Opel-Werk in Thailand: Europas Steuergeld baut Chinas E-Autos

Ein Opel-Werk in Rayong, gefördert mit europäischen Steuergeldern, produziert heute E-Autos für einen chinesischen Hersteller. Was Europa in Südostasien versäumt hat – und warum es fast zu spät ist.

Opel-Werk in Thailand: Europas Steuergeld baut Chinas E-Autos
KI-generiertes Symbolbild

Ein Werk in der thailändischen Provinz Rayong steht für alles, was Europa in Südostasien falsch gemacht hat. Gebaut mit Milliardenunterstützung, sollte es einst Opel-Modelle vom Band rollen lassen – heute produziert dort ein chinesischer Elektroautohersteller. Was wie eine Randnotiz klingt, ist in Wahrheit symptomatisch: Europa hat Südostasien jahrzehntelang schlicht nicht ernst genommen. Jetzt zahlt es den Preis.

China hat den Wettbewerb um Elektromobilität, Solarenergie und Batteriespeicher gegen Europa längst gewonnen – und ist dabei, auch bei der Wärmepumpe aufzuholen. Doch das Reich der Mitte wartet nicht auf eine europäische Reaktion. Es baut in Südostasien vollständige Wertschöpfungsketten auf, die Europa schlicht nicht mehr brauchen.

Das Werk, das nie Opel wurde

1996 ließ General Motors im Eastern Seaboard Industrial Estate von Rayong ein Werk hochziehen – modelliert nach dem GM-Werk in Eisenach, gefördert auch mit deutschem Steuergeld. Produziert wurden dort nie Opel-Modelle, sondern Chevrolet Zafira, Colorado, Trailblazer. Die Marke Opel verschwand vom thailändischen Markt schon 2003. Im Februar 2020 gab GM dann auf – und der chinesische Hersteller Great Wall Motor übernahm das Werk noch im selben Jahr.

Heute läuft dort der ORA Good Cat vom Band, ein reinrassiges Elektroauto. Great Wall Motor war damit der erste chinesische Autobauer, der in Thailand sämtliche Varianten der neuen Antriebe – Hybrid, Plug-in-Hybrid und Batterie-Elektro – lokal produziert. Ein mit europäischen Mitteln subventionierter Industriestandort treibt also heute Chinas Expansion in Südostasien an. Treffender lässt sich das Versagen kaum auf den Punkt bringen.

Festplatten, Fahrräder, Feldplatten – Europa schaut weg

Die Ignoranz gegenüber Südostasien hat eine lange Geschichte. Über Jahrzehnte galten Länder wie Thailand, Vietnam oder die Philippinen für deutsche Unternehmen höchstens als günstige Urlaubsziele oder billige Werkbank. Kaum jemand registrierte, dass fast alle Festplatten bekannter Marken schon lange aus Thailand oder den Philippinen kommen. Das IBM-Werk in Mainz wurde 2003 geschlossen, der Bereich wanderte über Hitachi zu Western Digital – und produziert heute in Rayong.

Die Nachfrage der KI-Rechenzentren nach Festplattenkapazität geht damit vollständig an Europa vorbei. Gleiches gilt für Fahrräder: Längst produzieren zahlreiche Marken in Kambodscha, ohne dass das in Deutschland jemanden aufgeregt hätte. Europa hat Südostasien schlicht als verlängerte Werkbank betrachtet – als Nachfolger Chinas für Billigproduktion, nicht als eigenständigen Markt der Zukunft. Genau denselben Fehler macht man nun erneut.

Chinesische E-Autos fressen Toyotas Marktanteil

Thailand steht an zehnter Stelle der weltweiten Automobilproduktion. Lange dominierten japanische Hersteller mit über 90 Prozent des Marktes. Das kippt gerade. Laut der Federation of Thai Industries wurden allein im Januar 2026 knapp 32.000 E-Autos verkauft – viermal mehr als im Vorjahresmonat, dreimal mehr als Verbrenner-Pkw. Im ersten Quartal 2026 waren über die Hälfte aller Neuzulassungen elektrifiziert – Batterie-Elektro oder Hybrid. Auf chinesische Hersteller entfallen dabei über 90 Prozent der reinen E-Auto-Verkäufe.

Der IEA Global EV Outlook 2026 bestätigt das Bild für ganz Südostasien: Die jährlichen E-Auto-Verkäufe in der Region haben sich 2025 mehr als verdoppelt, der Marktanteil stieg auf knapp 20 Prozent. Thailand kam dabei auf rund ein Viertel aller Neuzulassungen, Vietnam auf noch mehr. Das ist in etwa das Niveau, das Europa hält – nur dass die dortigen E-Autos fast ausschließlich aus China kommen, nicht aus Wolfsburg oder Rüsselsheim.

