Das Haus gehört ihr. Das Geld war seins

Sieben Jahre zusammen, der Anwalt war dabei, der Pachtvertrag unterschrieben. Was Klaus trotzdem nicht abgesichert hatte, merkte er erst nach der Trennung.

Das Haus gehört ihr. Das Geld war seins
KI generiertes Symbolbild

Er kannte die Geschichten. Hatte sie selbst erzählt, in Foren, an Biertresen, mit dem leichten Überlegenheitsgefühl von jemandem, der schon sieben Jahre in Thailand lebt und sich sicher ist, die Fehler der anderen nicht zu machen. Klaus, 63, pensionierter Ingenieur aus Karlsruhe, Chiang Mai seit 2017. Und dann kaufte er das Haus.

Was danach kam, ist keine Geschichte über Naivität. Klaus ist nicht naiv. Er hatte Anwälte konsultiert, Formulare studiert, die einschlägigen Ratgeber gelesen. Was er unterschätzt hatte, war etwas anderes: wie gut sieben Jahre gemeinsames Leben sich anfühlen — und wie wenig das mit Rechtssicherheit zu tun hat.

Sieben Jahre, die wie eine Ehe wirken — aber keine sind

Noi war 41, als sie Klaus kennenlernten. Keine Barfrau, kein flüchtiges Urlaubsabenteuer. Sie führte einen kleinen Laden am Nimmanhaemin, verkaufte handgewebte Stoffe, hatte eine erwachsene Tochter und redete kein Deutsch. Ihr Englisch war gut genug, sein Thailändisch wurde mit den Jahren besser. Sie zogen zusammen, lebten in einer Mietwohnung im Nordwesten der Stadt, fuhren zusammen in den Urlaub nach Koh Lanta, stritten über Kleinigkeiten und vertrugen sich wieder.

Was fehlte, war das Papier. Keine offizielle Heirat, kein Ehevertrag. Klaus hatte das bewusst so gelassen — „zu kompliziert“, hatte er immer gesagt, und vielleicht stimmte das sogar. Aber ohne Heirat war die Situation im Grunde klar: Noi war seine Partnerin. Rechtlich war sie eine Fremde.

Das Haus war Nois Idee — und kein schlechter Plan

Der Vorschlag kam an einem gewöhnlichen Sonntag. Sie hatten ein Grundstück am Stadtrand gesehen, 200 Quadratmeter, ein kleines Haus drauf, Garten, ruhig. 2,8 Millionen Baht. Noi rechnete vor, was sie an Miete sparten. Klaus rechnete nach. Die Zahlen stimmten. Was er nicht nachrechnete: wem das Haus am Ende gehören würde.

Als Ausländer darf er in Thailand kein Land besitzen — das wusste er. Die Lösung schien naheliegend: Haus auf Nois Namen, Pachtvertrag über 30 Jahre, Anwalt einschalten, fertig. Er zahlte die 2,8 Millionen aus seinen Ersparnissen. Den Pachtvertrag unterschrieben beide. Klaus atmete durch und nannte es „pragmatisch“.

Was ein 30-Jahres-Pachtvertrag wirklich bedeutet

Der Pachtvertrag gibt dem ausländischen Mieter das Nutzungsrecht für 30 Jahre — das ist verbürgt und vor Gericht durchsetzbar. Was danach kommt, ist eine andere Frage. Viele Verträge enthalten eine Klausel zur Verlängerung. Ob diese Klausel rechtlich bindend ist, hat kein thailändisches Gericht bisher eindeutig entschieden. Wer auf Verlängerung klagt, verlässt sich auf ein Rechtssystem, das historisch wenig ausländerfreundlich urteilt.

Was Klaus nicht bedacht hatte: Ein Pachtvertrag ist nur so stabil wie die Person, mit der er abgeschlossen wurde. Wenn Noi das Grundstück verkauft — was rechtlich möglich ist — tritt der neue Eigentümer zwar in den bestehenden Pachtvertrag ein. Ob er ihn nach 30 Jahren verlängert, entscheidet allein er. Das Haus, das Klaus finanziert hat, steht auf einem Fundament, das ihm nicht gehört.

Dann trennten sie sich

Es war kein Drama, kein Verrat, keine große Szene. Noi hatte jemanden kennengelernt, einen Thail­änder, jünger, aus Chiang Rai. Sie sagte Klaus das direkt, ohne Umschweife, an einem Dienstag­abend im März. Er war erschüttert, aber nicht überrascht — die letzten Monate hatten sich verändert, er hatte es gespürt und nichts gesagt. Das Haus blieb Thema.

