Der Drogensumpf auf der Sukhumvit

Ein Reise-Vlogger filmte auf der Sukhumvit Road binnen 30 bis 40 Minuten mindestens zehn Angeboten, auch neben seinem Sohn. Die Polizei beschlagnahmte bei Razzien Drogen, Bargeld und Luxusgüter.

Der Drogensumpf auf der Sukhumvit
GlobetrotterJulez, ThaiExaminer

BANGKOK, THAILAND – Auf der Sukhumvit Road sollen Ausländer weiterhin offen Kokain angeboten bekommen. Der Reise-Vlogger GlobetrotterJulez filmte innerhalb von 30 bis 40 Minuten mindestens zehn Angebote, darunter mutmaßliche Kokainangebote – sogar als sein neunjähriger Sohn direkt neben ihm lief. Gleichzeitig gehen thailändische Behörden gegen Straßenverkäufer, versteckte Verkaufsräume und internationale Drogen-Netzwerke vor.

Werbeanzeige

Kokain-Angebote neben dem eigenen Kind

Ein Händler sprach den Vlogger am helllichten Tag an, als dieser mit seiner vierjährigen Tochter auf der belebten Sukhumvit Road unterwegs war. Mehrere Männer sollen ihm wiederholt Kokain angeboten haben.Während einer Begegnung hielt die Tochter „Coke“ für Coca-Cola.

Für die Aufnahmen kehrte Julez am folgenden Tag mit seinem Sohn zurück. Mit einer Datenbrille von Meta filmte er innerhalb eines 30- bis 40-minütigen Spaziergangs mindestens zehn Ansprachen oder Aufmerksamkeitsversuche.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Die Aufnahmen zeigen keine Übergabe

Das Video veröffentlichte Julez am 18. August. Es zeigt weder Kokain noch einen Kauf oder eine Übergabe, dokumentiert aber mehrere Ansprachen bei Tageslicht entlang einer der verkehrsreichsten Straßen Bangkoks.

Einige Gespräche hatten keinen Bezug zu Drogen. Andere wirkten wie direkte oder verschlüsselte Angebote. Die Aufnahmen identifizieren jedoch keine Lieferanten und belegen nicht, wie viel Kokain verfügbar war oder ob die Männer rund um die Uhr dort tätig sind.

Werbeanzeige

Ermittler nehmen Verkäufer und Hintermänner ins Visier

Die Polizei geht seit September 2025 gegen Händler in Nana sowie in den Sukhumvit-Sois 3, 11 und 13 vor. Ermittler verfolgten mutmaßliche Lieferanten auch nach Samut Prakan, Nonthaburi und in weitere Bezirke Bangkoks.

Zum Einsatz kamen verdeckte Käufe, Überwachung, koordinierte Razzien und Finanzermittlungen. Beamte beschlagnahmten Kokain, Bargeld, Fahrzeuge, Telefone und Luxusgüter. Ein internationales Netzwerk soll mehr als 380 Millionen Baht bewegt haben.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Erste Festnahmen in Samut Prakan

Am 2. September 2025 nahmen Drogenfahnder in einer Wohnanlage in Samut Prakan zwei Verdächtige fest: den Nigerianer Ukwe Vincent Chisom und seine thailändische Freundin Kesinee, die Lek genannt wird. Nach Angaben der Ermittler versorgte das Paar den Sukhumvit-Bezirk mit Kokain.

Die Festnahmen erfolgten an der Srinakarin Road, nicht in Sukhumvit. Die Beamten fanden 99 Gramm Kokain und drei Mobiltelefone. Außerdem beschlagnahmten sie Vermögenswerte im Wert von mehr als 700.000 Baht.

Werbeanzeige

Verdeckter Ermittler führt Polizei in Verkaufsraum

Am 15. Oktober 2025 folgte ein Einsatz in Sukhumvit Soi 3. Ein verdeckter Polizist trat als ausländischer Tourist auf und wurde von mehreren arabischen Männern in ein fünfstöckiges Geschäftshaus geführt.

