Blut spenden in Thailand: Was Ausländer wissen müssen

Ausgerechnet die Blutgruppe, die in Thailand am meisten fehlt, tragen viele Europäer in sich. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz spenden möchte, sollte diese Regeln zu Alter, Wartezeiten und Ablauf kennen.

Blut spenden in Thailand: Was Ausländer wissen müssen
KI generiertes Symbolbild

Vor ein paar Monaten stand ich selbst in der Schlange im Vachira Hospital Phuket, als der Aufruf über die Lautsprecher kam: Ein britischer Patient brauchte dringend eine seltene Blutgruppe, vierzig Konserven waren bereits getestet worden, keine passte. Ausgerechnet die Blutgruppe Rh-negativ kommt unter uns Thais fast nie vor, unter Europäern dagegen bei jedem Sechsten bis Fünften.

Wer aus Europa hierher kommt, bringt also oft genau das mit, was in unseren Blutbanken knapp ist. Ich zeige in diesem Ratgeber, wer spenden darf, welche Wartezeiten nach Reisen oder Tattoos gelten, wie der Termin konkret abläuft und wo die nächste Blutbank zu finden ist – ohne unnötige Hürden für jemanden, der das zum ersten Mal in einem fremden Land probiert.

Wer in Thailand Blut spenden darf

Spenden darf, wer zwischen 17 und 70 Jahre alt ist und mindestens 45 Kilogramm wiegt. Erstspender müssen unter 60 sein, danach öffnet sich das Fenster wieder: Wer regelmäßig spendet, darf bis 65 alle drei Monate und bis 70 alle sechs Monate weitermachen, vorausgesetzt, der Gesundheitscheck vor jeder Spende fällt unauffällig aus und es liegen keine neuen Erkrankungen seit dem letzten Termin vor.

Eine Einschränkung gibt es für die ältere Gruppe: Wer zwischen 65 und 70 ist, kann nur noch in den festen Blutbanken spenden, nicht mehr bei mobilen Einheiten in Einkaufszentren oder auf Veranstaltungen, weil dort die zusätzliche Kontrolle der roten Blutkörperchen vor der Freigabe fehlt. Wer körperlich fit ist und keine schweren Vorerkrankungen hat, kommt also auch mit grauen Haaren noch infrage – nur eben nicht spontan zwischen zwei Einkäufen, sondern gezielt an einem festen Standort.

Diese Wartezeiten gelten nach Reisen und Tattoos

Wer kurz in einem Malaria-Risikogebiet unterwegs war, etwa auf einer Dschungeltour oder einem Trekking-Ausflug nahe der Grenze zu Myanmar oder Kambodscha, muss ein Jahr warten, bevor er wieder spenden darf. Ein Bluttest auf Malaria existiert bislang nicht, deshalb verlässt sich das Rote Kreuz allein auf den ausführlichen Fragebogen, den jeder Spender vor der Entnahme ausfüllen muss.

Auch frische Tattoos oder Piercings bremsen aus, was gerade für jüngere Touristen mit Souvenir-Tattoo aus einem Studio in Pai oder auf Koh Phangan relevant wird. Wurden sie außerhalb eines Krankenhauses gestochen, gilt eine Wartezeit von vier Monaten, sofern ein negativer NAT-Test vorliegt. Ohne diesen Test verlängert sich die Sperre auf ein volles Jahr.

Was vor der Spende zu beachten ist

Mindestens 24 Stunden vor und nach der Spende sollte kein Alkohol getrunken werden, bei regelmäßigem Konsum empfiehlt das Rote Kreuz sogar sieben Tage Pause, weil die Leber dann mehr Zeit braucht, um Alkohol vollständig abzubauen. Außerdem zählt eine normale, fettarme Mahlzeit vor dem Termin – fettiges Essen wie Schweinshaxe mit Reis macht das Plasma trüb und unbrauchbar, auf nüchternen Magen wird ohnehin niemand zur Nadel gelassen.

Wer schlecht geschlafen hat oder sich angeschlagen fühlt, sollte den Termin lieber verschieben, statt sich aus Pflichtgefühl zur Nadel zu zwingen. Fünf Stunden erholsamer Schlaf gelten als Minimum, acht Stunden als Idealfall vor jeder Blutspende in Thailand – wer übermüdet oder verkatert erscheint, wird beim Gesundheitscheck ohnehin abgewiesen.

