„Mein Leben fühlt sich wie ein Traum an“ – Schweizer Expat in Chiang Mai

Urs M. lebt seit fünf Jahren mit seiner Thai-Frau Ploy und den Kindern nahe Chiang Mai. Ein Leserbrief, der vom Alltag erzählt – und warum er nicht zurückmöchte.

„Mein Leben fühlt sich wie ein Traum an" – Schweizer Expat in Chiang Mai
KI generiertes Symbolbild

Wir haben einen sehr lieben Leserbrief bekommen – von Urs M., 65 Jahre alt, Schweizer, seit fünf Jahren in Nordthailand zu Hause. Er lebt nahe Chiang Mai, zusammen mit seiner Frau Ploy und den Kindern, in einem Haus mit Garten, Koi-Teich und Solaranlage auf dem Dach. Urs hat uns seinen Alltag geschildert – so wie er ist: kein Auswanderer-Märchen, kein Hochglanzprospekt. Eine Geschichte aus dem echten Leben. Wir geben sie weiter, so nah an seinen eigenen Worten wie möglich.

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Der erste Kaffee gehört der Stille

Manche Tage beginnen ruhig, schreibt Urs. Kaffee auf der Terrasse, Sonnenaufgang über den Reisfeldern, Vögel, die zwitschern. Andere Tage starten hektisch: Kinder, die nicht anziehen wollen, Ploy, die gleichzeitig drei Dinge erledigt, und irgendwo ein Termin, der sich verschoben hat. Urs hat gelernt, beides zu nehmen. „Thailand lehrt mich, dass Pläne gut sind – aber oft angepasst werden müssen.“

Genau diese Mischung, sagt er, macht den Reiz aus. Nicht die große Freiheit, nicht das ewige Urlaubsgefühl – sondern der Alltag selbst, mit seiner Unberechenbarkeit und seinen kleinen Momenten. „Jeder Tag bringt kleine Herausforderungen. Aber das Positive überwiegt: der erste Kaffee, die Naturgeräusche, das Lachen der Kinder.“

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Ploy – Partnerin, Energiebündel, Anker

Ohne Ploy würde vieles nicht funktionieren – das sagt Urs ohne Umschweife. Sie managt Haus, Kinder, Einkäufe und Termine, und das mit einer Gelassenheit, die ihm nach fünf Jahren noch immer Respekt abnötigt. Urs hilft, wo er kann: Frühstück vorbereiten, Kinder wecken, Einkäufe erledigen. Trotzdem merkt er den Unterschied. „Meine Schweizer Effizienz trifft auf ihre thailändische Gelassenheit. Es ist ein ständiges Ausbalancieren, das Geduld und Humor erfordert – aber auch Freude macht.“

Ploy sei Partnerin, Freundin und Beraterin in einem, schreibt er. Sie lachen, diskutieren, planen und lernen voneinander. „Die Kombination aus Schweizer Struktur und thailändischer Lebensfreude ist nicht immer einfach, bereichert unser Leben jedoch immens.“ Das klingt wie eine Formel – aber bei Urs liest es sich wie eine ehrliche Bestandsaufnahme nach fünf Jahren gemeinsamen Alltags.

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Zwischen Schulbus, Reisfeld und Wasserbüffel

Morgens begleitet Urs seine jüngste Tochter in den Kindergarten. Auf dem Weg dorthin schauen die beiden Handwerkern bei der Arbeit zu, bestaunen Wasserbüffel am Feldrand, bleiben an kleinen Straßenständen stehen. „Solche alltäglichen Erlebnisse machen das Leben bunt und bereichern unser Familienleben ungemein“, schreibt Urs. Das ältere Kind, vierzehn Jahre alt und aus einer früheren Ehe, pendelt noch zwischen der Schweiz und Thailand.

Die Kinder wachsen zweisprachig auf, kennen Tempel und Traditionen, lernen spielerisch, was Geduld und Aufmerksamkeit bedeuten. Urs sieht, wie sie wachsen, die Welt erkunden, neugierig bleiben. „Ich bin stolz, ihnen diese Umgebung bieten zu können.“ Nachmittags holt er die Kleine wieder ab. Kein großes Programm – und doch einer der Momente, auf die er sich jeden Tag freut.