Hinter einem Friseursalon lag ein versteckter Raum, in dem der geplante Verkauf stattfinden sollte. Der Ermittler trug ein Funkmikrofon. Als der Handel bestätigt war, stürmten wartende Beamte das Gebäude und nahmen sieben arabische Männer sowie eine Thailänderin fest.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Versteckte Drogen hinter einem Friseursalon

Zunächst fanden die Beamten nur die Drogen, die dem verdeckten Ermittler angeboten worden waren. Mit Spürhunden durchsuchten sie das Gebäude weiter und entdeckten 1,7 Gramm Kokain sowie 3,3 Gramm Crystal Methamphetamin.

Außerdem wurden vier Ecstasy-Tabletten, zwei Methamphetamin-Tabletten, Magic Mushrooms, Wasserpfeifen-Zubehör und geschmuggelte Zigaretten sichergestellt. Die Thailänderin erklärte, sie betreibe dort ein Schönheitsgeschäft und verkaufe Cannabis, habe aber von den anderen Drogen nichts gewusst.

Werbeanzeige

Festnahmen in Nana nach Beschwerden von Besuchern

Elf Tage später rückten in Nana 40 Zivilfahnder aus. Einige Beamte trugen Kleidung von Bauarbeitern. Nach Mitternacht beobachteten sie in Sukhumvit Soi 11 mutmaßliche Kokainverkäufer, die sich unter Touristen bewegten.

Der Einsatz folgte Online-Beschwerden über Händler und Taschendiebe in Nana. Die Polizei nahm acht Nigerianer und einen thailändischen Verdächtigen im Alter von 23 bis 41 Jahren fest. Zwei Päckchen mit insgesamt vier Gramm Kokain wurden beschlagnahmt.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Verkäufer sollen Päckchen im Mund versteckt haben

Die Polizei beschrieb eine Methode, bei der kleine Kokainpäckchen im Mund getragen werden. Nach einem vereinbarten Verkauf könnten die Händler ein Päckchen ausspucken. Bei einem Auftauchen der Polizei könnten sie es wieder verschlucken.

Ermittler erklärten, auch Kuriere nutzten diese Art der Tarnung bei Flügen nach Thailand. Die Päckchen würden vor der Einreise verschluckt und später zurückgewonnen, bevor die Drogen über Ausgehviertel an Kunden gelangten.

Werbeanzeige

400 Gramm Kokain bei britischem Verdächtigen

Am 6. März 2026 nahmen Beamte den 64-jährigen Briten Phillip Thomas Lingwood nahe Sukhumvit Soi 13 fest. Die Polizei hatte zuvor Hinweise auf einen ausländischen Lieferanten erhalten und die Straße sowie umliegende Gebäude überwacht.

Lingwood verließ gegen 22.30 Uhr ein Gebäude mit einer schwarz-grünen Papiertüte. Die Beamten stoppten ihn im Bezirk Watthana und stellten etwa 400 Gramm Kokain sicher. Außerdem fanden sie kleinere Mengen MDMA und Crystal Methamphetamin.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Ermittler beschlagnahmen Bargeld und Vermögen

Am 18. April nahmen Polizisten bei koordinierten Einsätzen in Bangkok und Nonthaburi vier Verdächtige fest. Die Ermittlungen hatten etwa vier Monate gedauert. Unter den Festgenommenen war ein 47-jähriger Nigerianer namens Patric, dem die Polizei in fünf Fällen gewerbsmäßigen Kokainhandel vorwarf.

Ein 60-jähriger Schweizer wurde vor einem Geschäft in Nonthaburi festgenommen. Er trug 0,87 Gramm Kokain bei sich. Zwei Thailänder, die als Yot und Nat bezeichnet wurden, nahmen die Beamten an der Rama III Road fest. Insgesamt fanden sie etwa 30 Gramm Kokain, ein Auto, ausländische Währungen und rund 1,5 Millionen Baht Bargeld.

Werbeanzeige

Polizei nimmt mutmaßlichen Netzwerkchef fest

Am 9. Juni gingen die Behörden gegen ein weiteres internationales Netzwerk vor. Sie nahmen in einer Luxus-Wohnanlage an der Rama III Road einen 36-jährigen Nigerianer fest, den die Ermittler als Anführer des grenzüberschreitenden Dodorima-Kokainnetzwerks bezeichneten.

