Pattaya bei Nacht: Mit den Ausländer-Cops auf Streife

Eine blonde Ausländerin in thailändischer Polizeiuniform — wer ist sie, warum trägt sie die Thai-Uniform, bei welcher Polizei ist sie, und wofür ist diese überhaupt zuständig?

Pattaya bei Nacht: Mit den Ausländer-Cops auf Streife
Instagramm / varvara_9_9

Wer erinnert sich noch? Eine blonde Ausländerin in thailändischer Polizeiuniform — wer ist sie, warum trägt sie die Thai-Uniform, bei welcher Polizei ist sie, und wofür ist diese überhaupt zuständig? Ihr Name ist Varvara Davydova. 22 Jahre alt, Russin, aufgewachsen in Pattaya. Freiwillig dabei. Genau das macht sie so besonders. Hinter ihr steht ein System, das viele nicht kennen.

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Varvara Davydova: Die Russin, die Thai spricht wie eine Einheimische

Varvara Davydova lebt seit ihrem achten Lebensjahr in Thailand, spricht fließend Thai, Russisch und Englisch und schloss ihr Jurastudium an der Sripatum University in Chonburi mit Auszeichnung ab. Bereits mit 15 arbeitete sie als Dolmetscherin. Als im Juli 2026 die russischen Geschwister Diana Nazimova (22) und Roman Nazimov (17) in Pattaya verschwanden und ermordet aufgefunden wurden, war sie zur Stelle — als freiwillige Dolmetscherin zwischen der russischen Familie, der Community und den Thai-Behörden.

In der Polizeistation sprach sie sogar mit Premier Anutin Charnvirakul persönlich — ein Gespräch, das auf Video festgehalten wurde. Auf Thai-Sozialmedia wurde sie dafür gefeiert. Eine Facebook-Seite schrieb, sie sei „zu 100 Prozent Thai, nur der Ausweis fehlt noch.“ Davydova selbst sagte: „Was ich bekomme, ist Erfahrung. Ich sehe, wie das Gesetz wirklich angewendet wird. Das hat echten Wert.“ Sie ist auf Instagram und TikTok unter @varvara_9_9 zu finden.

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Nachts auf der Walking Street — Ausländer in Thai-Uniform

Pattaya, Walking Street, nach Mitternacht. Zwischen Bars, Neonlichtern und Menschenmassen patrouillieren Männer und Frauen in Polizeiuniform — die kein Thai sind. Ein Brite, ein Russe, ein Deutscher. Sie sprechen die Sprache der Touristen, kennen die Lage, schlichten Streit. Sie sind keine Beamten. Sie sind Volunteers — und sie sind seit über 20 Jahren fester Bestandteil des Sicherheitssystems in Pattaya.

Was viele nicht wissen: Ausländer können in Thailand bei verschiedenen Polizeibehörden freiwillig mitarbeiten. Die bekannteste Variante ist das Volunteer-Programm der Touristenpolizei. Daneben gibt es Dolmetscher-Volunteers wie Davydova, die fallweise bei der Immigration oder der regulären Polizei aushelfen. Zwei verschiedene Systeme — beide legal, beide offiziell, beide auf freiwilliger Basis.

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Ausländer in Thai-Uniform — wie ist das überhaupt möglich?

Die kurze Antwort: weil Thai-Behörden es offiziell erlauben und aktiv fördern. Thailand hat schlicht zu wenige Englisch- oder Russischsprachige Beamte für die Millionen ausländischen Besucher jedes Jahr. Volunteers füllen diese Lücke — mit einer offiziellen Uniform, nach einem Hintergrundcheck, nach einer Schulung. Sie haben keine Polizeigewalt, aber sie tragen die Jacke der jeweiligen Behörde, bei der sie eingesetzt sind.

Rechtlich bewegen sich Volunteers dabei in einem klar definierten Rahmen: Sie handeln immer im Auftrag und unter Aufsicht der jeweiligen Dienststelle. Eigenständige Aktionen — etwa eine Festnahme ohne Thai-Beamten — sind nicht erlaubt. Was sie tun dürfen: dolmetschen, deeskalieren, begleiten, erklären. Das klingt wenig, ist in der Praxis aber oft der entscheidende Unterschied zwischen einem gelösten Problem und einem eskalierenden Vorfall.

