BANGKOK – Chinesische Reisende werden 2026 voraussichtlich weniger Auslandsreisen unternehmen als bisher erwartet. China Trading Desk rechnet mit rund 179 Millionen Ausreisen und Ausgaben von etwa 258 Milliarden US-Dollar – knapp 3 Prozent weniger als noch im Juni prognostiziert. Auch Thailand wird davon betroffen sein.
Weniger Reisen, aber stabile Budgets
Diese Werte wären trotz der Korrektur ein Rekord und lägen über dem Niveau vor der Pandemie. Die Erholung des chinesischen Reisemarktes ist damit nicht beendet, sie verläuft aber langsamer.
Nach Einschätzung von Subramania Bhatt, dem Chef von China Trading Desk, ist die Reiselust nicht verschwunden. Die Menschen wählen genauer aus, wann sie verreisen und ob sich eine Reise für sie lohnt.
Immobilienkrise bremst die Nachfrage
Als wichtigste Belastung gilt die anhaltende Immobilienkrise in China. Hinzu kommen Konflikte im Nahen Osten, die Fernstrecken beeinträchtigen und Reisende zu näher gelegenen Zielen lenken.
Wer trotzdem ins Ausland reist, hält sein Reisebudget ungefähr stabil. Die erwartete Lücke entsteht vor allem durch weniger Reisen – nicht durch geringere Ausgaben pro Reise.
Japan und Thailand verlieren chinesische Gäste
Japan wird durch einen diplomatischen Streit über Taiwan getroffen. Chinesische Fluggesellschaften haben Verbindungen gekürzt, die Zahl der Ankünfte aus China dürfte in diesem Jahr auf 4,1 Millionen sinken und sich damit mehr als halbieren.
Thailand verliert aus einem anderen Grund an Anziehungskraft. Berichte über Betrugsnetzwerke und Sicherheitsvorfälle haben das Vertrauen chinesischer Reisender belastet.
Thailand senkt sein Ankunftsziel
Die Association of Thai Travel Agents hatte bereits im Juni ihre Prognose für chinesische Besucher im Jahr 2026 von 9 Millionen auf 7 Millionen gesenkt. Als Hauptgrund nannte der Verband Sicherheitsbedenken.
Dazu zählten berichtete Lösegeldfälle, Vermisstenfälle und mit Betrug verbundene Kriminalität. Der Verband verwies auch auf höhere Reisekosten und negative Berichte in chinesischen sozialen Medien.
Südkorea profitiert vom Wechsel
Südkorea gilt als klarer Gewinner der Verschiebung. Das Land zieht sowohl kaufkräftige chinesische Besucher als auch Reisende an, die Japan nicht mehr als Ziel wählen.
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Südkorea erwartet in diesem Jahr rund 7 Millionen chinesische Gäste. Sie dürften fast 13 Milliarden US-Dollar ausgeben, im Schnitt etwa 1.815 US-Dollar pro Person.
Näheres Ausland und teure Fernziele
Unsicherheit lenkt viele Reisende in näher gelegene Gebiete. Hongkong und Macau kommen inzwischen zusammen auf fast 40 Prozent des gesamten chinesischen Auslandsreisemarktes.
Hohe Besucherzahlen bedeuten aber nicht automatisch hohe Einnahmen. Hongkong rechnet mit rund 41 Millionen Reisen vom chinesischen Festland, während die durchschnittlichen Ausgaben nur etwa 310 US-Dollar pro Person betragen.
Frankreich zeigt die andere Seite
Frankreich erwartet dagegen nur 2,2 Millionen Reisen aus China. Pro Besucher werden dort jedoch durchschnittlich 7.622 US-Dollar ausgegeben.
Für Thailand zeigt dieser Vergleich, dass Ankunftszahlen und Tourismuseinnahmen nicht dasselbe Ziel sind. Ein Reiseziel kann bei der Zahl der Gäste gewinnen und beim Umsatz trotzdem verlieren.
Auslandsmarkt wächst langsamer
Für den gesamten chinesischen Markt rechnet China Trading Desk 2026 weiterhin mit einem Anstieg der Auslandsreisen um 7 Prozent gegenüber 2025. Die durchschnittlichen Ausgaben sollen bei 1.437 US-Dollar pro Reise liegen.
Die Prognose basiert auf Angaben von Bloomberg und China Trading Desk.
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