Lopburi und die Makaken: Wie die Stadt ihre Affen zähmt

Ein Markt, der sich selbst einsperren musste. Uhrmacher, die keine Kunden mehr hatten. Straßen, die tagsüber leer blieben. Lopburi und seine Langschwanzmakaken — das war jahrelang ein Ausnahmezustand

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KI generiertes Symbolbild

Lopburi, rund 150 Kilometer nördlich von Bangkok, ist seit Jahrzehnten als „Affenstadt“ bekannt. Die Langschwanzmakaken (Macaca fascicularis) rund um den Khmer-Tempel Phra Prang Sam Yot galten als Wahrzeichen, als Glücksbringer, als Touristenmagnet. Seit 2024 fängt die Nationalparkbehörde die Tiere systematisch ein, sterilisiert sie und siedelt sie um — der erste wirklich konsequente Versuch, Lopburi den Menschen zurückzugeben.

Langschwanzmakaken in Lopburi: eine lange Geschichte

Die Makaken siedelten sich seit Jahrhunderten um den Phra Kan Schrein und den Phra Prang Sam Yot an, wo Gläubige sie fütterten und als heilig betrachteten. Was als religiöse Praxis begann, wurde zum städtischen Alltag: Händler, Anwohner und Touristen reichten Früchte durch Gitterstäbe, die Tiere kannten keine Scheu. Bis weit ins 21. Jahrhundert galt das als Kuriosum, das Besucher anzog statt zu verschrecken.

Mit dem Wachstum der Stadt dehnten sich die Tiergruppen aus. Laut einer Erhebung des Department of National Parks aus dem Jahr 2018 lebten damals rund 9.300 Makaken in der Provinz Lopburi — im Stadtzentrum allein zählte die Behörde 2020 noch 3.121 Tiere. Die Reviere überschnitten sich zunehmend mit Wohn- und Geschäftsbereichen, was die Konflikte unvermeidlich machte.

Schutzstatus: Was das Gesetz erlaubt und was nicht

Langschwanzmakaken fallen in Thailand unter den Wild Animal Conservation and Protection Act B.E. 2562 (2019), der sie als geschützte Wildtierart einstuft. Einfangen, Verletzen oder Töten ohne ausdrückliche Genehmigung steht unter Strafe. Wer einen Affen angreift, muss mit sofortiger Strafverfolgung rechnen — das stellte der Generaldirektor der Nationalparkbehörde, Athapol Charoenshunsa, öffentlich klar.

Für die Stadtverwaltung bedeutet das: Jeder Eingriff muss mit dem Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation abgestimmt sein. Eigenmächtiges Handeln von Hauseigentümern oder Händlern ist rechtlich ausgeschlossen. Erst ein Memorandum of Agreement zwischen DNP und der Gemeinde Lopburi, unterzeichnet im Februar 2024, schuf die formale Grundlage für das laufende Programm.

Wie die Pandemie das Gleichgewicht kippte

Zwischen 2020 und 2022 brach der Touristenstrom fast vollständig weg. Die Makaken, die sich auf Essensreste und direkte Fütterungen verlassen hatten, wurden aggressiver und weiträumiger. Anwohner griffen auf zuckerreiche Snacks zurück, um die Tiere zu besänftigen — mit dem gegenteiligen Effekt: Die Tiere wurden aktiver und anspruchsvoller. Aus dem Wahrzeichen wurde ein ernstes Sicherheitsproblem.

Metallgitter, geschlossene Läden: das Ausmaß der Schäden

Geschäftsinhaber schraubten schwere Gitter vor Schaufenster und Eingänge. Wer keine Schutzbauten errichten konnte oder wollte, schloss. Straßenzüge, die einmal belebte Handelsviertel gewesen waren, wirkten wie Geisterstädte — der Begriff kam nicht von Journalisten, sondern von der Stadtverwaltung selbst. Laut der Nationalparkbehörde standen zwischenzeitlich rund 5.000 Makaken allein im Stadtgebiet der Gemeinde Lopburi.

Jirat Buapromart, ein Hausbesitzer, dessen Terrasse vollständig vergittert ist, brachte es auf den Punkt: Man lebe eingesperrt im eigenen Zuhause, die Freiheit auf dem eigenen Grundstück sei de facto aufgehoben. Dass sich an der Lage etwas ändern musste, war spätestens im März 2024 unbestreitbar — als eine Frau durch einen angreifenden Makaken zu Fall kam und sich das Knie auskugelte, und ein Motorradfahrer von einem anderen Tier vom Fahrzeug gestoßen wurde.

