BANGKOK, Thailand – Bangkok hat drei geplante eigenständige Rechenzentren ausgesetzt und zur erneuten Prüfung zurückgeschickt. Gleichzeitig vergibt das Energieministerium vorerst keine neuen Genehmigungen für Treibstofftanks solcher Anlagen. Hintergrund sind offene Fragen zu Sicherheit, Flächennutzung sowie zum Verbrauch von Strom und Wasser.
Drei Projekte müssen erneut geprüft werden
Seit 2021 und 2022 gingen bei der Hauptstadt sechs Anträge für große eigenständige Rechenzentren ein. Drei Projekte wurden 2022 und 2023 genehmigt, drei weitere sind nun ausgesetzt und müssen nach neuen Vorgaben erneut bewertet werden.
Die Anlagen sollen Cloud- und Datenverarbeitungsdienste für externe Kunden anbieten. Gouverneur Chadchart Sittipunt unterschied sie von etwa 30 bis 40 älteren Rechenzentren, die Unternehmen intern betreiben und teils seit mehr als zehn Jahren nutzen.
Neue Regeln sollen Lücken schließen
Thailand hatte bislang keine klare gesetzliche Definition für ein Rechenzentrum. Entwickler konnten Vorhaben deshalb als Lagerhäuser einreichen.
Die Regeln für Lagerhäuser passten laut Chadchart jedoch nicht zum Betrieb eigenständiger Rechenzentren. Anforderungen an Toiletten und Parkplätze bildeten deren Funktion nicht ab. Außerdem griffen Umwelt- und Industrieauflagen nicht automatisch. Das Büro des Premierministers führte am 13. August 2026 eine offizielle Definition ein.
Bangkok passt Bau- und Flächenregeln an
Bangkok will die neue Definition und aktualisierte Vorgaben zur Flächennutzung in den überarbeiteten Stadtentwicklungsplan und die Baukontrollregeln aufnehmen.
Mit dem neuen Rahmen sollen Behörden Lücken schließen und prüfen, an welchen Standorten große Rechenzentren sicher betrieben werden können. Thailand verschärft auch auf nationaler Ebene die Prüfung anhand von Strom- und Wasserversorgung, Umweltschutz und wirtschaftlichem Nutzen.
Warum Rechenzentren in der Hauptstadt bleiben
Chadchart erklärte, manche Anlagen müssten in Bangkok liegen. Dort gibt es dichte Glasfasernetze, eine verlässliche Strominfrastruktur, spezialisierte Ingenieure und Verbindungen zu internationalen Internetknoten.
Standorte in der Stadt verkürzen außerdem die Übertragungszeiten. Das ist für sogenannte Edge-Computing-Anlagen wichtig, die Daten nahe bei den Nutzern verarbeiten.
Neue Tankgenehmigungen liegen auf Eis
Das Energieministerium hat die Ausstellung neuer Genehmigungen für Notfalltreibstofftanks an Rechenzentren ausgesetzt. Die Pause gilt, während Regeln zu Sicherheit, Umweltfolgen sowie zum Strom- und Wasserverbrauch ausgearbeitet werden.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Nach Angaben von Thitipat Chotidechachainan, dem Sekretär des Energieministers, brauchen Rechenzentren meist genug Treibstoff, um Notstromgeneratoren bei einem Stromausfall mindestens 48 Stunden zu betreiben.
Prüfung an der Ramkhamhaeng Soi 28
Öffentlich wurde berichtet, dass ein Rechenzentrum an der Ramkhamhaeng Soi 28 zwischen 400.000 und fast 500.000 Liter Diesel lagern könnte. In den Genehmigungsunterlagen sind laut Thitipat jedoch nur 200.000 Liter erlaubt.
Die höhere Zahl könnte sich auf eine spätere vollständige Projektphase beziehen. Behörden wollen den tatsächlichen Tankbestand vor Ort kontrollieren. Überschreitet der Betreiber die genehmigte Menge, drohen rechtliche Schritte.
