Pattaya jagt Ausländer, die heimlich Geld verdienen

Jahrelang drückten die Behörden ein Auge zu. Jetzt kontrollieren sie Bars, Märkte und Touristen, und wer erwischt wird, riskiert Ausweisung und Sperre. Wen trifft es als Nächsten?

Pattaya jagt Ausländer, die heimlich Geld verdienen
KI generiertes Symbolbild

Wer in Pattaya arbeitet, ohne eine Arbeitserlaubnis zu besitzen, lebt gerade gefährlich. Kontrolliert wird in Bars, auf Märkten, in Restaurants und auf Baustellen, und es trifft längst nicht mehr nur Hilfsarbeiter aus den Nachbarländern. Im Visier stehen auch Gäste und Zuzügler aus Russland, Israel und Europa, die als Touristen kamen und irgendwann anfingen, Geld zu verdienen. Ob Reiseführer, Barmanager oder Betreiber einer Karaokebar: Der Staat sieht jetzt hin.

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Jahrelang kaum Kontrollen: Das Gesetz gab es schon lange

Jeder, der länger in Thailand lebt, kennt den Eindruck: Jahrelang standen Ausländer hinter Tresen, verkauften Touren oder führten Läden, und kaum jemand fragte nach. Dabei war das Gesetz nie weg. Das Dekret über die Arbeit von Ausländern gilt in seiner heutigen Form seit 2017 und löste ältere Regelungen ab. Papier brauchte man also immer, es verlangte nur lange niemand.

Rechtsberater beobachten, dass sich weniger das Recht geändert hat als der politische Wille, es durchzusetzen. Kontrollen gab es auch früher. 2024 prüfte das Arbeitsamt in 120 Tagen über 256.000 Wanderarbeiter, aber das war eine Kampagne gegen Wanderarbeiter. Neu ist, dass der Staat jetzt auch Touristen, Zuzügler und Geschäftsleute ins Visier nimmt.

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Vom Einzelfall zur Staatslinie: Wie aus Ärger eine Kampagne wurde

Der Anfang war ein Aufreger. Im März 2024 soll ein Schweizer auf Phuket eine thailändische Ärztin angegriffen haben, Innenminister Anutin Charnvirakul ließ daraufhin illegale Auslandsbetriebe auf der Insel prüfen. Heute ist er Premier und zugleich Innenminister. Aus dem Einzelfall von damals ist eine Linie geworden, die er persönlich vorgibt.

Im Mai 2026 trat er am Strand von Bang Tao auf Phuket auf: Wer sich an die Gesetze halte, gegen den könne man nichts tun, egal ob Thai oder Ausländer. Wer aber den Boss spiele und Thais schikaniere, bekomme es zu spüren. Sein Staatssekretär legte nach: „Niemand darf das Gesetz brechen, ob Thai oder Ausländer.“ Landesweit sollten Gouverneure durchgreifen.

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Beschwerden, Strohmänner, Visa-Missbrauch: Die Gründe für den Kurswechsel

Der Druck kam von unten. Anwohner und Geschäftsleute klagten über Ausländer, die über thailändische Strohmänner Betriebe kontrollieren, und über Gäste, die auf Touristenvisum Geld verdienen. Poonpong Naiyanapakorn, Chef des Wirtschaftsentwicklungsamts, sagt, solche Konstruktionen verzerrten den Wettbewerb und benachteiligten thailändische Unternehmer. Anfang Juni meldete die Einwanderung 668 widerrufene Studentenvisa von Leuten, die arbeiteten statt zu lernen.

Auch die Politik trieb. Der Abgeordnete Yodchai Puengporn von der oppositionellen Volkspartei nannte Pattaya eines der ersten Ziele solcher Konstruktionen und verglich sie mit den „Zero-Dollar-Touren“, bei denen das Geld nie im Land ankommt. Er mahnte, Thailand müsse handeln, bevor Vietnam die zahlungskräftigen Gäste abwerbe. Die nationalistische Gruppe Thai Mai Thon, auf Deutsch „Thais dulden das nicht“, reichte Dossiers bei Behörden ein.

