Koh Phi Phi hat Stefan Chang das erste Mal 2004 erwischt. Er war jung, er hatte kaum Geld, und er schlief in einer Bambushütte für 100 Baht die Nacht. Jetzt ist er zurückgekommen – 22 Jahre später – und hat das Video gemacht, das viele Thailand-Fans gerade anschauen. Was er vorfindet, ist nicht das Ende der Welt. Aber es ist auch nicht mehr das, was er kannte.
Der YouTube-Kanal Stefan Chang hat die Rückkehr dokumentiert. Wir haben uns das Video angeschaut – und uns gefragt, was davon für alle gilt, die Koh Phi Phi noch aus einer anderen Zeit kennen. Oder die das erste Mal hinfahren und wissen wollen, was sie erwartet.
Koh Phi Phi 2026: Was von der alten Insel geblieben ist
Die Aussicht ist noch da. Das Wasser ist noch blau. Die Felsen sehen noch aus wie auf jedem Foto, das je von Koh Phi Phi gemacht wurde. Was sich verändert hat, ist alles drumherum. Der Weg zum Viewpoint – früher ein sandiger Trampelpfad, barfuß, kostenlos, Bier in der Hand – kostet heute Eintritt. Chang bezahlte laut seinem Video 50 Baht. Entlang des Weges: Restaurants, Tattoo-Studios, Massagesalons. Kommerz, soweit das Auge reicht.
Wer Koh Phi Phi nur aus den letzten Jahren kennt, zuckt bei dieser Beschreibung mit den Schultern. Für wen die Insel aber mit einem Gefühl verbunden ist – einem bestimmten Nachmittag, einer bestimmten Bar, einer bestimmten Version von sich selbst –, der merkt beim Zuschauen: Das gibt es nicht mehr. Es war so nie für die Ewigkeit gedacht. Aber es war trotzdem da.
Der Tsunami als Nullpunkt der Kommerzialisierung
Am 26. Dezember 2004 trafen die Wellen des Indischen Ozeans Koh Phi Phi mit voller Wucht. Sechs Meter hoch, aus zwei Richtungen gleichzeitig. Die Insel, aufgebaut auf einer schmalen Landzunge, wurde fast vollständig überflutet. Nahezu die gesamte Tourismusinfrastruktur war danach weg. Chang wohnte damals im Maphra Resort – einfache Bambushütten direkt am Strand. Das Resort existiert heute nicht mehr. Was er beim Durchstreifen der Insel findet, ist hinter einer Bambuswand versteckt: die eingefallene Rezeption, überwachsen, still.
Beim Wiederaufbau nach dem Tsunami entschied man sich nicht für das alte Koh Phi Phi. Man baute etwas Neues – größer, teurer, lauter. Betonsstraßen mit Abflüssen statt Feldwegen. Hotels statt Hütten. Wo früher drei kleine Strandbars waren, stehen heute Cafés, Souveniershops und Angebote für Botox und künstliche Wimpern. Das ist keine Übertreibung – Chang zeigt es im Video, Schild für Schild.
100 Baht pro Nacht – und was das heute bedeutet
2004 teilte Chang sich eine Bambushütte für 100 Baht die Nacht. Pro Person also etwa einen Euro. Heute ist Koh Phi Phi eine der teuersten Inseln Thailands. Wer unter 100 Euro pro Nacht sucht, muss lange suchen – und bekommt dafür keine authentische Bambushütte, sondern ein klimatisiertes Design-Resort, das mit Bambus-Optik wirbt. Der Unterschied zwischen dem, was damals war, und dem, was heute als Reminiszenz verkauft wird, ist der Unterschied zwischen einem alten Brief und einer Replik davon.
Das trifft nicht nur Nostalgiker. Es trifft auch jeden, der heute zum ersten Mal nach Koh Phi Phi fährt und sich fragt, warum er das Gefühl nicht kriegt, das alle Leute beschreiben. Das Gefühl ist noch möglich – aber es kostet mehr, dauert länger, und man muss wissen, wo man sucht.
Koh Phi Phi in der Hauptsaison 2026: Weniger los als erwartet
Was Chang auf dem Rückweg zum Pier auffällt: Es ist Hauptsaison, aber die Insel ist nicht voll. Restaurants mit leeren Auslagen, weil die Lebensmittel sonst verderben würden. Ein Händler erklärt ihm, dass die globale Lage – eingeschränkter Flugverkehr, wirtschaftliche Unsicherheit – den Tourismus 2026 auf ein Niveau gedrückt hat, das sich eher nach Nebensaison anfühlt. Die Infrastruktur ist auf Masse ausgelegt. Die Masse fehlt gerade.
