Uthai Thani, Thailand – Ein Waldwächter ist im Huai Kha Khaeng Wildlife Sanctuary bei einem seltenen Tigerangriff getötet worden. Die Behörden suchen nach dem verantwortlichen Tier und haben den Tourismus im Schutzgebiet vorerst ausgesetzt.
DNA-Spuren sollen den Tiger identifizieren
Sakarin Wichachan schlief am frühen Mittwoch in einer offenen Unterkunft unter einem Moskitonetz, als der Tiger ihn angriff. Das Tier hob den Körper über das niedrige Geländer und transportierte ihn etwa 200 Meter vom Schlafplatz weg.
Am Tatort sicherten Ermittler Tigerhaare und weitere DNA-Proben. Das Material soll mit Proben von bis zu fünf Tigern verglichen werden, die in der Umgebung leben.
Junger Tiger „Roi Et“ auf Kamerafalle entdeckt
Eine Kamerafalle zeichnete einen bisher unbekannten jungen männlichen Tiger auf. Das Tier taucht noch nicht in der Datenbank des Thailand Tiger Project auf.
Forscher gaben ihm vorläufig den Namen „Roi Et“. Der Name spielt auf die thailändische Zahl 101 an, weil der Tiger – falls er als weiteres Tier bestätigt wird – der 101. in Huai Kha Khaeng fotografierte Tiger wäre. Ob er für den Angriff verantwortlich ist, bleibt offen.
Keine Kampfspuren am Schlafplatz
Der Wächter lag in einem Gebäude mit offenen Seiten und einem niedrigen Geländer. Entlang eines Weges neben der Unterkunft waren zuvor wiederholt Tigerspuren festgestellt worden.
Im Schlafbereich fanden die Ermittler weder Hinweise auf einen Kampf noch Blutspuren. Das Moskitonetz war jedoch blutverschmiert, und am Körper wurden später Spuren einer Fressaktivität nach dem Tod festgestellt. Die genauen Umstände sollen eine Autopsie und die forensische Untersuchung klären.
Schutzgebiet verschärft die Sicherheitsmaßnahmen
Das Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation hat eine umfassende Untersuchung eingeleitet. Der Besucherverkehr im Huai Kha Khaeng Wildlife Sanctuary wurde ausgesetzt. Die DNP hat fünf unmittelbare Maßnahmen angeordnet.
Rund um Stationen und Büros patrouillieren nun mehr Kräfte. An Unterkünften und Einsatzorten wird zusätzliche Beleuchtung installiert, die Behörde koordiniert sich enger mit den umliegenden Gemeinden und überwacht das Gebiet fortlaufend.
Warnungen an Ranger und Gemeinden
Das Personal wurde angewiesen, Orte mit erhöhtem Risiko zu meiden. Die Behörden wollen sich außerdem enger mit den umliegenden Gemeinden abstimmen.
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Geprüft wird auch, ob Unterkünfte für Ranger in abgelegenen Waldgebieten baulich verändert werden müssen. Offene Unterstände sind bei tropischen Bedingungen praktisch, bieten bei der Anwesenheit großer Raubtiere aber möglicherweise zu wenig Schutz.
Tiger meiden Menschen normalerweise
Experten des Thailand Tiger Project erklären, dass wilde Tiger bei menschlichen Bewegungen normalerweise zurückweichen. Der aktuelle Fall gilt deshalb als außergewöhnlich selten.
Die Behörden warnen davor, aus dem Angriff abzuleiten, dass Tiger nun gezielt Menschen jagen. Zuerst müsse feststehen, welches Tier beteiligt war, bevor über weitere Maßnahmen im Umgang mit ihm entschieden wird.
Mehr Tiger suchen neue Reviere
In Thailand leben schätzungsweise 177 Indochinesische Tiger. Im Western Forest Complex stieg die Zahl im vergangenen Jahrzehnt von 42 auf 79 Tiere.
Vor allem junge Männchen legen bei der Suche nach einem eigenen Revier weite Strecken zurück. Ausgewachsene männliche Tiger benötigen durchschnittlich rund 267 Quadratkilometer, wenn bestehende Reviere bereits besetzt sind.
Wichit und HKT178 legten weite Wege zurück
Frühere Beobachtungen zeigen, dass Tiger aus Huai Kha Khaeng in benachbarte Schutzgebiete und darüber hinaus wandern. Der Tiger „Wichit“ durchquerte mehrere Provinzen, bevor er in ein geeignetes Waldgebiet zurückkehrte.
Das Männchen HKT178 gelangte bis nach Lampang und wurde dort schwer verletzt nach einem Schusswaffeneinsatz gefunden. Forscher vermuteten später eine Infektion und möglichen Sehverlust, was seine natürliche Jagd erschwert haben könnte.
Erster tödlicher Fall seit vielen Jahren
DNP-Generaldirektor Athapol Charoenshunsa erinnert sich nach eigenen Angaben in fast drei Jahrzehnten nur an einen vergleichbaren Angriff auf einen Parkmitarbeiter. 1998 überlebte ein Angestellter im Khao Yai National Park, nachdem Kollegen einen Tiger mit Warnschüssen vertrieben hatten.
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Der Angriff in Huai Kha Khaeng ist der erste bekannte tödliche Tigerangriff auf einen Parkmitarbeiter seit vielen Jahren. Die DNP unterstützt die Familie des Opfers finanziell und wartet auf die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen.


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