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Bei der Touristenpolizei: Das FTPA-Programm

Das bekannteste Volunteer-Programm in Pattaya heißt Foreign Tourist Police Assistants, kurz FTPA — auf Facebook auch unter „FPV Foreign Police Volunteers“ bekannt. Es gibt es seit 2002, als die Touristenpolizei Pattaya erstmals Ausländer einlud, auf der Walking Street mitzuhelfen. Heute zählt das Programm rund 100 aktive Volunteers aus 26 Ländern. In Phuket und Chiang Mai laufen vergleichbare Programme unter dem Rahmen „Strong Tourist Community“ (STC).

Volunteers tragen die offizielle Uniform der Touristenpolizei und sind als Freiwillige erkennbar. Ihre Nationalitäten spiegeln bewusst die Besucherstruktur der Stadt wider — Englisch, Russisch, Arabisch und Deutsch sind die gefragtesten Sprachen. In Phuket nahmen bei einer einzigen Trainingseinheit im Februar 2025 bereits 43 ausländische Volunteers teil. Das Programm wächst.

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Was diese Volunteers dürfen — und wo Schluss ist

Keine Festnahmen, keine Verhöre, keine eigenständigen Ermittlungen. Jede Arretierung braucht die Anweisung eines diensthabenden Thai-Beamten. Was Volunteers dagegen können: dolmetschen, deeskalieren, Touristen zur Wache begleiten, Polizeiberichte übersetzen, bei vermissten Personen koordinieren. In Pattaya sind Streitigkeiten auf der Walking Street der häufigste Einsatz — Preisstreit, Betrug, Missverständnisse. Volunteers klären, vermitteln, übergeben.

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Ihr eigentlicher Wert liegt in der Sprache. Ein russischer Tourist, der gerade bestohlen wurde und keinen englischsprachigen Beamten findet, braucht keinen Helden. Er braucht jemanden, der für ihn spricht — und der das System kennt. Genau das leisten Volunteers jeden Abend in Pattaya, Phuket und Chiang Mai. Ohne Bezahlung, ohne Festvertrag, oft jahrelang.

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Bei der Immigration: Dolmetscher zwischen zwei Welten

Neben dem FTPA-Programm der Touristenpolizei gibt es eine zweite Form freiwilliger Mitarbeit: Dolmetscher-Volunteers bei der Immigration. Varvara Davydova ist das prominenteste Beispiel. Sie ist hauptsächlich bei der Pattaya Immigration tätig und hilft dort bei Fällen, die russischsprachige Kommunikation erfordern — Verhöre, Aussagen, Behördengänge. Eine offizielle Mitgliedschaft in einem Volunteer-Programm gibt es dafür nicht; solche Einsätze laufen informell, fallweise und auf Einladung der jeweiligen Dienststelle.

Wer Sprachkenntnisse hat und sich bei einer lokalen Behörde als Dolmetscher anbieten will, spricht diese am besten direkt an. Die Pattaya Immigration, die Touristenpolizei und auch reguläre Polizeistationen sind auf solche Helfer angewiesen — gerade bei Nationalitäten, für die es keine bezahlten Übersetzer gibt. Russisch, Arabisch und in bestimmten Fällen Deutsch sind besonders gefragt.

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Die Touristenpolizei — eine Behörde nur für Ausländer

Das Tourist Police Bureau (TPB) ist eine eigenständige Behörde der Royal Thai Police mit 1.700 Beamten und 32 Stationen im ganzen Land. Gegründet 1992 als Division, wurde es 2017 zum vollständigen Bureau aufgewertet. Ihr Auftrag: ausschließlich der Schutz ausländischer Besucher. Diebstahl, Betrug, Körperverletzung, vermisste Personen, illegale Touranbieter — das TPB ist die erste Adresse für jeden Ausländer, der in Thailand Hilfe bei der Polizei sucht.