Für Reisende, die jetzt fahren, ist das kein schlechtes Zeichen. Wer Koh Phi Phi kennt, wenn die Speedboote sich stapeln und die Wege zum Viewpoint sich stauen, der weiß: Eine ruhige Hochsaison auf Phi Phi ist keine Qual. Sie ist eine seltene Gelegenheit. Mehr News aus Krabi und dem Süden Thailands lesen Sie hier bei Wochenblitz.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Was das Video über Thailand erzählt – und nicht nur über Koh Phi Phi
Stefan Chang macht am Ende seines Videos eine Bemerkung, die über die Insel hinausgeht: Was wir heute als verloren empfinden, wird in zwanzig Jahren als die gute alte Zeit gelten. Das klingt nach Floskel, ist aber strukturell richtig. Thailand verändert sich schnell, gleichförmig und oft ohne Rücksicht auf das, was vorher da war. Koh Phi Phi ist dafür das klarste Beispiel – aber Phuket, Koh Samui, Teile von Chiang Mai folgen demselben Muster. Wie viel davon Realität ist und wie viel Projektion, haben wir in einem eigenen Artikel analysiert.
Changs Stärke ist, dass er das nicht als Anklage formuliert. Er beschreibt, was er sieht. Er sucht nach dem, was geblieben ist. Und er findet es – hinter einer Bambuswand, in einem eingestürzten Fundament, im Blick von oben über die Bucht. Die Insel ist nicht weg. Sie ist nur eine andere geworden.
Das Video ansehen
Den vollständigen Bericht von Stefan Chang über seine Rückkehr nach Koh Phi Phi – mit Originalaufnahmen vom Viewpoint-Weg, den Überresten des Maphra Resorts und der ungewohnt ruhigen Hauptstraße – finden Sie hier:



Ich war im März 2004 erstmals in Thailand (Bangkok, Phuket, Similan), also ebenfalls noch vor dem Tsunami. Das war ein ganz anderes Thailand als heute. Keine tätowierten Touristen, keine Kiffer und keine Expats die ihren Durst mit Bier löschten – also keine Alkoholiker. Es gab auch keine übergewichtigen Thais und ich fragte mich: wie ist das möglich? Ich sah die Thais fast ständig beim Essen und sie waren gertenschlank! Das Thailand von 2004 hat nach 22 Jahren nur noch wenig mit dem Thailand von damals zu tun. Der Tourismus hat das Land sehr stark verändert. Die Aufmerksamkeit und unverfälschte Freundlichkeit der Thais gibt es heute im Allgemeinen so nicht mehr. Das allgegenwärtige unverfälschte Lachen der Einheimischen ist heute eher einem Lächeln gewichen. Trotz der einst bescheidenen Lebensumstände waren die Thais offenbar zufriedener. Klar eine Zeitspanne von 22 Jahren ist sehr lang, das entspricht einer ganzen Generation. Was in meiner Generation noch eine Ausnahme war, ist in der Generation meiner Enkelkinder fast zur Normalität geworden. Wer war zum Beispiel in meiner Generation tätowiert? Das waren Motorradgangs, Hooligans, Gefängnisinsassen, etc. Heute ist für nicht wenige ein Tattoo so etwas wie ein persönliches Mitbringsel aus dem Urlaub. So ändern sich die Zeiten. Aber nicht nur in Thailand, sondern in allen Ländern in Südostasien die ich bisher bereiste – Indonesien, Philippinen, Malaysia, Singapur, Sri Lanka und Vietnam – sind die Veränderungen unübersehbar. Am drastischsten auf Bali: was man auf Nusa Penida – gehört zur Insel Bali – der Natur antut, verursachte bei mir physische und psychische Symptome. Ja, zu sehen wie die Natur durch den Tourismus sukzessive zerstört wird, tut mir weh. So rücksichtslos wie derzeit auf Nusa Penida, das ist wohl beispiellos. Aber auch in Vietnam – wo ich mich momentan aufhalte – hinterlässt der zunehmende Tourismus seine Spuren. Auf einer der schönsten Inseln, die unser Planet zu bieten hat, wurde der schöne Hafen zugeschüttet und in eine riesige Baustelle verwandelt. Zukünftig entstehen hier in dem aufgeschütteten Areal Luxusressorts mit Tennisplatz, Swimmingpools, etc. Trotzdem bin ich sehr dankbar in Südostasien mit meiner Homebase in Thailand Asyl gefunden zu haben und nicht mehr in Deutschland leben zu müssen. Das Positive überwiegt bei weitem. Auch wenn die Natur den Profitinteressen der Investoren untergeordnet wird wie überall auf der Welt.