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Was als Arbeit gilt: Jede Tätigkeit, mit oder ohne Chef

Das Gesetz definiert Arbeit weit: Gemeint ist jede Berufsausübung, ob mit oder ohne Arbeitgeber. Aus der Definition ausgenommen ist nur der Betrieb eines Unternehmens, das nach dem Ausländergeschäftsgesetz lizenziert ist. Wer selbständig Touren verkauft oder ein Studio betreibt, arbeitet also im Sinne des Gesetzes, ob eine Firma dahintersteht oder nicht.

Dazu kommen Ausnahmen für Diplomaten, UN-Personal, Referenten bei Veranstaltungen und Investoren oder Fachkräfte, die das Kabinett festlegt. Wie weit der Begriff in der Praxis reicht, zeigte eine Kontrolle im März bei Pattaya: Fünf Männer aus Kasachstan und Indien saßen in einem Mietshaus an Laptops und Handys. Die Polizei hielt das für Arbeit und klagte sie ohne Arbeitserlaubnis an. Es sind Vorwürfe, kein Urteil.

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Touristenvisum, DTV und freie Berufe: Wo die Grauzone endet

Ein Touristenvisum erlaubt Urlaub, keine Arbeit. Das gilt auch für das Destination Thailand Visa, das bis zu 180 Tage pro Einreise und fünf Jahre Gültigkeit bietet, aber keine Arbeitserlaubnis enthält. Im April 2026 nahm die Touristenpolizei auf Phuket einen Russen fest, der mit diesem Visum Touren anbot. Ihm werden ein nicht lizenziertes Tourunternehmen, Reiseleitung ohne Lizenz und Arbeit ohne Erlaubnis vorgeworfen, die Polizei will Visumentzug und Abschiebung prüfen.

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Grauzone ist da ein großes Wort. Reiseführer bleiben Thais vorbehalten, egal wie gut jemand die Sprache seiner Landsleute spricht, darauf stehen bis zu zwei Jahre Haft oder 500.000 Baht Strafe. Das Arbeitsamt nennt außerdem Straßenverkauf, Thai-Massage, Friseurarbeit, Schönheitsdienste und Fahrdienste als Tätigkeiten, die Thais vorbehalten sind.

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Die bekanntesten Fälle der letzten Monate: Guides, Karaokebar, Studio, Steakhouse

Im Mai führte ein 37-jähriger Russe auf Phuket eine Angeltour für 3.000 Baht pro Kopf, ein Informant hatte sie gebucht, die Polizei griff auf dem Wasser zu. Auf Koh Samui nahm sie vier russische Männer zwischen 27 und 45 fest, die auf Touristenvisum eine Karaokebar umbauten, zwei davon waren Overstayer. Alle wurden wegen Arbeit ohne Erlaubnis angeklagt.

Anfang Juni meldeten Medien die Festnahme eines israelischen DJs wegen eines mutmaßlich illegalen Tonstudios, dazu eines Amerikaners und eines Spaniers wegen Arbeit ohne Erlaubnis. Am 4. September durchsuchten Behörden ein argentinisches Steakhouse in Nord-Pattaya. Der 40-jährige Manager aus der Slowakei und sechs Köche und Barleute aus Myanmar wurden mitgenommen, deren Erlaubnisse nur für Hilfsarbeit galten. Dazu fehlte die Lizenz für den Lebensmittelbetrieb.

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Warum Pattaya im Fokus steht: Zahlen, Firmen und die Razzien

Von 190 Zielzonen, die die Einwanderung bis Anfang Juni landesweit durchsuchte, lagen 147 in der Provinz Chonburi mit Pattaya, auf Phuket nur 8. Rund 19.910 Firmen dort haben ausländische Gesellschafter, fast 60 Prozent aller registrierten Unternehmen, vor allem aus China, Großbritannien, Russland, Indien und Deutschland. Das ist nicht automatisch illegal, erklärt aber den Blick der Behörden.

