Klinik weist Expat ohne Versicherung ab

Werner stürzt und hat keine Versicherung. In der Privatklinik fragt am Empfang niemand nach seinen Schmerzen, sondern nach einer Summe. Dürfen Kliniken das wirklich?

Klinik weist Expat ohne Versicherung ab
KI generiertes Symbolbild

Wer in Thailand ohne Versicherung ins Privatkrankenhaus humpelt, wird zuerst nach dem Geld gefragt und erst danach nach den Schmerzen. Werner aus Linz lebt seit Jahren in Hua Hin. Er stürzt mit dem Roller und kommt mit starken Schmerzen an den Empfang einer Privatklinik. Dort will man seine Versicherungskarte sehen. Werner hat keine. Was Krankenhäuser in so einem Moment dürfen und was nicht, wissen die wenigsten Expats.

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Was das Krankenhaus am Empfang verlangt

Der 67-jährige Werner sitzt am Empfang und hält sich die Seite. Die Mitarbeiterin ist höflich und fragt nach der Versicherung. Er hat keine. Dann nennt sie ihm eine Anzahlung von 150.000 Baht, umgerechnet etwa 3.950 Euro. Bar hat Werner 20.000 Baht dabei, und das Limit seiner Kreditkarte ist deutlich zu niedrig.

Behandelt wird Werner nicht. Die Klinik nimmt ihn ohne Sicherheit nicht auf, und für den Verletzten ist das eine Abweisung, so freundlich sie auch vorgetragen wird. Wer Schmerzen hat und nichts vorzeigen kann, bleibt auf dem Stuhl sitzen. So läuft es, wenn die Klinik keine Lebensgefahr sieht.[2]

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Versorgungspflicht im Notfall: Das gilt auch für private Krankenhäuser

In Thailand müssen alle Krankenhäuser Notfallpatienten behandeln. Das gilt für staatliche und für private Häuser, und die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle.[1] Das Gesundheitsministerium hat das nach dem Fall eines schwer verletzten Touristen aus Taiwan in Bangkok noch einmal klargestellt. Wer einen Notfall abweist, riskiert bis zu zwei Jahre Haft oder 40.000 Baht Strafe, auch beides zusammen ist möglich.

Die Pflicht gilt vor allem bei Lebensgefahr, zum Beispiel bei einem bewusstlosen Verletzten. Dann zählt zuerst die Hilfe, die Kostenfrage kommt danach. Das staatliche Notfallinstitut betont sogar, Kliniken müssten Patienten zuerst aufnehmen, ohne nach den Finanzen zu fragen.[3] Bei Schmerzen ohne Lebensgefahr verlangen Kliniken in der Praxis trotzdem oft einen Nachweis oder eine Anzahlung.[2] Genau das ist Werner passiert.

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Warum die Anzahlung so hoch ausfällt

Private Kliniken verlangen von Ausländern ohne Versicherung oft 50.000 bis 200.000 Baht vorab, das sind etwa 1.300 bis 5.300 Euro. Vor einer großen Operation kann die Forderung bis zu 800.000 Baht betragen, umgerechnet rund 21.000 Euro.[4] Die Anzahlung ist ein Vorschuss und noch nicht die Rechnung. Wer sie nicht aufbringt, hat bei der Schlussrechnung ein noch größeres Problem.

Wie weit beide Zahlen auseinanderliegen können, zeigt ein Fall von Koh Phangan. Eine junge Britin sollte nach einem schweren Unfall zuerst 125.000 Baht zahlen, rund 3.300 Euro, bevor sie Schmerzmittel bekam. Die Gesamtrechnung lag bei 1,4 Millionen Baht, umgerechnet etwa 36.800 Euro, und sollte vor der weiteren Behandlung beglichen werden.[4]

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Was eine Behandlung nach einem Sturz kostet

Schon der Weg ins Krankenhaus kostet Geld. Ein ambulanter Besuch in einem staatlichen Haus liegt bei 300 bis 1.000 Baht, in einer Premium-Privatklinik bei 2.000 bis 6.000 Baht. Das sind etwa 8 bis 26 Euro gegen 53 bis 158 Euro.[4] Röntgen, Scans und Medikamente kommen dazu.

Bleibt der Patient über Nacht, zählt jede Nacht einzeln. Laut Preislisten kostet ein Zimmer zum Beispiel in einer Privatklinik in Pattaya 5.800 Baht, in einer Klinik in Bangkok 11.300 bis 22.500 Baht. In einem Universitätsklinikum in Songkhla sind es 1.550 bis 4.700 Baht.[5] Das entspricht etwa 41 bis 590 Euro pro Nacht. Ärzte, Untersuchungen und Medikamente kommen jeweils dazu.

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Pass als Pfand: Darf das Krankenhaus das?

