Rentner in Thailand leben auf sehr verschiedene Weise. Die einen suchen den Stammtisch, die anderen meiden jeden Landsmann. Beides hat Folgen, die im Alltag erst nach Monaten sichtbar werden: bei der Verständigung, beim Arzttermin, beim Gang zur Immigration und im Monatsbudget. Zwei Männer in verschiedenen Teilen des Landes zeigen, wie unterschiedlich die Rechnung ausfallen kann. Keiner der beiden Wege ist falsch, aber jeder verlangt etwas.
Zwei Rentner, zwei Wohnorte
Werner, 68, lebt seit drei Jahren in einem Dorf bei Udon Thani. Seine Nachbarn sind Thais, Landsleute trifft er höchstens in der Stadt. Den Vormittag verbringt er auf dem Markt oder im Garten, am Nachmittag wartet das Haus auf kleine Reparaturen. Feste Termine hat er selten.
Manfred, 67, wohnt in Chiang Mai und gehört einer Rentnergruppe an. Jeden Donnerstag trifft sie sich zum Frühschoppen, einmal im Monat folgt ein Ausflug in die Berge. Der Kalender ist voll, die Gespräche laufen auf Deutsch, und neue Zuzügler werden schnell aufgenommen.
Wo Landsleute leben und wo nicht
In Pattaya, Hua Hin und Chiang Mai haben sich über Jahre Stammtische, Vereine und deutschsprachige Gastronomie gebildet. Wer dorthin zieht, findet meist innerhalb weniger Wochen Anschluss. Die Orte unterscheiden sich dabei weniger im Klima als in der Zahl der Landsleute.
In Werners Dorf gibt es dieses Angebot nicht. Er kennt in seiner Umgebung nur wenige Deutschsprachige und fährt für ein Treffen in die Stadt. Wer so lebt, muss Gesellschaft selbst herstellen, sonst bleibt sie aus.
Was ein ruhiges Leben im Monat kostet
In Chiang Mai kommt ein Rentner mit rund 28.000 Baht im Monat gut aus, das sind etwa 740 Euro. In Phuket sind für einen ähnlichen Lebensstil mindestens 40.000 Baht nötig, etwa 1.050 Euro. Miete, Essen und Nebenkosten machen den größten Teil aus.
Restaurantbesuche, Vereinsbeiträge und Ausflüge kommen hinzu, und wer oft in der Gruppe unterwegs ist, gibt dafür mehr aus. Der Einkommensnachweis für die Jahresverlängerung liegt mit 65.000 Baht, etwa 1.700 Euro, deutlich über diesen Alltagskosten. Es bleibt also Spielraum für gemeinsame Unternehmungen.
Sprache im Alltag
Wer Thai spricht, kommt im Alltag leichter zurecht. Werner hat nach seinem Umzug begonnen, die Sprache zu lernen. Heute handelt er auf dem Markt, fragt beim Elektriker nach und versteht seine Nachbarn. Einen Übersetzer braucht er dafür nicht.
Manfred spricht kaum Thai. Im Alltag stört ihn das wenig, weil seine Gruppe hilft, wenn ein Formular auszufüllen oder ein Arzt zu verstehen ist. Die Gruppe fängt die Sprachlücke auf, eigene Kenntnisse braucht er dadurch weniger.
Was Gruppen und Stammtische bieten
Eine feste Gruppe schafft Termine und Verbindlichkeit. Bei Manfred sind das der Frühschoppen am Donnerstag, die Wanderungen und gelegentliche Grillabende. Wer allein lebt, muss solche Anlässe selbst schaffen, sonst vergeht manche Woche ohne ein Gespräch auf Deutsch.
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Eine Gruppe verlangt aber auch etwas zurück. Wer zusagt, wird erwartet, und Absagen müssen erklärt werden. Auch Geburtstage und Abschiede im Kreis gehören dazu und kosten Zeit. Manfred nimmt das in Kauf, doch an manchen Donnerstagen wäre er lieber für sich.
Kleine Kontakte, die tragen
Nicht jeder Kontakt muss eine Freundschaft sein. Der Händler auf dem Markt, die Wirtin im Café und der Nachbar, der nach dem Haus sieht, bilden ein loses Netz, das im Alltag trägt. Solche Bekanntschaften kosten wenig Kraft.
