Die Zollregeln in Thailand verunsichern seit Monaten Urlauber und Auswanderer. In sozialen Netzwerken ist von Steuern auf jedes Kleidungsstück im Koffer die Rede, andere berichten von hohen Strafen für harmlose Mitbringsel. Was davon zutrifft, hängt vom Weg ab, auf dem eine Ware ins Land kommt: im eigenen Gepäck oder als Bestellung aus dem Ausland. Für beide Wege gelten verschiedene Regeln. Wer sie kennt, geht ruhiger durch den Zoll und bestellt ohne böse Nachzahlung.
Freigrenze für Waren im Koffer
Wer nach Thailand einreist, darf persönliche Sachen in vernünftiger Menge bis zu einem Wert von 20.000 Baht zollfrei mitbringen. Das sind beim aktuellen Kurs rund 530 Euro.[9] Diese Grenze ist nicht neu und hat sich in diesem Jahr nicht geändert.[3] Gemeint sind Dinge für den eigenen Gebrauch, nicht Waren zum Weiterverkauf.
Die Grenze gilt für jeden Reisenden einzeln und wird in Baht gerechnet. Ein Blick auf den Kurs vor der Reise hilft bei der Einschätzung, ob die Einkäufe darunter bleiben. Wer mehr dabeihat, meldet die Waren an und zahlt Abgaben. Die Folgen eines Verstoßes ohne Anmeldung sind deutlich teurer.
Laptop, Kamera und Handy im Gepäck
Geräte für den eigenen Gebrauch gelten als persönliche Sachen. Für sie gilt dieselbe Regel wie für das übrige Gepäck: vernünftige Menge, privater Zweck, Wert bis zur Grenze. Der Zoll öffnet Koffer von Reisenden nicht routinemäßig, prüft aber bei begründetem Verdacht, ob jemand Handelsware einführt.[3] Mehrere gleiche Geräte passen nicht zu einer vernünftigen Menge und können Fragen auslösen.
Wer ein neues, teures Gerät mitbringt, das die Grenze überschreitet, nimmt den roten Kanal. Dort legt er Pass und Rechnung vor, wenn er eine hat, und der Zoll berechnet die Abgabe.[4] Auch bei älteren Geräten hilft ein Kaufbeleg, falls Beamte nach dem Wert fragen.
Mitbringsel und Geschenke
Geschenke für Familie, Freunde oder Gastgeber gehören zum Gepäck und zählen deshalb zur Freigrenze, solange sie nicht zum Weiterverkauf bestimmt sind. Entscheidend ist der Wert in Baht. Für Alkohol und Tabak gelten zusätzlich eigene Mengengrenzen, die ein Geschenk nicht aufhebt.
Bei teuren Geschenken lohnt es sich, den Kassenzettel aufzuheben. Im roten Kanal verlangt der Zoll Pass und, soweit vorhanden, Rechnung oder Beleg.[4] So lässt sich der Wert belegen, falls Beamte danach fragen. Ohne Beleg bleibt nur die eigene Angabe.
Alkohol und Zigaretten bei der Einreise
Für Alkohol und Tabak gelten eigene Mengen, unabhängig von der Freigrenze für Waren. Erlaubt sind ein Liter Alkohol sowie 200 Zigaretten oder 250 Gramm Tabak je Reisendem.[3] Alkohol aus dem Duty-free-Laden zählt mit, weil er ebenfalls im Gepäck ankommt. Diese Mengen sind seit Jahren unverändert.
Was darüber liegt, gehört vor der Kontrolle in die Box des Zolls. Wer es im Koffer lässt, riskiert ein Verfahren.[4] E-Zigaretten und Liquids sind ganz verboten. Die Einfuhr ist seit vielen Jahren untersagt, die Geräte werden beschlagnahmt, und es drohen Strafen.[7]
Lebensmittel, die nicht ins Land dürfen
Fleisch, Wurst, Milchprodukte und Eier dürfen Reisende nicht ohne Genehmigung des Department of Livestock Development einführen. Das betrifft auch Schinken und Wurst aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Hintergrund ist der Schutz vor Tierseuchen, nicht die Zollabgabe.[5]
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Wer Fleischwaren im Gepäck hat, meldet sie an der Tierquarantäne des Flughafens an. Die Quarantänestellen liegen im Bereich der Gepäckausgabe. Bei Verstößen sieht das Tierseuchengesetz Haft bis zu zwei Jahren und eine Geldstrafe bis zu 200.000 Baht vor.[5]
Medikamente im Gepäck
Beschränkt sind vor allem Medikamente mit Betäubungsmitteln oder psychotropen Stoffen. Davon dürfen Reisende höchstens den Bedarf für 30 Tage mitbringen.[6] Codein gehört zu den Betäubungsmitteln der Kategorie 2. Dafür ist vor der Reise eine Genehmigung der Thai-FDA nötig, die Reisende dort beantragen.
Psychotrope Stoffe der Kategorien 2 bis 4 brauchen keine Genehmigung, aber eine ärztliche Bescheinigung. Dazu zählen unter anderem manche Schlaf- und Beruhigungsmittel. Die Bescheinigung nennt den Patienten, die Diagnose, das Präparat und den behandelnden Arzt.[6] Alle Medikamente bleiben am besten in der Originalverpackung.