Noi machte keine Probleme wegen des Pachtvertrags. Sie sagte, er könne so lange bleiben, wie er wolle. Das klang großzügig — und war es vielleicht sogar. Aber Klaus saß jetzt in einem Haus, das ihm nicht gehörte, das er vollständig finanziert hatte, in einer Stadt, die er liebte, mit einer Situation, die von der Freundlichkeit einer Ex-Partnerin abhing. Rechtssicherheit sieht anders aus.

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Was erfahrene Expats trotzdem immer wieder falsch machen

Klaus ist kein Einzelfall. In Expat-Runden in Chiang Mai, Hua Hin und Pattaya findet man Dutzende ähnliche Geschichten — erzählt von Männern, die Thailand gut kennen, die Regeln kennen, die Risiken kennen und trotzdem handeln, als würden die Regeln für sie persönlich eine Ausnahme machen. Weil es sich nach sieben gemeinsamen Jahren einfach nicht mehr nach Risiko anfühlt. Weil man der Person vertraut. Weil man nicht möchte, dass das Misstrauen die Beziehung vergiftet.

Das ist kein Fehler im Denken — das ist ein Fehler im Fühlen. Und der lässt sich nicht wegrationalisieren. Wer in Thailand eine Immobilie finanziert, die auf den Namen einer anderen Person läuft, trägt das komplette finanzielle Risiko. Egal wie lange die Beziehung hält. Egal wie gut der Pachtvertrag ist. Das Geld ist weg, sobald es überwiesen ist.

Was rechtlich möglich ist — und was nicht

Ausländer dürfen in Thailand keine Grundstücke besitzen. Was möglich ist: eine Eigentumswohnung kaufen, sofern der Ausländeranteil im Gebäude unter 49 Prozent bleibt. Für Häuser mit Grundstück gibt es den Pachtvertrag (Leasehold) über bis zu 30 Jahre, registrierbar beim Land Department. Eine weitere Option ist eine thailändische Firma als Eigentümerin — mit dem Ausländer als Gesellschafter — aber diese Konstruktion ist rechtlich komplex und bei reinem Privatbesitz von den Behörden zunehmend kritisch beäugt.

Verheiratete Paare stehen rechtlich besser da: Land auf den Namen der thailändischen Ehefrau gilt als gemeinschaftliches Vermögen, wenn beide beim Grundbuchamt unterschreiben, dass das Geld aus eigenem Vermögen der Frau stammt. Im Scheidungsfall greifen dann die allgemeinen Vermögensteilungsregeln. Unverheiratete Paare haben keinen dieser Schutzmechanismen. Was auf Nois Namen steht, gehört Noi — heute, morgen und nach der Trennung.

Was Klaus jetzt tut

Er wohnt noch im Haus. Noi hält ihr Wort, das Verhältnis ist ruhig und respektvoll, wie das manchmal eben so ist nach langen Jahren. Er hat einen Anwalt beauftragt, den Pachtvertrag auf Schwachstellen zu prüfen und eine Klausel nachzuverhandeln, die seinen Anteil an einer eventuellen späteren Veräußerung des Grundstücks absichert. Ob das gelingt, ist offen.

Was er anderen rät: nicht warten, bis die Beziehung auf dem Prüfstand steht. Den Anwalt einschalten, bevor das Geld fließt — nicht danach. Und: die Eigentumsfrage vom Gefühl trennen. Nicht weil man der Partnerin misstraut. Sondern weil Rechtssicherheit nichts mit Vertrauen zu tun hat. Wer das versteht, trifft bessere Entscheidungen. Wer es nicht versteht, zahlt die Erkenntnis später — mit Zinsen.

Redaktionelle Hinweise

Dieser Artikel beschreibt einen fiktiven, aber realitätsnahen Fall auf Basis geltender Rechtslage. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Wer in Thailand eine Immobilie finanzieren möchte, sollte vor jeder Zahlung einen zugelassenen Anwalt vor Ort einschalten. Empfehlenswert: einen unabhängigen Berater kontaktieren.

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Ein Kommentar zu „Das Haus gehört ihr. Das Geld war seins

  1. Lieber Mann in Deutschland hättest in dieser Zeit für die Miete einer Wohnung bereits mehr als 2,8 Mio. THB ausgegeben. Oder liege falsch?
    Wir meinen immer es muss eine Rendite herausspringen, das ist in Thailand leider meistens nicht der Fall.
    Wir bringen das Geld hierher um es zu verbrauchen! Das ist die Realität.

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