BANGKOK, THAILAND – Ein Senatsausschuss schlägt eine umfassende Steuerreform vor, um Haushaltsdefizit und steigende Staatsverschuldung zu bremsen – inklusive einer Erhöhung der Mehrwertsteuer (VAT) von 7 auf 10 Prozent. Die Empfehlungen sollen bei Zustimmung an das Kabinett gehen und könnten weitreichende Folgen für Verbraucher, Unternehmen und den Staatshaushalt haben.
Warum der Senat jetzt eine Steuerreform fordert
Der Ausschuss für Wirtschafts-, Finanz- und Fiskalangelegenheiten des thailändischen Senats beriet am 19. April unter Vorsitz von Kamphol Supapaeng über eine Neuordnung des Steuersystems.
Ziel ist es, langfristige fiskalische Probleme zu entschärfen; bei Zustimmung sollen die Vorschläge an das Kabinett zur Prüfung und möglichen Umsetzung weitergeleitet werden.
Dauerdefizite und wachsende Schulden als Warnsignal
Nach Angaben des Ausschusses verzeichnet Thailand seit zehn Jahren durchgehend Haushaltsdefizite, im Schnitt in Höhe von 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Damit liege das Defizit über der Schwelle von 3 Prozent, die als Grenze für fiskalische Nachhaltigkeit genannt wird.
Mehrwertsteuer von 7 auf 10 Prozent: Kernpunkt der Debatte
Im Bereich der konsumbezogenen Steuern schlägt der Ausschuss vor, die Mehrwertsteuer (VAT) von 7 auf 10 Prozent anzuheben.
Die zusätzlichen Einnahmen sollen laut Ausschuss unter anderem zur Finanzierung von Sozialausgaben für eine alternde Bevölkerung beitragen.
Politischer Gegenwind: Bhumjaithai lehnte VAT-Erhöhung bereits ab
Eine VAT-Erhöhung war bereits im Februar vorgeschlagen worden, wurde jedoch von der Regierungspartei Bhumjaithai zurückgewiesen.
Parteivertreter erklärten damals, eine solche Erhöhung werde in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht kommen, da die Regierung Lebenshaltungskosten stützen wolle und die Wirtschaft sich noch nicht vollständig erholt habe.
Weitere Konsumsteuern: Aktienhandel, Gold und VAT-Ausnahmen
Zusätzlich fordert der Ausschuss Steuern auf Aktienhandel sowie auf Goldtransaktionen – sowohl für physisches Gold als auch für „Papiergold“.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Außerdem soll die VAT-Befreiung für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 1,8 Millionen Baht gestrichen werden.
Neue Regeln für Einkommen und Digitalwirtschaft
Bei einkommensbezogenen Steuern schlägt der Ausschuss eine Quellensteuer von 2 Prozent auf Verkäufe über E-Commerce-Plattformen vor.
Zudem ist eine Körperschaftsteuer von 20 Prozent für ausländische Digitalkonzerne wie TikTok, Alibaba und eBay im Gespräch sowie die Einführung einer globalen Mindeststeuer von mindestens 15 Prozent bis 2027.
Grundstücks- und Werbesteuern: Fokus auf ungenutzte Flächen und Schilder
Im Bereich der Vermögens- und Grundsteuern nennt der Ausschuss höhere Sätze für ungenutztes Land als Reformbaustein.
Auch die Schildersteuer soll ausgeweitet werden und künftig sämtliche Außenwerbung sowie politische Grußbanner während Festzeiten erfassen.
Mehr Effizienz durch KI im Finanzamt
Als vierter Punkt wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) vorgeschlagen, um die Effizienz der Steuererhebung im Revenue Department zu verbessern.
Der Ausschuss verbindet damit die Erwartung, dass Steuereinnahmen besser gesichert und Prozesse moderner gestaltet werden können.
Sozial- und Arbeitsmarktideen gegen die Alterung der Gesellschaft
Parallel zur Steuerreform wurden auch Änderungen bei Sozial- und Arbeitsmarktpolitik diskutiert, um auf die alternde Gesellschaft zu reagieren.
Genannt wurden eine Anhebung des Rentenalters von 60 auf 65 Jahre bis 2030 sowie höhere Kinderfreibeträge von 500.000 Baht pro Kind, um die Geburtenrate zu fördern.
Quittungslotterie und „Home Town Tax“ als Anreize
Diskutiert wurde zudem ein Quittungslotterie-System, das Verbraucher dazu bewegen soll, elektronische Steuerrechnungen von Unternehmen einzufordern.
Ein weiterer Vorschlag ist die „Home Town Tax“-Politik, bei der Steuerzahler Spenden gezielt lokalen Gebieten für die Gemeindeentwicklung zuweisen könnten.
Deine Meinung
Wäre eine Mehrwertsteuer-Erhöhung auf 10 Prozent in Thailand aus deiner Sicht vertretbar, wenn damit Sozialausgaben und die langfristige Stabilität der Staatsfinanzen gestützt werden sollen?
Welche Maßnahmen findest du sinnvoller: höhere Konsumsteuern, stärkere Besteuerung der Digitalwirtschaft oder mehr Effizienz durch KI im Finanzamt? Schreib deine Einschätzung in die Kommentare.



Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: