BANGKOK – Thailand entwickelt sich nach der Entkriminalisierung von Cannabis im Jahr 2022 zu einem globalen Knotenpunkt für den Marihuana-Schmuggel. Zollbehörden weltweit melden Rekordfunde von Thai-Cannabis, während die gesetzliche Regulierung im Parlament feststeckt. Die Folgen der Regierungspolitik belasten zunehmend das Gesundheitssystem und den internationalen Ruf des Landes.
Thailändisches Gras in Rekordmengen beschlagnahmt
Allein am 1. Juli fingen indonesische Behörden 3,3 Tonnen geschmuggeltes Cannabis aus Thailand ab und nahmen zwölf Verdächtige fest. Es handelte sich um den größten Cannabisfund in der Geschichte des Landes.
Zugleich stoppten Zollbeamte am Flughafen Hongkong vier Reisende aus Thailand mit über 30 Kilogramm Marihuana-Blüten im Gepäck. Die Fälle reihen sich in eine Serie spektakulärer Sicherstellungen ein.
Von Laem Chabang bis Europa
Ein deutsch-polnischer Einsatz deckte 1,2 Tonnen Marihuana auf, die aus dem Tiefseehafen Laem Chabang nach Europa verschifft wurden. Die Schmuggler tarnten das Rauschgift als Gartendeko und Lateriterde.
Allein der thailändische Zoll registrierte in den letzten neun Monaten 3.266 Fälle von Cannabis-Schmuggel über Luft- und Seewege. Knapp 40 Tonnen des potenten Krauts wurden beschlagnahmt.
Großbritannien im Visier der Schmuggler
Für das Vereinigte Königreich bestimmte Lieferungen erreichten besonders hohe Werte. Kürzlich stellten Ermittler fast 14 Tonnen Thai-Cannabis mit einem Straßenwert von rund 6,2 Milliarden Baht sicher.
Der illegale Export wird in Thailand mit bis zu zehn Jahren Haft oder einer Geldstrafe von maximal dem Vierfachen des Warenwerts geahndet. Den Schmuggel stoppen diese Strafen offenbar nicht.
Premierminister unter Zugzwang
Premierminister Anutin Charvirakul, dessen Bhumjaithai-Partei die Entkriminalisierung vorantrieb, gerät unter starken Druck. Internationale Strafverfolger und ausländische Regierungen verlangen eine Neubewertung der thailändischen Cannabispolitik.
Die Regierung kündigte schärfere Kontrollen an: Röntgenscans für alles Gepäck, Spürhunde an Schlüsselstellen und eine neue Stelle für den Echtzeit-Austausch von Passagierdaten. Eine E-Lizenz für Händler soll Fälschungen und Betrug unterbinden.
3,5-mal mehr Cannabis-Vergiftungen
Im Inland zeigen sich die gesundheitlichen Folgen der de-facto-Legalisierung deutlich. Dr. Bundit Sornpaisarn belegt einen Anstieg der Krankenhauseinweisungen wegen Cannabisvergiftung um das 3,5-Fache im Vergleich zum ersten Jahr nach der Freigabe.
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Die Fälle von Cannabisabhängigkeit schnellten um das 6,5-Fache hoch. Auch die Diagnosen für cannabisinduzierte Psychosen nehmen rapide zu.
Psychiatrie-Stationen am Limit
Am Vachira Phuket Hospital belegen Patienten mit cannabisbedingten psychiatrischen Notfällen derzeit zehn der zwölf Betten. Psychiater Dr. Tappana Sumpatanarax berichtet von einem Vorfall, bei dem drei Ausländer unter halluzinogener Wirkung in einen Teich sprangen.
Zudem verzeichnet die Klinik immer mehr schwere allergische Reaktionen nach dem Konsum hochpotenter Cannabis-Lebensmittel. Die Betroffenen müssen teils auf der Intensivstation behandelt werden.
Rechtliche Grauzone begünstigt Wildwuchs
Der Boom gründet auf einem gesetzgeberischen Vakuum. Mitte 2022 strich die Regierung Cannabis von der Liste verbotener Betäubungsmittel. Das angekündigte Gesetz zur Marktregulierung steckt jedoch bis heute im Parlament fest.
Der forensische Pathologe Dr. Smith Srisont fordert Entscheidungsträger auf, sich selbst ein Bild an der Khaosan Road, in Pattaya und Phuket zu machen. Dort sei offensichtlich, wie viele Läden Cannabis frei und ohne Lizenz verkaufen.
Zwei Gesetzentwürfe blockieren sich
Gesundheitsminister Pattana Promphat setzt auf das Marihuana-Gesetz, um den Missbrauch zu beenden. Sein Ministeriumsentwurf sieht ein striktes Verbot des Freizeitkonsums vor. Der Entwurf der Bhumjaithai-Partei ist milder und untersagt den Konsum nur außerhalb ausgewiesener Zonen.
Die Thai Society for Addiction Psychiatry warnt: Sollte der weichere Bhumjaithai-Entwurf Gesetz werden, bleibe Thailand eine Drehscheibe für Cannabisschmuggler. Nur die Rückstufung als verbotenes Betäubungsmittel bringe wirksame Kontrolle.
Schmuggel nach Mauritius
Zusätzlich zu den großen Funden in Europa und Asien beschlagnahmten Behörden 475 Kilogramm Marihuana, das für Mauritius bestimmt war. Dies zeigt die globale Reichweite des thailändischen Cannabis-Schmuggels.
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Die thailändische Zollbehörde verstärkt ihre Kontrollen an Häfen und Flughäfen, um den illegalen Export weiter einzudämmen. Ein E-Lizenz-System für Händler soll zudem die legale Lieferkette transparenter machen.
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