So läuft die Spende konkret ab

Mitzubringen ist nur ein gültiger Ausweis (Pink ID Card) oder Reisepass, einen festen Termin braucht es in der Regel nicht – wer am Bangkoker National Blood Centre auftaucht, kann meist ohne Voranmeldung hinein. Vor Ort folgt ein kurzer Gesundheitscheck mit Blutdruckmessung und Hämoglobin-Test, danach ein kurzes Gespräch mit dem diensthabenden Arzt über die Punkte aus dem Fragebogen.

Die eigentliche Blutentnahme dauert oft nur wenige Minuten, der gesamte Besuch mit Registrierung, Check und kurzer Ruhepause danach etwa eine Stunde – wer in der Mittagspause spontan vorbeischauen möchte, schafft das also gut zwischen zwei Terminen. Im Anschluss gibt es einen Snack und etwas zu trinken, damit der Kreislauf stabil bleibt und kein Schwindel aufkommt.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Wo Ausländer in Thailand spenden können

Die zentrale Anlaufstelle ist das National Blood Centre an der Henri Dunant Road in Bangkok, direkt beim Roten Kreuz und nur wenige Gehminuten vom Skytrain entfernt. Wer außerhalb der Hauptstadt lebt, findet regionale Blutbanken unter anderem in Chiang Mai, Hua Hin und Chonburi, der Provinz, die auch die Region rund um Pattaya versorgt, sodass auch Menschen außerhalb der Metropolen kurze Wege haben.

Auf Phuket übernimmt das dortige Rotkreuz-Zentrum die Versorgung, ergänzt durch mobile Einheiten, die regelmäßig durch Einkaufszentren und an Universitäten touren. Mir ist aufgefallen, wie oft gerade dort ausländische Gesichter zwischen den thailändischen Spendern sitzen – die aktuellen Standorte und Termine findet man auf der Webseite des National Blood Centre, meist auch in englischer Sprache.

Diese Reisesperre wurde aufgehoben

Jahrzehntelang durften Menschen, die längere Zeit in Großbritannien, Frankreich oder Irland gelebt hatten, wegen der Angst vor BSE-bedingten Erkrankungen kein Blut spenden – die Sorge galt der sogenannten Rinderwahn-Krankheit, die theoretisch über Bluttransfusionen übertragbar gewesen wäre. Diese Sperre ist inzwischen gefallen, an bestimmten Zentren wie dem National Blood Centre Bangkok dürfen Betroffene heute wieder spenden.

Für Reisende und Auswanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz war diese Einschränkung ohnehin nie relevant: In der aktuellen Ausschlussliste des thailändischen Roten Kreuzes tauchen die drei DACH-Länder an keiner Stelle als gesperrte Herkunftsländer auf. Wer aus diesen Ländern stammt, muss sich um diesen speziellen Punkt also keine Gedanken machen und kann sich direkt auf die allgemeinen Kriterien konzentrieren.

Warum gerade europäisches Blut so gefragt ist

Rh-negatives Blut kommt bei Thais in weniger als 0,3 Prozent der Bevölkerung vor, bei Europäern dagegen bei etwa 15 bis 22 Prozent – ein Unterschied, der sich in der täglichen Versorgungslage der Krankenhäuser deutlich bemerkbar macht. Genau diese Lücke führt regelmäßig zu den dringenden Aufrufen, wie sie zuletzt aus Phuket zu lesen waren, als ein älterer britischer Patient ohne passende Konserve dastand.

Wer aus dem deutschsprachigen Raum stammt und Rh-negativ ist, zählt in Thailand also zu einer gesuchten Minderheit. Wenn ich europäische Spender in unseren Zentren sehe, denke ich oft: Eine einzige Spende kann hier mehr bewirken als zuhause, wo dieser Mangel längst nicht so drastisch ausfällt – und genau deshalb lohnt sich der kurze Umweg über die nächste Blutbank.

Anmerkung der Redaktion

Berichte über Vergünstigungen bei Behandlungskosten für Stammspender an Rotkreuz-Krankenhäusern liegen vor, sind aber nicht einheitlich über offizielle Kanäle bestätigt. Wer Klarheit will, sollte vor Ort beim jeweiligen Blutspendezentrum nachfragen.

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.