BANGKOK, Thailand – Die Oppositionsabgeordnete Rakchanok Srinok hat eine Korruptionsprüfung zum 1,621 Milliarden Baht teuren TH-AI Passport verlangt. Sie wirft Digitalminister Chaiyanok Chidchob und ranghohen Beamten mögliche Unregelmäßigkeiten bei Ausschreibung, Werbevorgaben und Zahlungsbedingungen vor. Zugleich sorgen 1,36 Millionen Registrierungen, aber nur 101.764 frühe Nutzer für neue Fragen zum Nutzen des Projekts.
Beschwerde zielt auf Ausschreibung und mögliche Zahlungen
Rakchanok reichte am Dienstag bei der Nationalen Antikorruptionskommission in Bangkok eine Beschwerde ein. Gemeinsam mit Theerachart Kaotrakul, einem Berater des parlamentarischen Haushaltskontrollausschusses, übergab sie Akten und Belege zum TH-AI Passport.
Die Beschwerde richtet sich gegen Minister Chaiyanok, den ständigen Sekretär des Ministeriums, den Generalsekretär der Nationalen Kommission für digitale Wirtschaft und Gesellschaft sowie den Vorsitzenden des Ausschusses zur Erstellung der Ausschreibungsbedingungen. Auch Personen mit Verbindungen zur Human Intelligent Company werden genannt.
Werbevorgaben könnten Wettbewerb begrenzt haben
Ein Kernpunkt sind die Vorgaben für das Unternehmen, das den Auftrag erhalten sollte. Es musste Zugang zu mindestens 400 Werbetafeln im ganzen Land, 6.000 Bildschirmen in 1.500 Filialen von Convenience-Läden und 200 Bildschirmen in Einkaufszentren nachweisen.
Rakchanok hält diese Kombination für so umfangreich, dass nur wenige Unternehmen sie erfüllen konnten. Die Antikorruptionskommission soll prüfen, ob die Bedingungen den Wettbewerb bei der Ausschreibung eingeschränkt haben.
Rakchanok stellt Verbindungen zwischen Unternehmen infrage
Die Abgeordnete stellte auch die Beziehung zwischen Human Intelligent Company und einem weiteren Unternehmen infrage, das landesweit Werbebildschirme kontrolliert. Nach ihren Angaben haben beide Firmen denselben wirtschaftlich letztberechtigten Eigentümer und waren am selben Ort registriert.
Die People’s Party hatte diese Verbindung nach ihren Angaben mehrfach beim Ministerium angesprochen. Rakchanok wirft den Behörden vor, nicht reagiert zu haben. Die Kommission hat ihre Vorwürfe bisher nicht bestätigt.
Ursprünglicher Vertrag sah Pauschalzahlung vor
Auch die erste Zahlungsregelung steht im Mittelpunkt der Beschwerde. Nach dem ursprünglichen Plan hätte der Auftragnehmer eine Pauschalsumme erhalten können, unabhängig von der tatsächlichen Nutzung.
Rakchanok sagte, theoretisch hätte bereits ein einziger registrierter Nutzer eine Zahlung von rund 1,6 Milliarden Baht auslösen können. Später wurde das Modell auf eine nutzungsabhängige Bezahlung umgestellt. Sie verlangt trotzdem eine Prüfung des ursprünglichen Plans, seiner Urheber und des Zeitpunkts der Vertragsänderung.
Wenige Nutzer nach dem Start
Das TH-AI Passport nahm am 31. August um 9 Uhr den Betrieb auf. Das staatlich unterstützte Portal bietet Zugang zu mehr als 30 internationalen KI-Modellen und 96 Schulungskursen.
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Bis Montagnachmittag hatten sich 1.366.217 Menschen registriert. Innerhalb der ersten viereinhalb Stunden nutzten jedoch nur 101.764 Personen den Dienst. Rakchanok sieht darin Fragen zur Nachfrage und zum Gegenwert der öffentlichen Ausgaben.
