KHLONG LUANG, THAILAND – Der britische Banker und Whistleblower Simon Andriesz (57), der Epstein-Verbindungen des heutigen US-Handelsministers Howard Lutnick offengelegt hatte, ist tot. Er wurde am Morgen des 23. September in Khlong Luang nördlich von Bangkok gefunden – öffentlich bekannt wird der Fall erst jetzt. Die örtliche Gemeinde erfasste den Tod als Suizid. Seine Familie teilte mit, er habe sich das Leben genommen, Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es nicht.
Warum der Tod erst jetzt bekannt wird
Zwischen dem Fund am 23. September und den ersten breiten Berichten vergingen gut zwei Wochen. Die Familie bat ausdrücklich um Privatsphäre, vor allem für den Sohn.
Ins Rollen kam die Berichterstattung durch Fragen zum Umgang der britischen Finanzaufsicht FCA mit Andriesz. Seit Tagen wird in Großbritannien darüber diskutiert, ob die Behörde den Whistleblower ausreichend geschützt hat.
Familie spricht von riesiger Lücke
Die Angehörigen beschrieben Andriesz als geliebten Ehemann, Vater, Bruder, Sohn und Freund. Sein Tod hinterlasse eine enorme Lücke im Leben der Menschen, die ihm nahestanden. Zuletzt hatte er in Cornwall gelebt.
Andriesz habe ein ausgeprägtes Gespür für Recht und Unrecht gehabt und nicht wegsehen können, wenn er etwas für falsch hielt, erklärte die Familie. Das Engagement habe ihn viel gekostet. Er solle für Mut und Anliegen in Erinnerung bleiben, und Whistleblower sollen künftig besser behandelt werden. Für seinen Sohn bat sie um Mitgefühl und Privatsphäre.
Spendenaktion für den Sohn
Andriesz‘ Freund John Robertson hat auf GoFundMe eine Spendenaktion für Ausbildung, Wohlergehen und Zukunft des Sohnes gestartet. Das Ziel liegt bei 35.000 britischen Pfund.
Andy Agathangelou, Gründer der Kampagnengruppe Transparency Task Force, bestätigte den Tod und würdigte Andriesz als Whistleblower, der für das Richtige eingetreten sei. Der Finanzexperte Paul Callin sagte, Andriesz habe jahrelang mutig allein gekämpft.
Vom Wall-Street-Banker zum Whistleblower
Andriesz arbeitete mehr als drei Jahrzehnte in der Wertpapierbranche, zuletzt als Managing Director bei BGC Group, früher BGC Partners. Chef des Unternehmens war damals Howard Lutnick. 2017 wurde Andriesz entlassen.
BGC erklärt, er sei entlassen worden, weil er medizinischen Rat missachtet, wichtige Aufgaben abgelehnt und seine Rolle aufgegeben habe. Andriesz wandte sich später an das FBI und die britische Finanzaufsicht FCA. Nach eigenen Angaben erhielt er von einer US-Aufsichtsbehörde eine Prämie für seine Hinweise.
Die Spur zu Epstein und Lutnick
Nach der Veröffentlichung der Epstein-Akten durchsuchte Andriesz die Dokumente nicht nur nach „Lutnick“, sondern nach dessen Initialen „HWL“. Dabei stieß er auf E-Mails aus dem Jahr 2018, in denen Epstein und Lutnick über die Werbefirma Adfin sprachen, an der beide beteiligt waren.
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Andriesz übergab das Material vor Lutnicks Auftritt im Mai an den Kontrollausschuss des US-Repräsentantenhauses. Epstein war 2008 wegen des Anwerbens eines Kindes zur Prostitution verurteilt worden. Lutnick erklärte, er habe erst in diesem Jahr erfahren, dass Epstein in die Firma investiert hatte. Das US-Handelsministerium sieht keine Hinweise auf Fehlverhalten.
Geplantes Geschäft mit Ex-Prinz Andrew
Nach Angaben von Andriesz erwog eine von Lutnicks Firmen 2013 ein Geschäft mit Andrew Mountbatten-Windsor. Vorgesehen war ein Darlehen über eine Million Pfund, im Gegenzug sollten die Kontakte des früheren britischen Handelsgesandten kommerziell genutzt werden.
BGC bestätigte, dass es entsprechende Gespräche gegeben habe. Zustande kam das gemeinsame Geschäft jedoch nie.
BGC weist Vorwürfe zurück
Der FCA legte Andriesz zudem Vorwürfe über Missstände bei BGC vor. Unter anderem behauptete er, Gelder aus einem für Bonuszahlungen vorgesehenen Topf seien zweckentfremdet worden. Außerdem warf er seinem früheren Arbeitgeber und dessen Anwälten Vergeltung vor.
BGC bestreitet das und bezeichnete die Vorwürfe nach Untersuchungen in mehreren Ländern als kategorisch falsch und unbelegt. Die FCA sah für die Vergeltungsvorwürfe nicht genügend Beweise. Nach seinem Tod erklärte BGC, den Fall nicht neu aufrollen zu wollen, und sprach der Familie sein Beileid aus.
„Im Stich gelassen“ – Kritik wenige Wochen vor dem Tod
Am 14. Juli machte eine Rundfunk-Dokumentation den Fall öffentlich. Wenige Wochen vor seinem Tod trat Andriesz erstmals selbst bei einer Online-Veranstaltung der Transparency Task Force auf, an der auch Abgeordnete teilnahmen.
Dort sagte er, die Finanzaufsicht habe ihn nicht vor Vergeltung seines Arbeitgebers geschützt. Er sprach von Folgen für Karriere, finanzielle Sicherheit und Gesundheit und warf der Behörde vor, Hinweisgeber nicht ausreichend zu schützen.
Abgeordnete fordern unabhängige Untersuchung
Eine Gruppe britischer Abgeordneter verlangt eine unabhängige Untersuchung zum Umgang der FCA mit Whistleblowern. Der Tod von Andriesz werfe „zutiefst beunruhigende Fragen“ auf. Der Labour-Abgeordnete John McDonnell sprach von einer „tiefgreifenden und vermeidbaren Tragödie“.
Die FCA kündigte eine eigene Prüfung an. Lea Paterson, Mitglied des Aufsichtsgremiums und frühere Direktorin der Bank of England, soll die Kontakte der Behörde mit Andriesz untersuchen und Lehren daraus ziehen. Den Abgeordneten reicht das nicht: Sie fordern eine vollständig externe Untersuchung.
Nicht der erste Todesfall im Epstein-Umfeld
Der Fall Andriesz ist nicht der erste Suizid oder angebliche Suizid im Umfeld der Epstein-Affäre. Epstein selbst wurde im August 2019 tot in seiner Zelle in einem New Yorker Gefängnis gefunden, die Behörden stuften es als Suizid ein. Bis heute zweifeln viele diese Darstellung an.
Auch Virginia Giuffre, eine der bekanntesten Epstein-Anklägerinnen, starb im April 2025 in Australien, laut ihrer Familie durch Suizid. Im Fall Andriesz gibt es nach Angaben der Familie keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.
Stellungnahme der Polizei steht aus
Die lokale Gemeinde erfasste den Tod als Suizid. Eine ausführliche Stellungnahme der thailändischen Polizei steht noch aus. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
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Hinweis: Wenn Sie sich in einer Krise befinden oder an Suizid denken, erreichen Sie in Deutschland die Telefonseelsorge kostenlos unter 0800 111 0 111, in Thailand die Hotline des Gesundheitsministeriums unter 1323.

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