BANGKOK – Ein Angebot, das zu schön klingt, um wahr zu sein: Ein multinationaler E-Commerce-Riese bietet der thailändischen Regierung 500 Millionen Baht als Hilfspaket für kleine und mittlere Unternehmen an. Doch Pawut Pongvitayapanu, Abgeordneter der Prachachon-Partei, rechnet vor: Unter dem Strich ist das für die meisten Händler kaum mehr als ein Marketing-Gag – während gleichzeitig die Verkaufsgebühren massiv steigen.
Das 500-Millionen-Baht-Versprechen
Der Deal klingt nach einem politischen Coup: Eine transnationale Plattform trifft die Regierung, verspricht ein halbe Milliarde Baht für thailändische KMU, und die Bosse reisen persönlich an. Pawut erkennt den Marktwert Thailands an, doch er warnt vor einer Denkfalle.
Teilt man die 500 Millionen Baht auf 1,2 Millionen betroffene Händler und sechs Monate Laufzeit auf, bleibt pro Geschäft und Monat kaum mehr als ein symbolischer Betrag übrig. Noch dazu gilt die Stützung nur für die ersten zehn Bestellungen im Monat und nur für Läden mit einem Umsatz unter zehntausend Baht – jene Händler, die unter den Gebührensteigerungen wirklich leiden, fallen meist ganz durchs Raster.
Marketingbudget oder Rettungsschirm?
Pawut spricht von einer umetikettierten Marketingkampagne: ein Budget, das die Plattform in einen „Rettungsschirm für die Nation“ umbenennt, um sich politischen Kugelschutz zu kaufen. Während Parlament und Gesellschaft Druck wegen der Monopolbildung durch ausländisches Kapital machen, könnte sich die Regierung bei künftigen Kontrollgesetzen zurückhalten.
Der Abgeordnete nennt das einen Schachzug, der mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt: Kleine Läden ohne nennenswerten Umsatz werden an die Plattform gebunden und sollen zu großen Kunden heranwachsen. Am Ende profitiere vor allem eine Seite von dieser Umarmungsstrategie.
Mit der rechten Hand die Gebühren erhöhen
Nur neun Tage nach dem Treffen mit dem Premierminister verkündete der Plattformbetreiber eine neue Runde von Gebührenerhöhungen, gültig ab dem 4. August. Pawut hält echte Händlerdaten dagegen: Auf Shopee stiegen die Gesamtgebühren aus Verkauf und Zahlung in weniger als einem Jahr von mindestens 18,19 auf erschreckende 28,82 Prozent.
Fast ein Drittel des Verkaufspreises wandert damit direkt an die Plattform. Geschäfte sind gezwungen, ihre Preise um mindestens 20 Prozent anzuheben, sonst fressen die Kosten ihren Gewinn auf. Was nach Hilfe klingt, reißt vielen Händlern den Boden unter den Füßen weg.
Der Kreislauf aus Codes und Preisspiralen
Das Geld aus den erhöhten Gebühren fließt nicht in bessere Bedingungen, sondern in Rabattcodes, die an die Käufer verteilt werden. Im Schnitt liegt der Code-Anteil bei 25 Prozent, mittlerweile laufen 98 Prozent aller Bestellungen über solche Rabatte. Pawut bringt das Dilemma auf den Punkt: „Ohne Code kauft niemand.“
Damit entsteht ein Kaufrausch, der die Warenpreise auf der Plattform künstlich aufbläht. Händler erhöhen die Preise, um von den Gebühren nicht aufgefressen zu werden, die Plattform verteilt Codes, und Käufer können nicht mehr ohne. Der wahre Gewinner in diesem Spiel bleibt immer der Marktplatzbetreiber.
Thailand-Pavillons statt Almosen
Pawut will die Logik umdrehen und das Exportprogramm der Plattform zur nationalen Agenda erheben. Er schlägt „Thailand Pavilions“ auf den Startseiten in Malaysia, Singapur, Vietnam und den Philippinen vor, damit thailändische Produkte durch den Algorithmus wirklich nach vorne gespült werden.