TPB-Beamte werden gezielt auf internationale Kontakte vorbereitet: Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Grundkenntnisse, direkter Draht zu Botschaften und Konsulaten. Vollständige Polizeibefugnisse haben sie wie jede andere Dienststelle — Festnahme, Strafverfolgung, Gerichtsakte. Der Unterschied zur regulären Polizei liegt im Fokus, der Unterschied zur Immigration im Auftrag: Immigration kontrolliert Visa und Aufenthaltsstatus, die Touristenpolizei schützt bei Verbrechen und Notlagen.

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Hotline 1155 und die offizielle App

Die Touristenpolizei ist rund um die Uhr über die Hotline 1155 erreichbar — kostenlos, in bis zu acht Sprachen: Englisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Arabisch, Malaiisch, Thai. Seit Januar 2025 gibt es die kostenlose App „Thailand Tourist Police“ für iOS, Android und Huawei. Per SOS-Knopf wird man sofort mit der 1155-Zentrale verbunden, per GPS lokalisiert und bei Bedarf zu einem Beamten durchgestellt.

Die App zeigt Risikogebiete in Echtzeit, listet nächstgelegene Polizeistationen und erlaubt die gesicherte Dokumentation von Vorfällen mit Foto und Ton. Die gemeldete durchschnittliche Reaktionszeit nach einem SOS liegt bei etwa fünf Minuten. Vor der Reise herunterladen — nicht erst, wenn man sie braucht.

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Walking Street, Bangla Road, Flughafen — wo sie patrouillieren

Das TPB betreibt 32 Stationen landesweit, konzentriert auf touristische Ballungszentren. In Pattaya liegt der Schwerpunkt auf der Walking Street und dem Beachroad-Bereich. In Phuket ist Patong mit der Bangla Road das Kerngebiet. In Chiang Mai patrouilliert die Touristenpolizei rund um den Night Bazaar. An den Flughäfen Suvarnabhumi und Phuket International ist das TPB ebenfalls vertreten.

Zu Hochsaisonzeiten werden Sondereinsätze gefahren. Songkran 2025 setzte das Bureau über 2.500 Beamte und Volunteers gleichzeitig ein. Die Hochsaison von Oktober bis März ist gleichzeitig die Zeit, in der die meisten Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Thailand unterwegs sind — und damit auch die Zeit, in der deutschsprachige Volunteers am meisten gebraucht werden.

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Wie man selbst Volunteer wird

Für das FTPA-Programm der Touristenpolizei braucht man: Volljährigkeit, körperliche Eignung, sauberes Strafregister und einen gültigen Aufenthaltsstatus — ein Touristenvisum reicht in der Regel nicht. Englisch ist Pflicht, jede weitere Sprache ein Pluspunkt. Die Bewerbung läuft direkt bei der lokalen Tourist Police Station — in Pattaya, Phuket oder Chiang Mai persönlich vorbeigehen und Interesse anmelden. Nach Hintergrundcheck und Schulung gibt es die Uniform.

Wer als Dolmetscher bei der Immigration oder der regulären Polizei helfen will, geht denselben Weg — direkt zur jeweiligen Dienststelle, Sprachkenntnisse nennen, Kontakt herstellen. Eine zentrale Anlaufstelle gibt es dafür nicht. Wer unsicher ist, wo er anfangen soll: Hotline 1155 anrufen und nach dem lokalen Volunteer-Koordinator fragen. Der erste Schritt ist in beiden Fällen derselbe — einfach hingehen und fragen.

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Redaktionelle Hinweise

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Die Angaben zu Aufgaben und Befugnissen der Touristenpolizei basieren auf touristpolice.go.th sowie englischsprachigen Quellen (Stand 2025/2026). Behördenpraxis kann lokal abweichen. Angaben zu Varvara Davydova basieren auf verifizierten Berichten von thethaiger.com und aseannow.com (Stand August 2026). Davydova ist freiwillige Dolmetscherin — keine Polizeibeamtin und kein Mitglied des FTPA-Programms.

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