Vietnam schlägt Europa, Thailand holt auf

In Vietnam hat sich der Markt noch schneller gedreht. Im ersten Quartal 2026 erreichte der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge 42,8 Prozent – der höchste Wert unter allen ASEAN-Staaten. Angetrieben wird das von VinFast, dem einheimischen Hersteller, der mit einem Marktanteil von über 42 Prozent inzwischen unangefochten die Nummer eins im vietnamesischen Automarkt ist. Vietnam hat damit etwas geschafft, woran Deutschland noch arbeitet: einen funktionierenden eigenen Elektroautohersteller aufgebaut – und zwar in einem Bruchteil der Zeit.

Die IEA prognostiziert für Südostasien, dass der E-Anteil bis 2035 auf bis zu 60 Prozent steigen könnte – getragen durch günstige Preisentwicklung und politische Rahmenbedingungen. Mehrere Länder, darunter Vietnam, haben bereits angekündigt, ihre Förderung als direkte Reaktion auf den Nahost-Konflikt und die dadurch gestiegenen Ölpreise auszubauen. Die Energiekrise treibt die E-Mobilität in Asien schneller voran als jede Regulierung es gekonnt hätte.

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ACFTA 3.0: China setzt die Spielregeln

Im Oktober 2025 unterzeichneten China und die zehn ASEAN-Staaten auf einem Gipfel in Kuala Lumpur die Version 3.0 ihres Freihandelsabkommens. Verhandlungen waren schon im Mai 2025 abgeschlossen worden. Das Abkommen deckt jetzt neben klassischen Zollfragen auch digitale Wirtschaft, grüne Industrie, Lieferketten-Standards und technische Vorschriften ab – genau die Bereiche, in denen die EU bisher ihre Führungsrolle sah.

Chinas Premier Li Qiang brachte es beim Gipfel auf den Punkt: Enger Zusammenhalt in der Region könne globale Unsicherheiten überwinden. Die Botschaft an Washington und Brüssel war unüberhörbar. Das bilaterale Handelsvolumen zwischen China und ASEAN beträgt bereits 771 Milliarden US-Dollar pro Jahr. China ist längst der wichtigste Handelspartner der Region – weit vor der EU. Mit ACFTA 3.0 wird dieser Vorsprung in Regeln gegossen, die Europa nicht mitgeschrieben hat.

Was Europa noch hat – und wie schnell es weg sein kann

Beim Angebot an E-Autos in Thailand listet der Verband EVAT 85 vollelektrische Modelle: 48 kommen aus China, 18 aus Deutschland. Auf dem Papier klingt das solide. In der Praxis gehen über 90 Prozent der Verkäufe an chinesische Modelle. In Bangkok hört man mittlerweile, dass ein deutsches Produkt zum gleichen Preis schlechter sein müsse – weil die Kosten in Deutschland so viel höher seien. Ein Imageproblem, das kein neues Modell löst.

Beim Thema Wärmepumpe hält Europa noch einen Vorsprung – aber der schrumpft. China produziert bereits heute den Löwenanteil der globalen Solarpanele, Wechselrichter und Batteriespeicher, und die deutsche Reaktion auf den Klimawettbewerb besteht laut Umfragen gerade darin, Klimaschutzvorgaben abzulehnen. Wer auf diese Weise aus dem Rennen ausscheidet, sollte sich nicht wundern, wenn Südostasien irgendwann keine europäischen Produkte mehr braucht – nicht weil man sie verboten hat, sondern weil bessere verfügbar sind.

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Ein Kommentar zu „Opel-Werk in Thailand: Europas Steuergeld baut Chinas E-Autos

  1. Was viele Menschen die weit weg in Thailand wohnen noch nicht richtig mitbekommen haben, ist die Tatsachen dass es mit der deutschen Wirtschaft und dem Wohlstand in Deutschland zur Zeit richtig Berg ab geht. Die letzten rotgrünen Regierungen in Deutschland haben durch grandiose Fehlentscheidungen und ideologische Irrtümer schweren Schaden angerichtet. Zur Zeit werden hunderttausende von Arbeitsplätzen systematisch auf dem Altar einer verrückten Ideologie politisch geopfert. Typisch für diese Politik ist zum Beispiel die Finanzierung von Radwege in Peru mit deutschen Steuergelder. Auch deutsche Entwicklungshilfe an China, unseren größten wirtschaftlichen Rivalen, ist für normale Menschen nicht mehr nachvollziehbar. Wieso mit hauptsächlich deutschen Steuergelder in Thailand die chinesische Autoindustrie gefördert wird, ist rationell nicht mehr zu erklären. Dabei kollabiert die deutsche Autoindustrie aktuell. Thailand ist ein Tigerland auf den Sprung in eine glückliche wirtschaftliche Zukunft. Deutschland dagegen steht kurz vor dem wirtschaftlichen Absprung in ein Drittes-Welt-Land.

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