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Der Markt und die besten Mangos der Gegend

Die ersten Wochen in Thailand waren ein Kulturschock. Hitze, Straßenverkehr, fremde Gerüche – alles neu, alles überwältigend. Beim ersten Marktbesuch, erinnert sich Urs, kämpfte er sich durch das Gewusel, während Ploy herzlich lachte. Heute kennt er die Verkäufer beim Namen, weiß, wo es die besten Mangos und Drachenfrüchte gibt, wo der frischeste Fisch liegt. „Die Kinder haben ihre Lieblingsstände längst entdeckt.“

Einkaufen ist für Urs noch immer ein kleines Abenteuer – aber eines, das er inzwischen genießt. Preise vergleichen, Qualität prüfen, gelegentlich verhandeln. Ploy zeigt ihm Spezialitäten, die er in der Schweiz nie probiert hätte. „Auch die Kinder lernen dabei spielerisch: Geduld, Aufmerksamkeit und ein Gefühl für Werte zu entwickeln.“ Märkte, sagt er, seien für seine Familie mehr als Einkaufsorte – sie seien Begegnungsorte.

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Im Dorf angekommen

Integration ins Dorfleben war Urs und Ploy von Anfang an wichtig. Sie nehmen an Festen teil, helfen bei Gemeinschaftsprojekten, kennen die Nachbarn. Daraus sind echte Bindungen entstanden – keine touristischen Bekanntschaften, sondern Nachbarschaften, die tragen. „Dadurch entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit, das den Alltag erleichtert“, schreibt Urs.

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Besonders für die Kinder sei das ein Geschenk, findet er. Sie wachsen offen auf, kennen Traditionen und Neues gleichzeitig, sind nicht in einer Blase aus Expats und Internationalschulen aufgewachsen, sondern mitten im Dorf. „Ich sehe, wie sie wachsen und neugierig die Welt erkunden, während wir ihnen gleichzeitig Schutz bieten. Es ist ein täglicher Balanceakt zwischen Freiheit und Sicherheit.“

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Finanzen: Solide, aber kein Selbstläufer

Die Altersvergütung aus der Schweiz sei solide, schreibt Urs – aber wer denkt, damit laufe alles von allein, irrt sich. Lebenshaltungskosten, Versicherungen, Strom, Wasser, Internet, Lebensmittel, kleinere Reparaturen: Das summiert sich. Ploy und er planen gemeinsam, legen Rücklagen an, kalkulieren größere Ausgaben im Voraus. „Wir wollen finanziell auf der sicheren Seite bleiben.“ Das Haus, das Auto und die Solaranlage sind abbezahlt – das verschafft Luft.

Unvorhergesehenes kommt trotzdem. Eine Reparatur hier, eine Anschaffung da, ein Arzttermin, der teurer wird als gedacht. Urs überprüft regelmäßig die Konten, bespricht alles mit Ploy. „Gleichzeitig genießen wir das Leben: kleine Ausflüge, Freizeit, Kaffee mit Nachbarn. Thailand lehrt, dass man klug handeln sollte, ohne das Leben zu blockieren.“ Finanzielle Disziplin, sagt er, sei kein Verzicht – sie sei die Voraussetzung dafür, dass das alles hier funktioniert.

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Krankenversicherung und die Frage der Absicherung

Krankenversicherung war anfangs ein Rätsel, gibt Urs offen zu. Thailand bietet öffentliche, private und gemischte Optionen – und wer neu im Land ist, verliert schnell den Überblick. Die Familie entschied sich für eine private Versicherung, die Routine- und Notfallbehandlungen abdeckt, ergänzt durch eine Zahnzusatzversicherung. Die Beiträge seien hoch, sagt Urs – aber die Sicherheit, im Notfall schnell behandelt zu werden, sei es wert.

„Gerade im Alter beruhigt es, zu wissen, dass medizinische Hilfe sofort verfügbar ist.“ Das ist ein Satz, den viele Expats in Thailand unterschreiben würden. Wer erst im Ernstfall merkt, dass die Absicherung lückenhaft war, zahlt doppelt – in Geld und Nerven. Urs hat das früh geregelt und ist froh darüber.

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Haus, Garten, Koi-Fische – das Herzensprojekt

Das Haus ist Urs‘ ganzer Stolz. Auf dem Dach liefert eine Solaranlage ausreichend Strom – sie will gepflegt sein: Module reinigen, Batterien kontrollieren, kleinere Reparaturen erledigen. Im Garten gibt es Kräuterbeete, Obstbäume, einen kleinen Gemüsegarten und einen Teich mit Koi-Fischen. „Besonders an sonnigen Tagen empfinde ich diese Projekte als bereichernd“, schreibt er. Ploy und er arbeiten dabei oft zusammen.

Abends sitzen die beiden auf der Terrasse, hören die Nachtgeräusche, blicken auf die Berge und den Teich. „Alles wirkt friedlich“, schreibt Urs. Und dann: „Ich denke an mein Leben in der Schweiz und merke, dass wir hier etwas Besonderes aufgebaut haben: Natur, Familie, Freiheit.“ Das klingt groß. Aber wer seinen Brief liest, glaubt ihm, dass er es schlicht so meint.