Es kommt vor, dass Kliniken den Reisepass behalten. Vor Jahren nahm auf Koh Phangan eine Privatklinik einer britischen Touristin den Pass ab, weil sie die Rechnung von rund 103.000 Baht, etwa 2.700 Euro, nicht zahlen konnte. Freunde gingen zur Touristenpolizei, ein Fernsehsender berichtete. Danach gab die Klinik den Pass zurück, dazu das gezahlte Geld.[6]

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Festhalten können Kliniken Patienten wegen einer offenen Rechnung nicht.[7] Eine staatliche Klinik auf Phuket erklärte außerdem, dass sie keine Pässe als Sicherheit einzieht.[2] Wer den Pass zeigen muss, lässt besser eine Kopie machen. Das Original bleibt beim Besitzer.

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Warum die Kliniken heute strenger sind

Nach Schätzung des Gesundheitsministeriums bleiben Thailands Krankenhäuser jedes Jahr auf mindestens 100 Millionen Baht offener Rechnungen von Ausländern sitzen, etwa 2,6 Millionen Euro. Besonders betroffen sind Phuket und Chiang Mai. Allein das staatliche Vachira-Krankenhaus auf Phuket schreibt jährlich rund 10 Millionen Baht ab. Das erklärt die Vorsicht der Kliniken.[7]

Auf die Botschaften können Kliniken nicht zählen. Sie sehen solche Rechnungen als persönliche Kosten ihrer Bürger und zahlen nichts.[7] Aus einer staatlichen Klinik auf Phuket kam die Begründung offen: Kosten, die eine Versicherung tragen sollte, will die Klinik nicht übernehmen. Ohne Lebensgefahr verlangt sie deshalb einen Nachweis oder eine Anzahlung.[2]

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Staatliche Krankenhäuser als Ausweg

Staatliche Krankenhäuser nehmen auch Ausländer auf. Die Rechnung zahlen Ausländer selbst, denn die staatliche Absicherung gilt nur für Thais. Dafür kostet dieselbe Grundbehandlung oft nur einen Bruchteil. Große Häuser wie Siriraj und Chulalongkorn in Bangkok gelten als medizinisch stark.[4]

Der Preis dafür ist Geduld. Die Wartezeiten sind lang, und Englisch spricht nicht jeder Mitarbeiter. Wer kein Thai kann, nimmt am besten jemanden zum Übersetzen mit. Auch hier kann eine kleinere Anzahlung verlangt werden. Wer nicht dringend behandelt werden muss, wird bei fehlender Zahlung auch hier zurückgestellt.[4]

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Verlegung in ein staatliches Krankenhaus

Wenn sich die Geldfrage nicht klären lässt, schicken Privatkliniken Patienten manchmal in ein staatliches Haus. Ein Arzt aus Phuket nannte den Grund: Die staatlichen Tarife sind niedriger. Er schilderte auch einen Fall, in dem eine Klinik einen Mann mit Stichwunde nicht behandeln wollte und ihn per Krankenwagen zu ihm brachte.[2]

Für kritische Notfälle gelten seit dem Kabinettsbeschluss vom 15. September neue Regeln. Kliniken dürfen die Behandlung nicht von einer Zahlung abhängig machen, bis der Patient außer Gefahr ist. Die ersten 72 Stunden zählen ab der Aufnahme in der ersten Klinik und beginnen bei einer Verlegung nicht neu.[8] Wer bei Ausländern ohne thailändische Versicherung zahlt, ist nicht bekannt.

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Rechnung unbezahlt: Was dann passiert

Die Klinik kann den Patienten nicht festhalten.[7] Sie schreibt den Betrag ab oder verhandelt. Eine staatliche Klinik auf Phuket versuchte zuerst, Familie oder Angehörige zu erreichen. Nach Angaben eines Arztes vor Ort verließen die meisten Patienten am Ende das Land freiwillig oder unterschrieben eine Schuldvereinbarung mit der Klinik.[2]

Eine Schuldvereinbarung ist ein Vertrag mit der Klinik. Wer sie unterschreibt, schuldet das Geld weiter, auch nach der Abreise. Ob Kliniken Ausländer im Ausland verfolgen, ist nicht bekannt. Die Rechnung verschwindet also nicht. Sie wartet.

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Was Betroffene im Moment der Ablehnung tun können

Zuerst die Frage: Besteht Lebensgefahr? Dann sagt man am Empfang laut und deutlich, dass es ein Notfall ist, und lässt den Arzt entscheiden. Wer noch nicht in der Klinik ist, ruft den Notruf 1669.[9] Bei Lebensgefahr ist die Zahlung zweitrangig, und die Versorgungspflicht gilt für private wie staatliche Häuser. Sie schützt aber nur im Notfall, nicht bei jedem Schmerz.[2]

Ohne Lebensgefahr bleibt die Wahl, die Anzahlung zu klären oder ein staatliches Krankenhaus anzusteuern. Bei Streit um eine Aufnahme kann die Touristenpolizei unter 1155 helfen. Die Hotline läuft rund um die Uhr, auch auf Deutsch.[9] Name der Klinik, Uhrzeit und Forderung sollte man aufschreiben. Der Pass bleibt in der Tasche.