Das Netz entsteht nur, wenn man regelmäßig dieselben Orte aufsucht. Werner geht jeden Morgen zum selben Stand und grüßt dieselben Leute. Nach einigen Monaten haben sie ihn aufgenommen, und er weiß, wen er im Notfall ansprechen kann, auch wenn es keine engen Freunde sind.
Behördengänge ohne Hilfe
Die Jahresverlängerung bei der Immigration verlangt entweder 65.000 Baht Monatseinkommen, etwa 1.700 Euro, oder 800.000 Baht auf einem Konto in Thailand, etwa 21.000 Euro. Der Antrag wird jedes Jahr gestellt, mit Formularen, Kopien und Wartezeit. Werner erledigt das allein, Manfred fährt mit Bekannten aus der Gruppe.
Rentner mit deutscher Rente erhalten oft jährlich eine Lebensbescheinigung vom Renten Service der Deutschen Post. Eine amtliche Stelle wie Botschaft, Konsulat oder Stadtverwaltung bestätigt sie, im Original geht sie zurück. Bleibt sie aus, kann die Zahlung eingestellt werden. Wer eine Rente aus Österreich oder der Schweiz bezieht, erfragt die Regeln bei seiner Rentenstelle.
Krank und allein
Wer den Wohnsitz dauerhaft nach Thailand verlegt, verliert in der Regel den Schutz der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung. Rentner aus Österreich oder der Schweiz klären das mit ihrer Kasse. Eine staatliche Absicherung in Thailand steht den meisten Rentnern nicht offen, es bleibt die private Versicherung.
Eine Nacht in einer Privatklinik kostet ab 20.000 Baht, etwa 530 Euro, ohne Operation. Werner hat deshalb eine Police abgeschlossen und sich eine Klinik in Udon Thani ausgesucht, die er im Ernstfall ansteuert. Wer allein lebt, muss selbst das Taxi rufen und sich dort verständigen können.
Warum ein Videoanruf keinen Nachbarn ersetzt
Videoanrufe und Nachrichten halten den Kontakt zu Kindern und alten Freunden in Europa. Werner telefoniert jeden Sonntag mit seiner Tochter, Manfred schreibt täglich in zwei Familiengruppen. Für Gespräche und Nähe ist das viel wert.
Wenn nachts der Kreislauf versagt oder ein Dachziegel bricht, hilft der Anruf nach Europa nicht. Dann zählt, wer in zehn Minuten vor der Tür steht. Das sind meist Nachbarn, Bekannte aus der Gruppe oder das Personal der Klinik.
Welchen Preis jeder Weg hat
Werner genießt seine Ruhe, vermisst aber Gespräche auf Deutsch, vor allem über Politik und Fußball. Er ist unabhängig, trägt dafür aber jede Aufgabe allein, vom Behördengang bis zur Wahl des Arztes. Wenn etwas schiefgeht, gibt es niemanden, der es ihm abnimmt.
Manfred hat Gesellschaft und Hilfe, gibt dafür Zeit und Unabhängigkeit ab. Welcher Preis tragbar ist, entscheidet jeder Rentner für sich. Möglich ist ein Mittelweg: ein paar feste Kontakte, die man nutzen kann, ohne sich zu verpflichten.
Redaktionelle Hinweise
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Die Beträge entsprechen dem Stand von November, umgerechnet mit rund 38 Baht je Euro, und schwanken je nach Wohnort und Lebensstil. Werner und Manfred sind Beispielfiguren, Namen, Alter und Orte sind angepasst. Die Anforderungen für die Jahresverlängerung erfragen Leser bei der Immigration ihrer Provinz, Auskünfte zur Lebensbescheinigung gibt die zuständige Rentenstelle.

Wie im ganz alltäglichen Leben…jeder so wie es ihm beliebt.
Zur Lebensbescheinigung: Da gibt es schon seit mehreren Jahren die Möglichkeit diese über die Postident App zu bestätigen. Im Original zurück ist zwar immer noch möglich, macht aber in meinem Umfeld kaum noch einer.