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Ausflüge, Tempel, Hügel

Stillstand ist nicht Urs‘ Ding. Die Familie unternimmt regelmäßig Ausflüge: Wandern in den Hügeln rund um Chiang Mai, Tempelbesuche, Märkte in der Stadt. Die Kinder lieben es, Neues zu entdecken. Urs liebt es, sie dabei zu beobachten. „Ich sehe, wie sie wachsen und neugierig die Welt erkunden.“ Chiang Mai bietet dafür eine gute Kulisse – kulturell reich, landschaftlich schön, für eine Familie mit Kindern gut zu händeln.

Technik ist dabei manchmal eine Herausforderung, gibt Urs schmunzelnd zu. Das Internet schwankt, Geräte fallen aus, Anschaffungen kosten Zeit und Geld. „Geduld ist notwendig.“ Aber Technik halte eben auch den Kontakt zur Schweiz aufrecht – Familie erreichen, Rechnungen bezahlen, Informationen einholen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Ein Ausgleich, mit dem Urs gut leben kann.

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Was Thailand wirklich lehrt

Thailand hat Urs nicht verändert – aber es hat ihm etwas beigebracht, das er in der Schweiz nie so gelernt hätte. Loslassen. Flexibel bleiben. Die Schönheit im Kleinen entdecken. „Sonnenaufgang über Reisfeldern, Kinderlachen, ein freundlicher Nachbar – Momente, die unbezahlbar sind.“ Ordnung, Präzision, Verlässlichkeit – das kennt er aus der Schweiz. Hier ist vieles anders. Und das ist, nach fünf Jahren, kein Mangel mehr. Es ist einfach ein anderes Leben.

„Mein Leben in Thailand fühlt sich manchmal wie ein Traum an“, schreibt Urs am Ende seines Briefes. Wer seine Geschichte liest – den Schulbus, den Koi-Teich, den Kaffee im Morgengrauen, Ploys Lachen auf dem Markt – versteht, warum. Es ist kein Traum aus dem Reisekatalog. Es ist einer, den er sich selbst gebaut hat. Stein für Stein, Tag für Tag, zusammen mit Ploy und den Kindern.


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6 Kommentare zu „„Mein Leben fühlt sich wie ein Traum an“ – Schweizer Expat in Chiang Mai“

  1. Ob er sich in 30 Jahren immer noch im Traum wälzt oder wie seine Lunge bis dahin aussieht,daß wird sich herausstellen!

    1. Antwort auf: Michael

      Der Scheffmiesepeter muss wieder meckern, war schon klar. Aber ob der Urs sich mit 95 Sorgen um den Zustand seiner Lunge macht, mag ich zu bezweifeln. Übrigens raucht es auch nicht überall in der Umgebung von Chiang Mai und vor allem nicht das ganze Jahr.

  2. Herzlichen Glückwunsch, Urs! Gratulation an einen, der das Rentnerleben im Rentnerparadies Thailand voll genießt – im Gegensatz zu den Dauer-Nörgelis und Thailand-Kritikern. Du hast dir zusammen mit deiner Familie ein wunderbares Leben aufgebaut, mit genau der richtigen Mischung aus Schweizer Struktur, Garten, Koi-Teich und familiärer Harmonie!
    ​Und was den lieben Michael angeht: Es ist schon köstlich, wenn ausgerechnet jemand aus Pattaya meint, moralische oder gesundheitliche Zeigefinger schwenken zu müssen. Wer mitten im Beton- und Neonlicht-Dschungel sitzt, sorgt sich offensichtlich lieber um die Luftwerte in Nordthailand im Jahr 2056, als vor der eigenen Haustür zu kehren. Während Michael also in Pattaya sitzt, Frust-Kommentare tippt und düstere Zukunftsszenarien beschwört, genießt Urs einfach entspannt seinen Kaffee auf der Terrasse. Weiterhin alles Gute und viele erfüllte Jahre in Chiang Mai!

  3. Alles richtig gemacht. Aber der Lebensstandard wie geschildert ist doch recht hoch. Mit einer Schweizer Pension wohl möglich, ich gönne es der Familie aufrichtig.
    Mit einer deutschen Durchschnittsrente bleibt es wohl bei einer kleinen Chicken- und Pigfarm.
    Kann auch genügen, aber um einiges schwieriger, denke ich…..

  4. Super schön, Gratuliere. Aus meiner entfernten Verwandtschaft habe ich jemanden der schon über 30 Jahre dort Zuhause ist und auch verheiratet ist. Vom Arzt damals Krank und IV Geschrieben mit noch wenigen Jahren zu leben ist er mit seiner Thaifrau zurück zu Ihrer Wurzeln gegangen. Heute nach über 30 Jahren lebt er immernoch recht gut.
    Seit 5 Jahren ist nun auch sein jüngster Bruder zu Ihm gereist.

Kommentare sind geschlossen.

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