Revolutionäre und Sozialreform mit Negativ-Steuern

Thailand plant, alle Bürger zur Steuererklärung zu verpflichten. Doch wie wird die Regierung die Daten nutzen, um die Sozialsysteme zu reformieren?

Steuererklärung Thailand: Ab wann wird sie zur Pflicht?
KI generiertes Symbolbild.

BANGKOK – Thailand steht vor dem größten Umbau seiner Steuer- und Sozialsysteme seit Jahrzehnten. Das Finanzministerium treibt ein radikales Modell der Negativen Einkommensteuer voran, das auf vernetzten Regierungsdaten basiert. Jeder Bürger soll künftig eine jährliche Steuererklärung abgeben und Sozialleistungen nur noch auf Basis eines verifizierten Haushaltseinkommens erhalten.

Datenvernetzung startet am 30. Juni

Der entscheidende Hebel ist das Königliche Dekret zur Verknüpfung von Regierungsdaten, das am 30. Juni 2026 in Kraft trat. Erstmals dürfen Ministerien und Behörden ihre Informationen direkt untereinander austauschen.

Bisher arbeiteten die Datenbanken weitgehend isoliert. Beamte konnten Einkommen kaum verifizieren und Doppelzahlungen bei Sozialleistungen blieben oft unentdeckt.

Big Data statt fragmentierter Akten

Ständiger Sekretär Lawaron Saengsanit machte klar, dass diese Zeiten vorbei sind. „Es muss anerkannt werden, dass Regierungsdaten in der Vergangenheit nicht miteinander verbunden waren“, sagte er. „Heute können wir Daten aller Regierungsabteilungen nutzen. Das stellt Big Data dar.“

Das Comptroller General’s Department verknüpft derzeit landesweit Behördeninformationen. Jedes Sozialprogramm wird auf Überschneidungen und doppelte Ausgaben überprüft.

Einheitliche Sozialhilfe durch Negative Einkommensteuer

Die geprüften Daten bilden das Fundament für die Negative Einkommensteuer. Geringverdiener unter einer bestimmten Schwelle zahlen nicht einfach keine Steuern, sondern erhalten direkte staatliche Unterstützung durch das Steuersystem selbst.

Höhere Einkommen qualifizieren sich für andere Leistungen. „Die Regierung muss sicherstellen, dass alle thailändischen Menschen die gleichen staatlichen Sozialleistungen erhalten“, so Lawaron.

Jeder Bürger muss Steuererklärung einreichen

Der wichtigste Einschnitt: Voraussichtlich muss jeder Thai künftig eine jährliche Einkommensteuererklärung abgeben. Das gilt auch für diejenigen, die gar keine Steuern schulden.

Für Millionen Straßenverkäufer, Markthändler, Freiberufler oder Landarbeiter ist das eine völlig neue Erfahrung. Sie tauchen in den bisherigen Steuerakten kaum auf.

Steuererklärung als Türöffner für Sozialleistungen

Genau das soll sich jetzt ändern. Die Steuerregistrierung wird zum Zugangstor für Sozialleistungen. Beamte erwarten, dass sich Millionen Geringverdiener freiwillig beim Revenue Department melden.

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Im Gegenzug erhält die Regierung ein viel genaueres Bild der Haushaltseinkommen im ganzen Land. Sozialhilfe soll künftig mit einer Präzision zugewiesen werden, die unter dem alten System unmöglich war.

OECD-Beitritt als langfristiges Ziel

Hinter dem Umbau steckt auch Thailands Ambition, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beizutreten. Die Mitgliedschaft erfordert transparente Verwaltung und effizientes öffentliches Finanzmanagement.

Viele OECD-Staaten betreiben bereits integrierte Steuer- und Sozialsysteme. Thailand will jetzt mit einem umfassenden Einkommensmeldesystem nachziehen und künftige Steuerpolitik auf solide Daten stützen.

42 Milliarden Baht für Sozialkarte 2027

Unabhängig vom großen Reformprojekt bereitet das Ministerium die nächste Runde der State Welfare Card vor. Für 2027 sind 42 Milliarden Baht eingeplant, weitere Mittel könnten aus dem zentralen Haushalt nachgeschossen werden.

Ob die Zahl der Empfänger 2026 steigt, ist noch offen. Die finale Prüfung steht kurz vor dem Abschluss. Danach muss das Kabinett zustimmen.

Kabinett entscheidet im Juli über Empfängerliste

Die Minister werden den Vorschlag voraussichtlich am 7. oder 14. Juli beraten. Erst nach Kabinettsfreigabe kann die Regierung am 17. Juli die endgültige Liste der anspruchsberechtigten Antragsteller veröffentlichen. Parallel hält das Finanzministerium die Gesamtwirtschaft im Blick. Das Wachstum in der ersten Jahreshälfte 2026 entsprach den Prognosen, auch dank der Maßnahmen „Thai Helps Thai Plus 60/40“. Weitere Konjunkturimpulse werden im vierten Quartal erwartet, Details liegen noch nicht vor.

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Quelle: Thai Examiner

4 Kommentare zu „Revolutionäre und Sozialreform mit Negativ-Steuern

  1. Bravo! Endlich ist für jeden Schluss mit Steuerhinterziehung, Sozialleistungsmissbrauch und in der Folge auch mit Nominee-Strukturen und Overstays… 🇹🇭🙏🙏

  2. Die Begründungen sind ja wirklich nett, fürs Volk halt. Wie wenn es primär um die Abwicklung von Sozialleistungen gehen würde….555.
    Es geht darum, die unendlich vielen Nichtsteuerzahler zu identifizieren , um die Steuerbasis zu vergrößern.

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