu wortgleichen Nachrichten an Frauen weltweit. „Hello Gorgeous, how are you doing? Where are you located?“ – dieselbe Formel, dutzendfach wiederholt, Kopie für Kopie, ohne erkennbare persönliche Note.

Am 4. Juni 2026, gut drei Wochen vor seiner Verhaftung, kommentierte Carman den Selfie einer Frau mit zwei Worten: „Too fat.“ Im Oktober 2025 hatte er in öffentlichen Kommentaren erstmals erwähnt, nach Thailand umgezogen zu sein. Tiefe Verbindungen, echte Gespräche, wirkliche Kontakte: Fehlanzeige. Die Threads-Aktivität war kein Sozialleben. Sie war ein digitales Abbild seiner Einsamkeit.

Jomtien – Neuanfang für 330 Dollar

Rund 330 US-Dollar im Monat zahlte Carman für sein Condominium in Jomtien, südlich von Pattayas Touristenzentrum. Die Gegend zieht Ausländer an, die Lärm und Trubel der Hauptstraßen meiden wollen: ruhiger, günstiger, übersichtlicher. Carman schwamm, bestellte per Lieferdienst, aß gelegentlich in der Umgebung, braute selbst Ingwerbier. Manchmal lief er nachts am Strand, wenn er nicht schlafen konnte.

Nachbarn und ein Angestellter eines nahe gelegenen Betriebs schilderten gegenüber The Pattaya News ein eigenartiges Bild: Ein Mann, der langsam spricht, langsam geht, Dinge minutenlang anstarrt, als wäre er anderswo. „Alles an ihm war langsam“, sagte ein Nachbar, der anonym bleiben wollte. Im Großen und Ganzen aber fiel er nicht auf – ein weiterer Ausländer, der ein ruhiges Leben in Thailand suchte.

Die Nacht des 25. Juni

In den frühen Morgenstunden des 25. Juni begegnete Carman laut Polizeiangaben der 17-jährigen Thanchanok Donhomla – Spitzname „Cake“ – im Bereich Jomtien Beach. Sie stammte aus der Provinz Kalasin im Nordosten Thailands, war nach Aussage ihrer Familie zum ersten Mal nach Pattaya gereist. Um 3:34 Uhr erfasst eine Überwachungskamera die beiden im Foyer seines Wohngebäudes – Hand in Hand, gemeinsam in den Lift.

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Thanchanok schickte kurz darauf eine Nachricht an Freunde über die in Thailand weit genutzte Line-App: „Ich bin angekommen. Das Zimmer ist so unordentlich.“ Dann kein weiteres Lebenszeichen. Laut Polizei eskalierte ein Streit um die vereinbarte Summe für sexuelle Dienstleistungen – 1.000 Baht, von denen Carman nur 500 zahlen wollte. Er bestreitet bis heute, sie getötet zu haben.

Flucht, Festnahme, das Nicht-Geständnis

Rund 18 Stunden nach dem gemeinsamen Betreten des Lifts zeigen Kameras Carman beim Verlassen des Gebäudes: Er zieht einen großen schwarzen Koffer hinter sich her, lädt ihn auf ein Motorbike und fährt davon. Vier Kilometer entfernt, neben Bahngleisen nahe dem Pattaya Floating Market, wird Thanchanoks Leiche am 27. Juni entdeckt. Carman ist da bereits auf dem Weg nach Bangkok.

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Am Suvarnabhumi Airport läuft er in die Falle. Polizisten stellen Kratzer auf seinem Körper fest, die er zunächst mit anderen Ursachen erklärt. In einem von Beamten aufgezeichneten Video richtet er sich an die Familie: „I feel bad for what happened to your daughter. It was out of my control.“ SBS News bezeichnete die Aussage als „bizarr“. Thanchanoks Stiefmutter Oradee Bussarakum fordert öffentlich die Todesstrafe.

Was Carman in Thailand erwartet

Das thailändische Strafrecht sieht für vorsätzlichen Mord die Todesstrafe vor – vollstreckt per Giftspritze, seit Thailand 2003 das Erschießungskommando abschaffte. Die letzte Hinrichtung im Land fand am 18. Juni 2018 statt. Seither werden zwar weiter Todesurteile ausgesprochen – zuletzt noch im März 2025 gegen einen malaysischen Staatsangehörigen – vollstreckt wurde jedoch keines. Ein faktisches Moratorium, das kein gesetzliches ist.

Die Polizei hat bis zu 84 Tage, um die Ermittlungen abzuschließen, bevor die formalen Gerichtsverfahren anlaufen. Carman sitzt ohne Kaution im Pattaya Remand Prison, das australische Konsulat leistet konsularische Unterstützung. Ob er einen Anwalt engagieren kann, ist unklar – er selbst erklärte gegenüber der Polizei, er habe kaum Geld. Der Prozess steht erst am Anfang. Der Ausgang ist offen.

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