Auslandsabhängigkeit sorgt für weitere Fragen
Vor dem Start gab es nach Angaben der People’s Party bereits Fragen zur Ausschreibung, zu technischen Grenzen, zur Verarbeitung von Daten im Ausland und zur Abhängigkeit von ausländischen KI-Anbietern. Ministerpräsident Anutin Charnvirakul hatte das Projekt bei der Vorstellung als gutes Vorhaben bezeichnet und Chaiyanok für die Vorarbeiten gelobt.
Am selben Tag kam es bei ChatGPT zu einem weltweiten Ausfall von rund fünf Stunden. Die Störung begann in Thailand gegen 22.04 Uhr und stand nicht mit dem TH-AI Passport in Verbindung. Sie zeigte nach Darstellung des Berichts jedoch, dass leistungsfähige ausländische Systeme außerhalb der Kontrolle Bangkoks liegen.
Rakchanok fordert neuen Start und strafrechtliche Folgen
Rakchanok verlangt, das Projekt zu stoppen und die Ausschreibung neu aufzusetzen. Die Bedingungen müssten so formuliert werden, dass alle geeigneten Unternehmen teilnehmen und miteinander konkurrieren können.
Eine sofortige Aufhebung hält sie derzeit wahrscheinlich für nicht möglich. Sollten Ermittler ein Fehlverhalten feststellen, fordert sie jedoch strafrechtliche Konsequenzen bis hin zu Haftstrafen.
Sie erklärte außerdem, dass noch umfangreiche Belege für eine Misstrauensdebatte zurückgehalten würden.
Parlamentsausschuss wartet auf wichtige Unterlagen
Der Haushaltskontrollausschuss hatte Dutzende Dokumente beim Ministerium angefordert, erhielt aber nur neun. Etwa die Hälfte davon war bereits öffentlich zugänglich. Weiter fehlen technische Angebote der konkurrierenden Unternehmen und die neuesten Vertragsanhänge.
Diese Unterlagen könnten zeigen, wie Zahlungsbedingungen und andere Vertragsregeln geändert wurden. Der Ausschuss will seine gesetzlichen Befugnisse nutzen und verlangt die fehlenden Dokumente bis zum 8. September. Am 10. September soll die Prüfung des TH-AI Passport fortgesetzt werden.
Minister weist Vorwürfe zurück
Chaiyanok erklärte bei einem Besuch auf dem Campus der Prince of Songkla University in Hat Yai, er habe keine Gesetze verletzt. Sollte ein Verfahren eine Stellungnahme von ihm verlangen, werde er vollständig mitarbeiten und alle Fragen wahrheitsgemäß beantworten.
Zu den einzelnen Vorwürfen bei Ausschreibung und Vertragsgestaltung äußerte er sich nicht ausführlich. Er sagte außerdem, er wisse nichts von möglichen Klagen des ständigen Sekretärs gegen Rakchanok. Die Opposition müsse die Arbeit der Regierung kontrollieren, während Beamte innerhalb des gesetzlichen Rahmens handeln müssten.
Minister verteidigt kostenpflichtige Plattform
Chaiyanok wies Vergleiche mit kostenlosen KI-Diensten zurück. Diese hätten über längere Zeit Informationen über Nutzer und deren Gewohnheiten gesammelt, während TH-AI Passport keine Daten aus früher genutzten Diensten übernehme. Deshalb seien erste Antworten weniger stark auf einzelne Nutzer zugeschnitten.
Technisch seien die Modelle dadurch nicht schlechter, sagte der Minister. Kostenpflichtige Angebote böten mehr Kapazität, während kostenlose Pakete bei Token und Zahl der Fragen begrenzt seien. Eine zweite Projektphase wird im Ministerium erwogen, falls sich die bestehende Plattform als erfolgreich erweist. Rakchanok lehnt sie wegen der bisher niedrigen Nutzung ab. Der Ausschuss muss nun die fehlenden Unterlagen prüfen, während die Antikorruptionskommission über das weitere Vorgehen entscheidet.
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