SATTAHIP – Die Immigration Police der Provinz Chonburi hat einen 41-jährigen kambodschanischen Mann festgenommen, der wegen eines mutmaßlichen Menschenhandelsfalls international gesucht worden sein soll. Der Zugriff erfolgte nach thailändischen Medienberichten am Fischereipier von Sattahip, nachdem die Ermittler den Verdächtigen auf einem Fischerboot ausfindig gemacht hatten.
Festnahme nach Fahndungshinweis
Die Zeitung Thai Post berichtete, die Festnahme habe am 21. August 2026 gegen 13 Uhr im Bereich eines Pavillons an der Sattahip-Brücke stattgefunden. Nach Angaben des Berichts handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen 41-jährigen kambodschanischen Staatsangehörigen, dessen Name in lateinischer Schreibweise als „Rin Ran“ wiedergegeben wird.
Der Bericht von Thairath nennt dagegen den 20. August als Tag der Festnahme und bezeichnet den Mann als „Run Ran“. Die unterschiedliche Datumsangabe und die abweichende Umschrift des Namens konnten anhand einer öffentlich zugänglichen offiziellen Mitteilung nicht abschließend geklärt werden.
Verdächtiger arbeitete offenbar auf Fischerboot
Nach Angaben der Thai Post hatten internationale Polizeikontakte die thailändischen Behörden darüber informiert, dass sich ein wegen Menschenhandels gesuchter kambodschanischer Verdächtiger im Bezirk Sattahip aufhalten könnte. Die Immigration Police nahm daraufhin Ermittlungen auf und suchte nach dem Mann.
Die Beamten erhielten schließlich den Hinweis, der Gesuchte arbeite auf einem Fischerboot in der Nähe des Fischereipiers. Einsatzkräfte umstellten den Bereich und nahmen den Mann fest. Thairath berichtete, dass neben thailändischen Behörden auch die kambodschanischen Behörden, INTERPOL und die International Justice Mission an der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit beteiligt gewesen seien.

Vorwürfe beziehen sich auf Zwangsarbeit
Den Angaben aus dem Haftbefehl zufolge soll der Verdächtige zwischen 2018 und 2019 gemeinsam mit weiteren Beteiligten Arbeitskräfte in mehreren kambodschanischen Provinzen angeworben haben. Genannt werden unter anderem Kampong Thom, Kampong Speu, Siem Reap und Prey Veng.
Den Betroffenen soll eine Beschäftigung in der thailändischen Fischerei mit einem Monatslohn von rund 12.000 Baht versprochen worden sein. Außerdem seien angemessene Arbeitszeiten, Verpflegung, medizinische Versorgung und Reisedokumente in Aussicht gestellt worden. Die Vorwürfe stammen aus den Ermittlungen und Aussagen von Betroffenen; eine rechtskräftige Verurteilung liegt nicht vor.
Pässe sollen eingezogen worden sein
Nach ihrer Einreise über den Grenzübergang Poipet sollen die Arbeitskräfte an weitere Mitglieder des Netzwerks übergeben und auf Fischerbooten eingesetzt worden sein. Laut den Berichten seien ihre Pässe einbehalten und ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden.
Die Betroffenen hätten außerdem von überlangen Arbeitszeiten, unzureichender Verpflegung, körperlicher und psychischer Gewalt sowie Lohnabzügen berichtet. Der ursprüngliche englische Text nennt sexuelle Ausbeutung, doch die geprüften thailändischen Berichte belegen diesen Vorwurf nicht. Im Artikel wird deshalb ausschließlich von mutmaßlichem Menschenhandel und Zwangsarbeit berichtet.
Geflohene Arbeiter kehrten nach Kambodscha zurück
Einige Arbeiter sollen entkommen sein, als ihr Fischerboot im Hafen anlegte. Nach Darstellung der Thai Post wurden sie zunächst von der thailändischen Polizei festgenommen, später freigelassen und nach Kambodscha zurückgeschickt.
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Thairath bestätigt, dass einige Betroffene vom Boot flohen und nach Kambodscha zurückkehrten, nennt jedoch keine Einzelheiten zu einer vorherigen Festnahme durch die thailändische Polizei. Die Aussagen der Arbeiter sollen anschließend zur Einleitung der Ermittlungen und zur Ausstellung eines Haftbefehls in Kambodscha beigetragen haben.
Red Notice ist kein internationaler Haftbefehl
Die thailändischen Medien bezeichnen den Festgenommenen als Beschuldigten mit einer INTERPOL-Red Notice. INTERPOL beschreibt eine solche Ausschreibung als Ersuchen an Polizeibehörden weltweit, eine Person zu lokalisieren und vorläufig festzunehmen, damit anschließend ein Verfahren zur Auslieferung oder Übergabe geprüft werden kann.
Eine Red Notice ist jedoch kein internationaler Haftbefehl und verpflichtet die Mitgliedstaaten nicht automatisch zu einer Festnahme. Die rechtliche Grundlage für den Zugriff richtet sich nach dem Recht des Landes, in dem die gesuchte Person angetroffen wird. Ein öffentlich einsehbarer INTERPOL-Eintrag zu diesem konkreten Fall konnte nicht unabhängig bestätigt werden.
Rückführung nach Kambodscha geplant
Nach der Festnahme wollten die thailändischen Einwanderungsbehörden den Aufenthaltsstatus des Mannes prüfen und sein Visum widerrufen. Anschließend sollte er nach Kambodscha zurückgeführt werden, damit dort das Verfahren wegen des mutmaßlichen Menschenhandels fortgesetzt werden kann.
Die tatsächliche Rückführung war zum Zeitpunkt der Berichte noch nicht bestätigt. Die Thai Post schrieb, auf die vorgeworfenen Taten könne eine Höchststrafe von lebenslanger Haft stehen. Ob diese Strafe im konkreten Verfahren verhängt werden kann, hängt von der Anklage und der Entscheidung des zuständigen Gerichts in Kambodscha ab.
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