Auch in Rama IX fehlt eine Treibstoffgenehmigung
Ein anderes Rechenzentrum im Gebiet Rama IX hat laut den Behörden bislang keine Genehmigung zur Lagerung von Treibstoff erhalten. Eine nicht genehmigte Lagerung kann mit bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 200.000 Baht geahndet werden.
In Bangkok gibt es derzeit 56 Betriebsstätten mit Genehmigungen zur Lagerung von Treibstoff für den eigenen Betrieb. Die Stadtverwaltung hat vorgeschlagen, die derzeitige Obergrenze von 500.000 Litern für den privaten Betriebsbedarf in dicht besiedelten Stadtgebieten zu überprüfen. Darunter sind verschiedene Arten von Unternehmen, nicht nur Rechenzentren.
Stromverbrauch bleibt unter dem großer Einkaufszentren
Kasem Sratonghug von der Metropolitan Electricity Authority sagte, die Rechenzentren in Bangkok seien kleiner als Anlagen im Eastern Economic Corridor und in anderen Provinzen. Dort könnten Projekte mehrere hundert Megawatt benötigen.
Die Anlagen in Bangkok beantragen im Schnitt eine Leistung von etwa 20 Megawatt, verbrauchen aber durchschnittlich rund acht Megawatt. Die Strombehörde versorgt sie über eigene Systeme, wenn das Netz am jeweiligen Standort genug Kapazität hat. Laut Kasem werden benachbarte Verbraucher dadurch nicht beeinträchtigt.
Wasserverbrauch liegt unter dem großer Krankenhäuser
Das größte Rechenzentrum Bangkoks verbraucht nach Angaben der Metropolitan Waterworks Authority durchschnittlich etwa 7.800 Kubikmeter Wasser im Monat für seine Kühlung. Ein großes Krankenhaus kommt auf rund 20.000 Kubikmeter, ein großes Einkaufszentrum auf 30.000 bis 40.000 Kubikmeter.
Der aktuelle Verbrauch der Rechenzentren habe die Wasserversorgung der Einwohner nicht spürbar belastet, sagte Vizegouverneur Supichete Tavorntaveevong. Ein großer Teil des Kühlwassers verdunstet oder wird auf dem Gelände, etwa für die Begrünung, wiederverwendet. Bangkok will trotzdem die Temperatur des abgeleiteten Wassers messen, bevor es in öffentliche Gewässer gelangt.
Beschwerden betreffen Standort und Generatoren
Die Stadtverwaltung erhielt Beschwerden zu zwei Standorten. Anwohner äußerten Bedenken gegen ein Projekt nahe einem Krankenhaus im Gebiet Rama IX, obwohl die Anlage noch nicht in Betrieb ist.
Eine weitere Beschwerde richtete sich gegen den Lärm bei nächtlichen Tests von Notstromgeneratoren. Die Prüfungen wurden anschließend auf den Tag verlegt; danach gingen keine weiteren Beschwerden ein. Eine formelle Beschwerde über eine mögliche Aufheizung des Stadtgebiets liegt bislang nicht vor. Chadchart kündigte dennoch eine Prüfung dieses Effekts an.
Behörden sollen Zuständigkeiten bündeln
Die Zuständigkeiten liegen derzeit bei mehreren Stellen: Das Department of Energy Business überwacht den Treibstoff, die Metropolitan Electricity Authority den Strom, die Metropolitan Waterworks Authority die Wasserversorgung und die Stadtverwaltung Bauvorgaben, Abstände zu Nachbargrundstücken und Belästigungen im öffentlichen Raum.
Ein nationaler Ausschuss für Rechenzentren soll diese Aufgaben künftig koordinieren und ein einheitliches Regelwerk für neue Projekte schaffen. Die Maßnahmen wurden am 2. September 2026 bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der beteiligten Behörden bekannt gegeben.
Lesen Sie auch: Steuer-Hammer in Thailand: Boni für saubere Autos
Was denkst du darüber? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: