BANGKOK, THAILAND – Die thailändische Polizei hat an fünf Orten fünf Personen wegen unerlaubter medizinischer und zahnmedizinischer Behandlungen festgenommen. Bei den Durchsuchungen wurden mehr als 1.058 medizinische Materialien und Geräte aus 56 Kategorien im Wert von mehr als 330.000 Baht sichergestellt – darunter Fälle, in denen gerade Zahnspangen angepasst, Zahnabdrücke genommen und Vitamin-Infusionen verabreicht wurden.
Behandlungen liefen während der Razzien
In einem Wohnhaus im Bezirk Krathum Baen in der Provinz Samut Sakhon trafen die Beamten Thanyaporn (Nachname zurückgehalten), eine 30-Jährige, an, die bei einer Person eine Mundspreizvorrichtung einsetzte und begann, eine Ätzlösung für eine sogenannte Mode-Zahnspange einzutropfen. Die Frau besaß laut Polizei keine zahnmedizinische Berufserlaubnis; auch für den Ort lagen keine Genehmigungen als Betrieb oder medizinische Einrichtung vor.
An einem weiteren Wohnort in Krathum Baen wurde Somchai (Nachname zurückgehalten), ein 61-Jähriger, dabei angetroffen, wie er einen Zahnabdruck für Zahnersatz vorbereitete und das Abdruckmaterial in den Mund einer Person einführte. Auch er hatte keine zahnmedizinische Berufserlaubnis, und der Ort war nicht als medizinische Einrichtung genehmigt.
Fünf Durchsuchungen in drei Provinzen
Die Einsätze fanden im August in Bangkok sowie in den Provinzen Samut Prakan und Samut Sakhon statt. Beteiligt waren die Abteilung zur Bekämpfung von Verbraucherrechtsverstößen der Zentralen Ermittlungsbehörde, das Gesundheitsamt von Samut Sakhon und örtliche Verwaltungsbeamte.
Auslöser waren Hinweise des Gesundheitsamts und Meldungen aus der Bevölkerung. Die Verdächtigen sollen Kunden in Privathäusern empfangen und dort Zahnersatz, Retainer oder Zahnspangen angeboten haben, obwohl sie dafür keine Erlaubnis besaßen.
Zahnersatz und Retainer in Wohnhäusern
Ein 61-Jähriger erklärte nach Angaben der Polizei, er habe nach der dritten Klasse mehr als zehn Jahre in einem Dentallabor gearbeitet. Anschließend habe er über 30 Jahre von zu Hause aus Zahnersatz angefertigt, meist im Auftrag medizinischer Einrichtungen in Samut Sakhon und benachbarten Provinzen. Sein monatliches Einkommen gab er mit etwa 40.000 bis 50.000 Baht an.
Saifon (Nachname zurückgehalten), eine 44-Jährige, wurde in einem Wohnhaus angetroffen, als sie einer Person einen Abdruck für Ober- und Unterkiefer einsetzte. Sie gab an, nach der zwölften Klasse als Zahntechnikerin in einem privaten Unternehmen in Bangkok gearbeitet und anschließend etwa drei Jahre lang zu Hause Retainer für Kunden hergestellt zu haben. Der Preis lag nach ihren Angaben bei rund 9.000 Baht.
Mode-Zahnspangen für mindestens 1.300 Baht
Die 30-Jährige erklärte laut Polizei, sie habe die neunte Klasse abgeschlossen und sich das Anfertigen von Mode-Zahnspangen über YouTube und eigene Versuche beigebracht. Seit etwa einem Jahr habe sie Kunden zu Hause behandelt und dafür mindestens 1.300 Baht verlangt.
Kontakte seien über Facebook, Line und Empfehlungen zustande gekommen. Ihr monatliches Einkommen bezifferte die Frau nach Polizeiangaben auf etwa 15.000 Baht.
Zahntechnik-Geschäft in Bangkok durchsucht
In einem Geschäft für Zahntechnik am Straßenrand im Bangkoker Bezirk Bang Khen nahmen die Beamten am 18. August Uthai (Nachname zurückgehalten), eine 56-Jährige, fest. Sie soll dort seit vier bis fünf Jahren Zahnersatz angefertigt und repariert haben.
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Die Polizei beschlagnahmte an diesem Ort 11 Kategorien mit insgesamt 509 Gegenständen, darunter Zahnersatz, Kunstharz und Geräte zur Zahnbearbeitung. Die Frau erklärte, sie habe zuvor in einem privaten Dentallabor gearbeitet und täglich etwa vier bis fünf Kunden bedient.
Vitamin-Infusion ohne Arzt in Samut Prakan
In einer Schönheitsklinik im Bezirk Bang Phli trafen die Ermittler am 18. August Thitima (Nachname zurückgehalten), eine 26-Jährige, an, die einer Kundin eine Vitamin-Infusion verabreichte. Während der Kontrolle war kein Arzt in der Klinik anwesend.
Die Frau hat nach eigenen Angaben ein Bachelorstudium der Krankenpflege abgeschlossen und eine Berufserlaubnis für Krankenpflege und Geburtshilfe. Eine ärztliche Zulassung besaß sie jedoch nicht. Sie arbeitete dort seit etwa einem Monat. Sichergestellt wurden 15 Kategorien mit 124 Gegenständen im Wert von rund 20.000 Baht, darunter Infusionssets, Kochsalzlösungen, Spritzen und nicht registrierte Arzneimittel.
Fünf Beschuldigte an Ermittler übergeben
Insgesamt wurden vier Personen wegen unerlaubter zahnmedizinischer Tätigkeit und eine Person wegen unerlaubter ärztlicher Tätigkeit festgenommen. Die vier Beschuldigten aus dem zahnmedizinischen Bereich legten nach Angaben der Polizei umfassende Geständnisse ab.
Die Ermittler beschlagnahmten an allen fünf Orten 56 Kategorien medizinischer Materialien und Geräte mit insgesamt mehr als 1.058 Einzelstücken. Die Fälle wurden an die zuständigen Ermittler zur weiteren Bearbeitung übergeben.
Welche Strafen drohen
Unerlaubte zahnmedizinische Tätigkeit kann nach dem thailändischen Zahnmedizingesetz mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe von bis zu 30.000 Baht geahndet werden. Möglich ist auch eine Kombination aus Haft und Geldstrafe.
Für unerlaubte ärztliche Tätigkeit sieht das Gesetz bis zu drei Jahre Haft oder bis zu 30.000 Baht Geldstrafe vor. Wer eine medizinische Einrichtung ohne Genehmigung betreibt oder führt, muss laut Polizei mit bis zu fünf Jahren Haft oder einer Geldstrafe von bis zu 100.000 Baht rechnen.
Behörden warnen vor nicht zugelassenen Anbietern
Das Gesundheitsamt von Samut Sakhon und der thailändische Zahnärzterat rufen die Bevölkerung auf, zahnmedizinische Behandlungen nur bei zugelassenen Zahnärzten und in genehmigten Einrichtungen durchführen zu lassen. Nicht zugelassene Geräte oder mangelhaft gereinigte Instrumente können nach Angaben der Behörden Infektionen und andere gesundheitliche Schäden verursachen.
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Vor einer Behandlung sollen Patienten den Namen des behandelnden Zahnarztes und den Status der Einrichtung über die Website des Zahnärzterats prüfen. Verdächtige Hinweise können der Abteilung zur Bekämpfung von Verbraucherrechtsverstößen unter der Hotline 1135 oder über deren Warnseite für Verbraucher gemeldet werden.

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