Die Razzien folgen dem. Vom 16. bis 22. März meldete die Einwanderung 146 Festnahmen an Beach Road und Second Road, seit Februar seien 250 Visa widerrufen worden. Am 19. Juli kontrollierten Beamte in der Walking Street 81 Arbeiter, 11 hatten keine Erlaubnis. Vizegouverneur Issara Charoenchasri sagt, Ausländer mit Arbeitserlaubnis und sauberer Firma seien willkommen, Umgeher jeder Nationalität nicht.

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Warum Phuket nachzieht: Null Toleranz auf der Insel

Phuket wirkt wie das Labor der Härte. Gouverneur Nirat Pongsitthaworn nennt die Linie „Null Toleranz“, betont aber, die Insel bleibe offen für Touristen. Nach Behördenangaben leben dort etwa 140.000 Wanderarbeiter, seit Oktober 2025 wurden über 2.000 Ausländer festgenommen, im Juli allein 556. Ausländer halten laut Regierungsdaten Anteile an rund 35 Prozent von etwa 32.000 Firmen.

Im August traf sich die Gruppe Thai Mai Thon mit Vizegouverneur Khetarat Chansilp und forderte ein „Phuket-Modell“, also einheitliche Abläufe gegen illegale Beschäftigung und Strohmänner. Er leitet seither die Kontrollen bei verdächtigen Betrieben. Der Druck von der Straße landet so direkt im Behördenalltag.

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Was ein Verstoß kostet: Bußgeld, Ausweisung, Sperre

Wer ohne Erlaubnis arbeitet, zahlt 5.000 bis 50.000 Baht, wird ausgewiesen und bekommt zwei Jahre lang keine neue Arbeitserlaubnis. Arbeitgeber zahlen 10.000 bis 100.000 Baht pro Beschäftigtem, bei Wiederholung drohen bis zu ein Jahr Haft oder 50.000 bis 200.000 Baht pro Kopf und drei Jahre Beschäftigungsverbot für Ausländer.

Das Arbeitsamt hat im laufenden Haushaltsjahr bis Anfang September 888.620 Arbeiter und 74.265 Betriebe geprüft, 5.330 Arbeiter und 1.721 Betriebe wurden verfolgt. Hinweise nimmt die Hotline 1506 mit Taste 2 entgegen. Dass Nachbarn und Konkurrenten anrufen, ist kein Zufall, die Behörde bittet ausdrücklich darum.

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Noch härtere Kontrollen oder bald wieder Ruhe? Was frühere Wellen verraten

Die Kampagne von 2024 war nach 120 Tagen vorbei, das Arbeitsamt kündigt diesmal fortlaufende Kontrollen an. Ende August trat eine Abschiebeverordnung in Kraft, die in bestimmten Fällen auch ohne vorheriges Strafurteil greifen kann, und Anutin wies am 17. September alle Gouverneure an, sie anzuwenden. Die Firmenregistrierung wurde im Januar und April verschärft, riskante Anmeldungen sanken laut Amt um etwa 75 Prozent.

Dagegen steht die Wirtschaft. Das Kabinett verlängerte im Juli die Duldung für Arbeiter aus Myanmar, Laos und Vietnam bis Dezember 2027, weil Arbeitskräfte fehlen. Kritiker warnen, zu viel Härte schrecke Investoren und Touristen ab. Eine Garantie auf Dauer gibt es in beide Richtungen nicht. Wer nur wartet, bis die Welle vorbeizieht, spielt mit seinem Aufenthalt. Wer frei leben will in diesem Land, ordnet seine Papiere, bevor es ein anderer für ihn tut.

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Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Wie russische Gäste Phuket erobern

Die genannten Zahlen und Fälle stammen aus Behördenangaben und Medienberichten bis zum 13. Oktober 2026. Bei den geschilderten Festnahmen handelt es sich um Vorwürfe, bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Ob eine Tätigkeit als Arbeit im Sinne des Gesetzes zählt, entscheidet im Einzelfall die Behörde, bei Zweifeln sollte vor Aufnahme der Tätigkeit eine auf thailändisches Recht spezialisierte Kanzlei gefragt werden.

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