Langschwanzmakaken lernen schnell — und das ist das Problem

Die Tiere öffnen Verpackungen, kennen Tagesabläufe von Händlern und meiden Käfige, in denen Artgenossen verschwunden sind. Der lokale Tierarzt der Nationalparkbehörde, Patarapol Maneeorn, beschreibt es nüchtern: Wenn ein Tier sieht, was mit dem Käfig passiert, betreten die anderen ihn nicht mehr. Das macht das Einfangen aufwendig und langwierig. Fruchtstücke als Köder funktionieren — aber nur einmal pro Gruppe.

Biologen verweisen auf die matrilinearen Hierarchien der Gruppen: Wer die Leittiere bewegt, bewegt die Gruppe. Wer nur einzelne Tiere herausfängt, destabilisiert das Sozialgefüge und riskiert, dass die verbleibenden Tiere aggressiver werden. Das Programm versucht deshalb, ganze Gruppen in einem Zug zu verlagern — was die Logistik erheblich erschwert.

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Das Sterilisationsprogramm der Nationalparkbehörde

Der DNP begann bereits 2014 mit ersten Sterilisierungen in Lopburi; bis Anfang 2024 waren laut Nationalparkbehörde über 5.100 Tiere in der Provinz sterilisiert worden, davon rund 2.750 im Stadtgebiet. Seit Mai 2024 läuft das Programm in neuer Dimension: Speziell geschulte Teams fangen die Tiere mit Fruchtfallen, sedieren sie, führen den Eingriff unter tierärztlicher Aufsicht durch und tätowieren jeden Makaken mit einem Identifikationscode auf dem Arm — Provinz, Ort, Jahr.

Die sterilisierten Tiere kommen nicht zurück in den Stadtkern, sondern in das Gehege in Po Kao Ton. Das erklärte Ziel der Behörde: 100 Prozent der verbleibenden Stadtaffen sterilisieren. Eine Fangoperation im Juni 2025, finanziert aus dem Haushaltsplan 2025, zielte darauf ab, innerhalb von zehn Tagen weitere 450 Tiere zu sterilisieren.

Das Gehege in Po Kao Ton

In dem Bezirk Po Kao Ton, etwas außerhalb des Stadtzentrums, entstand ein großes Freigehege. Die Anlage bietet Klettermöglichkeiten, regelmäßige Futterversorgung und tierärztliche Betreuung — deutlich besser als das Leben im städtischen Chaos. Ende 2024 lebten dort bereits über 300 sterilisierte Makaken.

Tierschutzorganisationen wie Wildlife Friends Foundation Thailand kritisieren, dass die Übergangskäfige vor der Verlegung zu eng seien. Gründer Edwin Wiek sieht das strukturelle Problem: Der DNP hat ausgebildetes Personal, aber zu wenig davon — was das Tempo des Programms begrenzt. Ob das Gehege langfristig ausreicht, hängt davon ab, wie viele Tiere das Programm noch aus dem Stadtzentrum holt.

Erste Erholung der Innenstadt

Nach den ersten großen Fangaktionen ab April 2024 zog Lopburi erkennbar Luft. Der Damrongchai Markt, der auf dem Höhepunkt der Krise fast leergestanden hatte, füllte sich wieder; Ende 2024 waren nahezu alle 60 Verkaufsstände belegt. Das Kaufhaus Apinya, das zwischenzeitlich zum Verkauf stand, entschied sich für eine Renovierung und kündigte neue Promotionen an. Händler berichten, dass Kunden wieder kommen — und ihre Autos wieder parken.

Uhrmacher Chalit Nithiwkram, 64, fasst es kurz zusammen: Als die meisten Affen weg waren, wurde das Leben einfacher. Kein Satz über Biodiversität, kein Bekenntnis zur Stadtvision — nur Erleichterung. Für Touristen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, die Lopburi als Tagesausflug von Bangkok aus besuchen, ist der Unterschied heute sichtbar: Der Tempel ist zugänglich, die Gassen sind begehbar, die Händler sind da.

Lopburi als Modell für Südostasien

Ob das Lopburi-Modell trägt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Das Monitoring läuft: Biologen erfassen Geburtenraten, Gruppengrößen und Verhaltensveränderungen der sterilisierten Restpopulation. Andere Städte in Südostasien mit ähnlichen Makaken-Populationen beobachten das Experiment. Wenn Sterilisation, Umsiedlung und konsequente Fütterungsverbote zusammenwirken, könnte Lopburi zeigen, dass städtisches Wildtiermanagement ohne Abschlachtung funktioniert — das wäre tatsächlich neu.

Redaktionelle Hinweise

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Die genannten Bestandszahlen und Programmdaten basieren auf Angaben des Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation (DNP) sowie auf Berichten von Bangkok Post und Nation Thailand aus den Jahren 2024 und 2025. Das Sterilisationsprogramm läuft aktiv weiter — aktuelle Fangzahlen können vom hier genannten Stand abweichen.

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