Grüner oder roter Kanal
Nach der Gepäckausgabe stehen zwei Ausgänge zur Wahl. Der grüne Kanal trägt die Aufschrift „Nothing to declare“ und ist für Reisende ohne zollpflichtige oder verbotene Waren. Der rote Kanal „Goods to declare“ ist für alle, die Waren anmelden müssen oder unsicher sind.[3] Mit der Wahl gibt der Reisende eine Erklärung gegenüber dem Zoll ab.
Im roten Kanal legen Reisende Pass und, falls vorhanden, Rechnungen vor. Bei privaten Waren bis zu einem Wert von 200.000 Baht berechnet der Zoll die Abgaben pauschal. Bezahlt wird bar oder mit Karte, sofern der Flughafen Kartenzahlung anbietet.[4] Danach erhalten Reisende eine Quittung und ihre Waren.
Wenn der Zoll den Koffer öffnet
Im grünen Kanal sind Stichproben möglich, wenn ein Beamter einen begründeten Verdacht hat. Zollpflichtige oder verbotene Ware wird beschlagnahmt. Dazu kann eine Geldstrafe bis zum Vierfachen des Warenwerts samt Zoll kommen, im Höchstfall auch eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren.[3] Diese Regeln gelten seit Langem.
Neu ist eine Regel für den Rückflug. Seit Mitte Oktober darf Sicherheitspersonal an Thai-Flughäfen aufgegebene Koffer öffnen, wenn die Durchleuchtung etwas Verdächtiges zeigt. Der Besitzer muss nicht anwesend sein. Der Vorgang wird gefilmt, ein Hinweiszettel liegt danach im Koffer. Verbotene Gegenstände werden nicht zurückgegeben. Die Behörde empfiehlt ein TSA-Schloss.[8]
Was sich bei Postpaketen geändert hat
Seit Januar sind alle Waren, die aus dem Ausland bestellt und per Paket eingeführt werden, ab dem ersten Baht steuerpflichtig. Die frühere Grenze von 1.500 Baht gibt es nicht mehr.[1] Betroffen sind Bestellungen bei Onlineplattformen wie Shopee, Lazada oder Temu. Die Regierung will damit billige Importware verteuern, die thailändische Händler unterbietet.
Fällig werden VAT und, je nach Ware, Einfuhrzoll.[2] Bei den großen Plattformen läuft die Zahlung nach Angaben der Regierung beim Kauf, das Paket kommt ohne Nachzahlung an die Tür.[1] Im Frühjahr kündigte der Zoll an, die Zölle auf viele Konsumgüter bis zur gesetzlichen Obergrenze von 30 bis 40 Prozent anzuheben.[2]
Was sich für Reisende nicht geändert hat
Für das persönliche Gepäck hat die Reform nichts verändert. Freigrenze, Mengen für Alkohol und Tabak, Kanalwahl und Strafen gelten wie zuvor.[3] Die Meldungen vom Jahresbeginn betrafen Pakete aus dem Ausland, nicht den Koffer eines Reisenden.[1] Neu für Reisende ist allein die Gepäckregel beim Abflug.
Wer unsicher ist, ob die eigenen Sachen die Grenze überschreiten, geht in den roten Kanal und lässt die Abgabe berechnen. Das ist der sichere Weg, um eine Strafe zu vermeiden. Auskünfte erteilt das Customs Department unter der Rufnummer 1164.
Redaktionelle Hinweise
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Dieser Artikel gibt den Stand von Oktober wieder. Zollregeln und ihre Auslegung können sich ändern, verbindliche Auskünfte erteilt das Customs Department (customs.go.th). Die Umrechnung von Baht in Euro beruht auf einem Kurs von etwa 37,8 Baht je Euro.
- Steuer auf Online-Importe ab dem ersten Baht: Tourism Council of Thailand, miceoss.tceb.or.th; Khaosod English, Bericht zu den Plattform-Vereinbarungen. ↩
- VAT, Einfuhrzoll und angekündigte Zollerhöhung: Tilleke & Gibbins, Thailand Announces Customs Duty Hikes. ↩
- Freigrenze, Alkohol, Tabak, Kanalwahl, Stichproben, Strafen: Civil Aviation Authority of Thailand, AIP Thailand, GEN 1.3. ↩
- Roter Kanal, Pauschalabgabe, Zollbox: Thailand.go.th, Things to know about personal belongings. ↩
- Tierische Erzeugnisse, Quarantäne, Strafen: Airports of Thailand, Don Mueang und Phuket. ↩
- Medikamente mit Betäubungsmitteln und psychotropen Stoffen: Thai Food and Drug Administration, Guidance for Travellers. ↩
- Verbot von E-Zigaretten: Public Relations Department, E-Cigarette Importers Threatened with Steep Fines. ↩
- Öffnung aufgegebener Koffer ohne Passagier: Tourism Authority of Thailand, Enhanced Baggage Screening Procedures; Khaosod English, Thai airports can open suspicious bags without you. ↩
- Umrechnungskurs Euro zu Baht: exchangerate.guru. ↩

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