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Wie viel Geld Expats ohne Versicherung bereithalten sollten

Eine feste Regel gibt es nicht, aber die Forderungen der Kliniken zeigen die Größenordnung. Bei kleineren Fällen sind es 50.000 bis 200.000 Baht, vor einer großen Operation bis zu 800.000 Baht, rund 21.000 Euro. Die Schlussrechnung kann weit darüber liegen, wie die 1,4 Millionen Baht von Koh Phangan zeigen. Wer ohne Versicherung lebt, sollte mindestens die übliche Anzahlung von 200.000 Baht, rund 5.300 Euro, sofort verfügbar haben.[4]

Das Geld muss auf dem Konto liegen oder als freies Kartenlimit bereitstehen, nicht als Plan für später. Werner hatte 20.000 Baht in der Tasche. Am Empfang hat ihm das nichts genützt. Ohne Lebensgefahr entscheidet dort nicht die Medizin, sondern der Kontostand.

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Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Versicherung zahlt nach Behandlung nicht: Was ist schiefgelaufen?

  1. Pflicht zur Notfallbehandlung für staatliche und private Krankenhäuser, Strafe bis 40.000 Baht oder zwei Jahre Haft: Thai Examiner https://www.thaiexaminer.com/?p=51740, The Star (Bericht zum Fall in Bangkok) The Star, Asia Insurance Review Asia Insurance Review ↩
  2. Ohne Lebensgefahr Versicherungsnachweis oder Anzahlung, Verlegung aus Privatkliniken, Schuldvereinbarung, keine Pässe als Sicherheit (Vachira-Krankenhaus Phuket): Nation Thailand https://www.nationthailand.com/news/30313040 ↩
  3. Behandlung im Notfall unabhängig von Nationalität, Abrechnung über vorhandene Versicherung: Phuket Express Phuket Express ↩
  4. Anzahlungen, ambulante Kosten, staatliche Krankenhäuser, Fall auf Koh Phangan mit 125.000 und 1,4 Millionen Baht: Thaiger Ratgeber ohne Versicherung, Thaiger Ratgeber Kosten, Thaiger Fall Koh Phangan, Pattaya Mail Pattaya Mail, Thailand Starterkit Thailand Starterkit, Wohnsitz Ausland Wohnsitz Ausland ↩
  5. Zimmerpreise laut Preislisten der Krankenhäuser: Songklanagarind Preisliste, Pattaya Memorial Zimmer, Bangkok Hospital Zimmerpreise ↩
  6. Pass einbehalten auf Koh Phangan, Rückgabe nach Einschaltung von Touristenpolizei und Presse: Matichon Matichon, AseanNow AseanNow ↩
  7. Unbezahlte Rechnungen von Ausländern, Botschaften zahlen nicht, Kliniken können Patienten nicht festhalten: Thaiger Thaiger, Travelmole Travelmole, Globe Globe ↩
  8. Geänderte Notfallregeln ab 15. September, keine Zahlung als Bedingung, 72 Stunden ab Aufnahme: Nation Thailand Nation Thailand, The Star The Star ↩
  9. Touristenpolizei 1155 in acht Sprachen, Notruf 1669: Nation Thailand Touristenpolizei, Pattaya Mail Pattaya Mail, Thailand Starterkit Gesundheitssystem ↩

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Ein Kommentar zu „Klinik weist Expat ohne Versicherung ab“

  1. Werner humpelt und kommt mit starken Schmerzen an den Empfang dieser Klinik. Und das Mädel will 150.000 Baht von ihm haben…als Anzahlung, bzw. Sicherheit? Ist das ein Schreibfehler oder sind die im Hua Hin Bangkok Hospital wirklich so dreist? Selbst bei 15.000 hätte ich nur freundlich zurück gelächelt, trotz Schmerzen. Es steht ja nicht im Bericht, das er eins seiner Beine unterm Arm hatte. Und eine ambulante Untersuchung, bzw. ein Arztbesuch, das steht im Bericht, kostet 2.000 Baht. Ist zwar schon etwas her, im San Paolo habe ich diesbezüglich keine schlechten Erfahrungen gemacht, hier in Ubons Kliniken schon gar nicht, vor kurzem noch. Erst kommt die Untersuchung beim Arzt, dann wird dieser bezahlt, dann spricht man über anstehende Operationen oder Behandlungen und die Preise und dann kommt die Anzahlung ins Spiel…aber erst dann.

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