BANGKOK, Thailand – In gefälschtem Allergin-Sirup fanden Kontrolleure keinen Wirkstoff, sondern nur gefärbte und aromatisierte Flüssigkeit. Bei Razzien an vier Orten beschlagnahmten Polizei und Lebensmittelbehörde mehr als 1,4 Millionen Gegenstände und nahmen neun Arbeiter fest. Die mutmaßlichen Geldgeber und Organisatoren des seit ein bis zwei Jahren aktiven Netzwerks sind noch nicht gefasst.
Im Allergin-Sirup fehlte der Wirkstoff
Die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde fand in den untersuchten Flaschen kein Chlorpheniramin. Der Wirkstoff gehört zum echten Allergin-Sirup und wird gegen Allergiesymptome eingesetzt. Stattdessen enthielt die Flüssigkeit gesüßten Sirup mit Farbstoff und Himbeeraroma – verpackt in Flaschen mit nachgemachten Etiketten, die das Produkt wie ein zugelassenes Arzneimittel aussehen lassen sollten.
Die Lebensmittelbehörde meldete keine Betäubungsmittel in der gefälschten Flüssigkeit und stellte keinen direkten Zusammenhang mit 4×100-Mischungen her. Solche Drinks werden wegen ihrer berauschenden Wirkung konsumiert. Die Behörde erwähnte das Thema im Zusammenhang mit einem allgemeinen Muster des Medikamentenmissbrauchs, nicht als Merkmal des sichergestellten Produkts.
Apotheken in Südthailand lösten die Ermittlungen aus
Die Ermittlungen begannen, nachdem Apotheken verdächtige Allergin-Flaschen entdeckt hatten, vor allem im Süden des Landes. Sie wandten sich an N&N Pharmaceutical, den Hersteller des zugelassenen Arzneimittels. Mitarbeiter der Firma prüften die Flaschen, verfolgten Hinweise über das Liefersystem und gaben ihre Erkenntnisse an die Ermittler der Hauptstadtpolizei sowie die Lebensmittelbehörde weiter.
Ein Mitarbeiter der Firma verwies auf eine abweichende Farbe der Aufkleber als Unterscheidungsmerkmal zum echten Produkt. Die silbernen Verschlüsse trugen die Aufschrift „BA BESSY ARON“ und kopierten laut Lebensmittelbehörde Kennzeichen von N&N Pharmaceutical.
Fahrer führten Polizei zu den versteckten Fabriken
Ermittler beobachteten einen weißen geschlossenen Pick-up, der sich in Richtung eines Lagers in Na Khok bewegte. Die beiden Insassen, Myanmarer im Alter von 32 und 24 Jahren, sagten bei der Kontrolle, ein Bekannter habe ihnen die Arbeit vermittelt. Das Fahrzeug sei in Bangkok bereitgestellt worden, die Koordinaten für den Abholort hätten sie per Nachricht erhalten. Für die Fahrt waren jedem 500 Baht angeboten worden.
Die Hinweise der Fahrer führten die Beamten zu einer weiteren Lagerhalle rund 16 Kilometer entfernt. Polizei Maj. Gen. Pallop Aeromla, stellvertretender Polizeikommandant Bangkoks, stellte die Ergebnisse am 23. September vor. FDA-Generalsekretärin Supattra Boonserm nahm an der Pressekonferenz teil.
Vier Razzien führten zu zwei Fabriken
Am 22. September durchsuchten Beamte vier Orte in Samut Sakhon und Bangkok. Die beiden Produktionsstätten lagen zwischen Reisfeldern im Unterbezirk Na Khok, Bezirk Mueang Samut Sakhon. Eine Fabrik bereitete die Flüssigkeit zu, die andere füllte und verpackte sie.
