BANGKOK – Die Mehrwertsteuer bleibt ein weiteres Jahr bei 7 Prozent. Das Kabinett beschloss am 27. Juli 2026, den reduzierten Satz vom 1. Oktober 2026 bis zum 30. September 2027 zu verlängern. Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das vorerst keine zusätzliche Steuerlast, zugleich wächst der Druck auf die Staatsfinanzen.
7 Prozent bleiben bis September 2027
Die Verlängerung gilt für das gesamte Haushaltsjahr 2027. Eine Rückkehr zum regulären Satz von 10 Prozent ist damit erneut aufgeschoben.
Das Finanzministerium begründete die Entscheidung mit der wirtschaftlichen Lage. Die niedrigere Mehrwertsteuer soll den Konsum, die Geschäfte der Unternehmen und die Erholung der Wirtschaft stützen.
Zu den Herausforderungen zählen die hohe Verschuldung der Haushalte, Probleme bei der Qualität von SME-Krediten, der geopolitische Konflikt im Nahen Osten mit Auswirkungen auf die Energiekosten und die Unsicherheit über die globale Handelspolitik.
Thailand hat den Steuersatz 23-mal per Dekret geändert
Seit Beginn der Politik zur Senkung der Mehrwertsteuer im Jahr 1992 hat Thailand 23 königliche Dekrete zur Änderung des Satzes erlassen. Ein Dekret senkte die Steuer zwischen 1992 und 1997 auf 7 Prozent.
Zwischen 1997 und 1999 galt kurzzeitig wieder ein Satz von 10 Prozent. Seit 1999 wurde die Mehrwertsteuer durch 21 weitere Dekrete auf 7 Prozent reduziert.
Defizit bleibt über der Drei-Prozent-Grenze
Thailand verzeichnet seit mehr als 20 Jahren jedes Jahr ein Haushaltsdefizit. Seit mehreren Jahren liegt das Defizit über 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – dem Richtwert des staatlichen Rahmens für finanzielle Tragfähigkeit.
Der mittelfristige Finanzrahmen für die Haushaltsjahre 2027 bis 2030 sieht deshalb eine Rückkehr zu höheren Einnahmen vor.
Der Plan der Regierung, die Bürokratie umzugestalten und laufende Ausgaben zu kürzen, dürfte in den nächsten ein bis zwei Haushaltsjahren noch keine unmittelbaren Ergebnisse bringen.
Höherer Satz würde bis zu 300 Milliarden Baht bringen
Bei einer Rückkehr zu 10 Prozent könnten die Staatseinnahmen nach Einschätzung des Finanzministeriums höchstens um 300 Milliarden Baht pro Jahr steigen – vorausgesetzt, der Konsum würde nicht zurückgehen. Einschließlich der lokalen Steuer entspräche das einem effektiven Satz von 11,11 Prozent.
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Eine Steuererhöhung würde nach Einschätzung des Ministeriums die Kosten für Bevölkerung und Unternehmen stark erhöhen. Sie könnte verhindern, dass die Wirtschaft ihr Wachstumsziel erreicht.
Wirtschaftsbehörden fordern einen Stufenplan
Der Nationale Rat für wirtschaftliche und soziale Entwicklung hält die Verlängerung angesichts der anhaltenden Herausforderungen für passend. Der Wirtschaft fehle weiterhin der Schwung durch den Konsum der Haushalte.
Der Rat warnt zugleich vor Risiken durch die Weltwirtschaft und das Finanzsystem. Er empfiehlt dem Finanzministerium, seine Pläne für höhere Einnahmen schnell zu erklären und eine schrittweise Anhebung bereits vor 2028 zu prüfen.
Neue Einnahmen sollen das Defizit senken
Der mittelfristige Finanzrahmen sieht vor, das Haushaltsdefizit bis zum Haushaltsjahr 2029 auf höchstens 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Dafür kommen neben höheren Steuern auch andere Maßnahmen zur Neuordnung der Einnahmen infrage.
Das Haushaltsbüro unterstützt die Verlängerung, verlangt aber eine bessere Erhebung staatlicher Einnahmen und einen effizienteren Umgang mit Staatsvermögen. Ob die Mehrwertsteuer ab dem 1. Oktober 2027 wie vorgesehen steigt, bleibt offen; ohne zusätzliche Einnahmen könnte Thailand künftig in eine Finanzkrise geraten.
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