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Thailändischen Geschäften, die ins Ausland verkaufen, soll für ein Jahr eine Null-Gebühr für den Export gewährt werden. Transport- und Lagerkosten könnten durch staatliche Zuschüsse und die Zusammenarbeit mit der LogisTech Association wettbewerbsfähig gestaltet werden, fordert der Abgeordnete.
Gebührentransparenz auf den Verhandlungstisch
Wenn Gebühren steigen, dann nur mit langer Vorankündigung und einer klaren Obergrenze, nicht mehrmals im Jahr ohne Vorwarnung. Pawut verlangt Transparenz als feste Verhandlungsbedingung, bevor sich die Regierung zum Eröffnungsfototermin neben Plattform-Manager stellt.
Das bisherige Vorgehen sei intransparent und zerstöre jede Planungssicherheit der Händler. Wer für sein Geschäft verlässliche Kalkulationen brauche, könne sich nicht alle paar Monate auf neue Gebührensprünge einstellen.
Nicht einzeln kuscheln, sondern alle an einen Tisch
Der Abgeordnete rät der Regierung dringend davon ab, mit jedem Anbieter einzeln zu verhandeln und Einzeldeals zu schließen. Stattdessen soll ein nationaler Kooperationsrahmen her, der alle digitalen Giganten an einen Tisch zwingt und für alle dieselben Regeln schafft.
Importwaren müssten TISI- und FDA-Standards erfüllen, Exportkanäle für thailändische Produkte geöffnet und die Gebührengestaltung streng kontrolliert werden. Eine selektive Partnerschaftspflege schaffe nur Verzerrungen und neue Abhängigkeiten.
TikTok, Meta und die Chat-Händler
Für TikTok schwebt Pawut vor, die Kraft von Live-Streams und Creatorn gezielt für lokale thailändische Produkte einzusetzen und den Algorithmus entsprechend anzupassen. Thailands Produkte müssten sichtbarer werden als ausländische Billigware.
Bei Meta und LINE, wo Thailänder weltweit führend im Chat-Commerce sind, sollten Backend-Systeme, Transport und Zahlung so vernetzt werden, dass Geschäfte unabhängig von Marktplätzen bestehen können. Die Abhängigkeit von einzelnen Kanälen sei ein Risiko, das kein Unternehmer unterschätzen dürfe.
Thailändische Plattformen nicht alleine lassen
Pawut mahnt, über all den internationalen Schwergewichten die eigenen Plattformen nicht zu vergessen. Im Land entstehen zunehmend thailändische Alternativen, doch ohne staatliche Unterstützung und organisierten Zusammenschluss der Branche hätten sie gegen die globalen Giganten kaum eine Chance.
Die Arbeit über den E-Commerce-Verband könne dabei das entscheidende Bindeglied werden, damit die Regierung nicht einem einzelnen Unternehmen hilft, sondern einem ganzen Ökosystem den Rücken stärkt.
Widerspruch zwischen linker und rechter Hand
Pawuts Fazit ist deutlich: Mit der linken Hand 500 Millionen zu geben und mit der rechten Hand fast 10 Prozent mehr Gebühren zu kassieren, sei ein Widerspruch, den sich Thailand nicht leisten könne. Die Plattform nutze einen Bruchteil ihres Geldes, um sich das Recht zur Monopolisierung des digitalen Marktes zu erkaufen. „Ich möchte nicht, dass transnationale Plattformen alles aufessen“, stellt der Abgeordnete klar und appelliert an die Regierung, gemeinsam mit dem gesamten Online-Handelsökosystem zu wachsen. An die Unternehmer gerichtet rät er, sich nie nur auf einen einzigen Marktplatz zu verlassen, sondern eigene Vertriebskanäle aufzubauen – denn die Spielregeln könne jederzeit ein anderer ändern.
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