Ein Lager in Ban Phaeo, Unterbezirk Yok Krabat, hielt Flaschen, Verschlüsse und Etiketten bereit. Als vierter Standort diente ein Grundstück in Sinthawee Village, Soi Anamai Ngam Charoen 19, im Bangkoker Bezirk Bang Khun Thian als Auslieferungsstelle – dort fanden Beamte fertige Fälschungen, die auf die Zustellung warteten.
Neun Arbeiter in der Abfüllanlage festgenommen
Bei der Durchsuchung der Abfüllanlage trafen Beamte neun Arbeiter beim Befüllen der Flaschen an und nahmen sie fest. Zu ihrer Nationalität machten Polizeiquellen unterschiedliche Angaben: Ein Bericht nannte acht Myanmarer und einen Laoten, ein anderer neun Myanmarer. Die Mitteilung der Lebensmittelbehörde klärte den Widerspruch nicht.
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In der zweiten Lagerhalle in Na Khok fanden Ermittler etwa zehn Kochtöpfe und mehr als 200 Behälter. In blauen Fässern lag rote Flüssigkeit, daneben eine klare Flüssigkeit mit Himbeergeruch sowie Sirup, Farbstoffe, Motoren und Rührwerkzeuge. Die vorhandenen Zutaten konnten laut Behörden etwa 100.000 Flaschen füllen – diese Schätzung bezog sich nur auf das Material am Tag der Razzia.
Mehr als 1,4 Millionen Teile beschlagnahmt
Die Behörden stellten mehr als 37.000 fertige Flaschen mit gefälschtem Allergin-Sirup sicher. Hinzu kamen 400.000 leere bernsteinfarbene Flaschen, 850.000 nachgemachte silberne Verschlüsse und mehr als 150.000 gefälschte Etiketten. In der Abfüllanlage beschlagnahmten sie Maschinen sowie mehr als 100 blaue Fässer mit vorbereiteter Flüssigkeit.
Die gefälschten Etiketten trugen den Namen Allergin Syrup, die Zulassungsnummer 1A 271/62 und die Chargennummer L2607061. Als Herstellungsdatum war der 31. Juli 2026 aufgedruckt, als Ablaufdatum der 30. Juli 2028. Die umfangreichen Verpackungsvorräte zeigten, dass die Produktionskapazität weit über die Zahl der fertigen Flaschen hinausging.
Polizei verfolgt Lieferwege und Geldflüsse
Die Ermittler gehen davon aus, dass das Netzwerk die gefälschte Ware landesweit auslieferte und ein bis zwei Jahre tätig war. Die Behörden beziffern Verluste und Auswirkungen auf mehr als 100 Millionen Baht – das ist eine Schätzung der Ermittler, keine bestätigte Berechnung. Eine vollständige Liste der belieferten Provinzen, Apotheken oder Kunden liegt bislang nicht vor.
Die Polizei verfolgt die Fahrer, Fahrzeuge und Lieferabsprachen. Sie sucht außerdem nach den Personen, die Arbeiter anwarben, Lager mieteten, Verpackungsmaterial beschafften und die Produktion finanzierten. Die neun Festgenommenen müssen sich unter dem Markengesetz, dem Arzneimittelgesetz und dem Strafgesetzbuch verantworten.
Geldgeber und Organisatoren bleiben gesucht
Die Polizei sucht weiter nach dem mutmaßlichen Geldgeber und den Personen, die Produktion und landesweite Lieferungen steuerten. Bislang haben die Behörden keine Verdächtigen aus diesem Führungskreis öffentlich benannt. Wer das Netzwerk finanzierte, Lager anmietete und Maschinen beschaffte, ist noch nicht identifiziert.
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Die Lebensmittelbehörde warnte Apotheken davor, gefälschte oder nicht zugelassene Medikamente zu kaufen oder zu verkaufen. Beteiligten Geschäften drohen strafrechtliche und verwaltungsrechtliche Folgen, bis hin zur sofortigen Aussetzung ihrer Lizenz. Verdächtige Produkte können der Lebensmittelbehörde unter der Hotline 1556 gemeldet werden.

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