Nach Angaben der Polizei soll Patrick mehr als sieben Jahre in Thailand gelebt und regelmäßig zwischen Thailand und Afrika gereist sein. Er habe als Kurier in Touristenvierteln begonnen und später die Führung des Netzwerks übernommen. Bei seiner Festnahme fanden Beamte etwa 18 Gramm Kokain, 178.800 Baht, rund 1.900 US-Dollar, ein Fahrzeug und Luxusgüter.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Weitere Ermittlungen nach der Festnahme

Die Polizei fror außerdem rund 40.000 Baht auf Bankkonten ein. Das beschlagnahmte Fahrzeug wurde mit 200.000 Baht bewertet, weitere Luxusgegenstände ebenfalls mit 200.000 Baht. Der Gesamtwert der sichergestellten Gelder und Gegenstände lag bei etwa 700.000 Baht.

Die Ermittler erhielten nach eigenen Angaben auch elektronische Nachrichten zwischen Mitgliedern des Netzwerks. Die Festnahme verband damit die Verkäufe in Touristenvierteln mit einer größeren internationalen Organisation. Der Verdächtige soll versucht haben, mit seinem Wagen eine Polizeisperre zu durchbrechen, bevor er festgenommen wurde.

Werbeanzeige

Razzia in verstecktem Nachtclub in Huai Khwang

Am 17. Juli setzte sich die Kampagne in Huai Khwang fort. Die Polizei nahm in einem illegalen Nachtclub hinter dem äußeren Erscheinungsbild eines Spieleshops elf Menschen fest, darunter den mutmaßlichen Betreiber.

In den Räumen gab es nach Angaben der Beamten keinen ordnungsgemäßen Notausgang. Sie beschlagnahmten 3,83 Gramm Kokain, 326,24 Gramm Ketamin, 51,16 Gramm Crystal Methamphetamin und 224 Ecstasy-Tabletten. Hinzu kamen 19 Drogenkartuschen, 38 illegale elektronische Zigaretten, 91.000 Baht Bargeld sowie Ringe und ein gerahmtes Amulett.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Index bewertet Kokainmarkt als mittelstark

Der Global Organised Crime Index zählt Thailand zu den Ländern mit einem mittelstarken Kokainmarkt. Das unabhängige Forschungsnetzwerk Global Initiative Against Transnational Organised Crime wertet dabei alle 193 UN-Mitgliedstaaten aus und stützt sich auf offizielle Angaben, veröffentlichte Forschung, verfügbare Zahlen und Einschätzungen von mehr als 350 Experten.

Der Index zählt keine einzelnen Händler, Festnahmen oder Straßenverkäufe. Nach seiner Bewertung spielen internationale Netzwerke in Thailand eine größere Rolle als rein inländische Gruppen. Der Kokainhandel bleibt kleiner als die Märkte für Methamphetamin und Heroin, während Festnahmen und Behandlungen wegen Kokain zugenommen haben.

Werbeanzeige

Thailand bleibt Ziel für internationale Lieferungen

Die Nachfrage sei begrenzt, habe aber bei wohlhabenden Thailändern und Ausländern zugenommen. Lieferanten nutzen laut Index Flughäfen und Seehäfen des Landes. Die Lieferungen stammen vor allem aus Südamerika und Afrika.

Westafrikanische Gruppen, darunter nigerianische Netzwerke, werden als wichtige Beteiligte genannt. Auch die jüngsten thailändischen Verfahren betrafen Nigerianer, Briten, Schweizer, arabische und thailändische Verdächtige. Der Index beschreibt die staatliche Reaktion landesweit als unregelmäßig und vor allem reaktiv.

Werbeanzeige
Werbeanzeige

Strafrahmen für Kokain in Thailand

Der Index berichtet außerdem, dass korrupte Unterstützung den Kokainhandel in Thailand gelegentlich erleichtere. Einen Zusammenhang mit dem Video von Julez nennt er nicht. Ebenso gibt es keinen Vorwurf, dass Beamte in Sukhumvit die Männer unterstützt hätten, die den Vlogger ansprachen.

Lesen Sie auch: Willkommen in Thailand – ab 5 Uhr morgens wird es laut

Kokain gilt nach thailändischem Recht als Betäubungsmittel der Kategorie 2. Unerlaubte Herstellung, Einfuhr, Ausfuhr, der Verkauf oder Besitz können mit bis zu zehn Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu einer Million Baht geahndet werden.

Lesen Sie auch: Fake-Zahlung endet fatal: Wut-Händler prügelt Ausländer

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Thai Examiner

Ein Kommentar zu „Der Drogensumpf auf der Sukhumvit

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.