BANGKOK – Thailand steht ab Oktober unter dem Einfluss eines Super-El-Niño, der bis in die Regenzeit 2027 hineinwirken wird. Das Thailändische Meteorologische Amt warnt vor einem Rückgang der Niederschläge um mindestens zehn Prozent. Ernten, Reisplantagen und die Wasserversorgung sind direkt bedroht.
81 Prozent Wahrscheinlichkeit für sehr starken El Niño
Surapong Sarapa, Direktor der Wettervorhersageabteilung, beruft sich auf Prognosen der US-amerikanischen NOAA. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes El-Niño-Ereignis zwischen Oktober und Dezember bei 81 Prozent.
Es könnte das stärkste Ereignis dieser Art seit 1950 werden. Der Super-El-Niño wird sich voraussichtlich bis Anfang 2027 abschwächen und dann in einen milden El Niño übergehen. Für Ende 2027 wird eine Verschiebung der Bedingungen hin zu einem La-Niña-Ereignis prognostiziert.
Niederschläge verschieben sich drastisch
Die Gesamtmenge des Regens muss nicht zwingend abnehmen. Das Problem ist die geografische und zeitliche Verteilung. Längere Trockenperioden verringern die Zahl der Regentage, während sich Niederschläge auf bestimmte Gebiete konzentrieren.
Die Folgen sind heftige Regenfälle in der Trockenzeit und häufigere sogenannte Regenbomben. Stauseen können diese Wassermassen kaum auffangen, weil ein Großteil des Regens in den Grenzregionen erwartet wird. Den Provinzen im Landesinneren droht genau deshalb eine massive Dürre.
Klimawandel verschärft die Auswirkungen
Surapong Sarapa warnte, dass der globale Temperaturanstieg um rund zwei Grad Celsius die Lage zuspitzt. Thailand müsse sich auf schwerwiegendere Veränderungen der Niederschlagsmuster einstellen als bei früheren Ereignissen.
„Ein sich änderndes Niederschlagsmuster ist eine Folge steigender globaler Temperaturen. Als tropisches Land spüren wir vielleicht keine wesentlich heißeren Bedingungen, aber wir werden mit schwerwiegenderen Veränderungen der Niederschlagsmuster konfrontiert sein”, so Sarapa.
Frühere Super-El-Niños als Mahnung
Thailand erlebte bereits in den Jahren 1997-98, 2015-16 und zuletzt 2024 vergleichbare Wetterphänomene. Die bevorstehende Phase wird von Behörden als besonders kritisch eingestuft.
Sarapa forderte konkrete Pläne, um die Wasserreserven des Landes zu sichern. Ohne Gegenmaßnahmen werde der Druck auf die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung erheblich steigen.
Wasserstände in Staudämmen sinken
Die vier großen Staudämme, die die Zentralebene versorgen, sollen ihre Pegel über August und September hinweg halten können. Trotzdem wird der kombinierte Speicherstand voraussichtlich rund zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.
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Thanes Somboon, Sprecher des Royal Irrigation Department, bestätigte die angespannte Lage. Er leitet das Smart Water Operation Centre und rechnet mit spürbaren Engpässen, sobald die Dürreperiode beginnt.
20 Prozent weniger Reisproduktion erwartet
Eine schwere Dürre trifft vor allem die zweite Reisernte im kommenden Jahr. Die Wasserreserven werden dann nicht ausreichen, um die Felder ausreichend zu bewässern. Thanes Somboon prognostiziert einen Rückgang der Reisproduktion um rund 20 Prozent.
Das Ministerium für Landwirtschaft und Genossenschaften setzt auf ein System abwechselnder Bewässerung und Trocknung. Damit soll im Reisanbau Wasser gespart werden. Parzellen innerhalb offizieller Bewässerungszonen bleiben verschont, da sie weiterhin Wasser aus den Staudämmen erhalten.
Milliarden Kubikmeter Wasser verplant
Die Wasserbehörde hat die Allokation für die Regenzeit exakt durchgerechnet. 9,49 Milliarden Kubikmeter Wasser wurden für Verbrauch, Landwirtschaft, Ökosysteme und Industrie bereitgestellt. Weitere 5,46 Milliarden Kubikmeter werden zusätzlich abgelassen.
Die gesamte geplante Wasserzuteilung für die Regenzeit beläuft sich damit auf 14,956 Milliarden Kubikmeter. Diese Menge soll die schlimmsten Folgen abfedern, bis die Vorräte im nächsten Jahr auf die harte Probe gestellt werden.
Wasserabgabe wird jetzt gedrosselt
Thanes Somboon betonte, dass die Behörden im laufenden Monat mehr Wasser freigegeben haben, um Landwirte zu unterstützen. Im kommenden Monat wird diese Abgabe jedoch deutlich zurückgefahren. Ziel ist es, die Vorräte für die Dürreperiode zu schonen, in der der Wasserbedarf um 20 Prozent steigen könnte.
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„Wir haben diesen Monat mehr Wasser abgelassen, um die Landwirte zu unterstützen. Nächsten Monat werden wir jedoch die Abgaben reduzieren, um die Vorräte für die Dürrezeit zu bewahren, in der der Wasserbedarf um 20 Prozent steigen könnte”, erklärte Somboon.

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