Warum wollen viele Expats in Thailand keine Steuern zahlen?

Familie, Haus, Auto: Viele haben gute Gründe, beim Thai-Finanzamt nicht anzuklopfen. Der Autor zahlt trotzdem und fragt sich, wie lange es noch ohne Nachfrage so bleibt.

Warum wollen viele Expats in Thailand keine Steuern zahlen?
KI generiertes Symbolbild

Steuern in Thailand sind unter Expats ein Thema, bei dem selbst Freunde am Stammtisch entweder plötzlich still oder sehr laut werden. In den Kommentaren unter unseren Artikeln lese ich es fast jede Woche: Die einen wollen auf keinen Fall zahlen, die anderen melden sich einfach an, und wieder andere verweisen auf das, was sie zu Hause längst abgeliefert haben. Ich zahle selbst, und ich bin mir trotzdem nicht sicher, was ich davon halten soll.

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Warum ich in Thailand Steuern zahle

Ich zahle, weil ich hier arbeite und mein Einkommen hier entsteht. Das ist kein Heldentum und keine Tugend, sondern der ganz normale Alltag eines Menschen, der Rechnungen schreibt, Kunden hat und sein Geld in Thailand verdient. Für Einkommen aus thailändischer Arbeit gilt die Steuerpflicht ohnehin für jeden, ob Thai, Deutscher, Österreicher oder Schweizer.

Schwieriger wird es bei der Frage, die mir in den Kommentaren am häufigsten begegnet: Muss auch einer zahlen, der nur hier lebt? Darauf habe ich keine bequeme Antwort, wohl aber eine Meinung, und die kommt weiter unten. Vorher kommen die Grundlagen, damit klar ist, worüber wir überhaupt reden.

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Ich lebe hier und arbeite hier

Mein Fall ist einfach, weil Wohnort und Arbeitsort zusammenfallen. Das Geld verdiene ich in Thailand, ich gebe es in Thailand aus, und die thailändische Steuerbehörde, das Revenue Department, muss nicht lange suchen, um zu wissen, wo ich sitze. Mit mir müsste niemand darüber streiten, ob irgendetwas über die Grenze kommt.

Ich gebe meine Steuererklärung ab, rechne mit den Freibeträgen und zahle, was übrig bleibt. Das ist lästig, aber nicht dramatisch. Ich erwähne es nur, damit niemand glaubt, ich schriebe von einem hohen Ross herab: Ich sitze in einer bequemen Position, denn ich muss mich nie fragen, ob ich auch ohne Arbeit zahlen würde.

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Wäre ich als Rentner genauso dabei?

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Hätte ich nur eine Rente, die jeden Monat auf ein Konto in Deutschland, Österreich oder der Schweiz fließt, und ich holte mir das Geld am Automaten oder überwiese es her, wäre ich vermutlich genauso zwiegespalten wie viele Leser. Ich ahne, wie ich mich entschiede, aber ich will mir da nichts vormachen.

Für Rentner geht die Rechnung oft glimpflicher aus, als man denkt. Es gibt Freibeträge, ab 65 Jahren einen höheren, dazu Abzüge für den Ehepartner, und bei einer bescheidenen Rente bleibt am Ende wenig oder nichts zu zahlen. Eine Erklärung kann trotzdem Pflicht sein. Wer es genau zu wissen behauptet, ohne den Einzelfall zu kennen, dem misstraue ich.

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Ab 180 Tagen sind Ausländer steuerpflichtig

Die Grenze liegt bei 180 Tagen im Kalenderjahr, und die Tage müssen nicht zusammenhängen. Wer 180 Tage oder mehr in Thailand ist, gilt als steuerlich ansässig, ganz gleich ob mit Touristenvisum, Non-O oder Jahresverlängerung. Wer 179 Tage oder weniger bleibt, ist es nicht. Das Visum spielt dabei keine Rolle, gezählt werden nur die Tage.

Als Ansässiger zählt vor allem das Geld, das man aus dem Ausland ins Land holt. Auslandseinkommen aus einem Jahr, in dem man hier ansässig war, ist in dem Jahr steuerpflichtig, in dem es in Thailand ankommt, gleichgültig wann es verdient wurde. Was vor der Änderung der Regel verdient wurde, bleibt frei, doch den Nachweis sollte man aufheben.

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In Deutschland oder der Schweiz habe ich schon gezahlt

Das ist der häufigste Einwand, und er ist verständlich. Zwischen Thailand und Deutschland, Österreich und der Schweiz bestehen Doppelbesteuerungsabkommen, damit niemand denselben Betrag zweimal versteuert. Bei vielen Renten, etwa der deutschen und der österreichischen gesetzlichen Rente oder der privaten Pensionskasse in der Schweiz, darf nach dem Abkommen Thailand besteuern, wenn man hier ansässig ist.

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Pensionen aus dem öffentlichen Dienst bleiben dagegen meist beim zahlenden Staat. Wo trotzdem beide zugreifen, lässt sich die im Ausland gezahlte Steuer in Thailand anrechnen. Wer sagt, er habe schon gezahlt, hat also manchmal recht und manchmal nicht. Es hängt von der Art des Einkommens ab und nicht vom Gefühl, genug abgeliefert zu haben.

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Ich unterstütze doch schon meine Familie

Auch das lese ich oft: Wer eine Thai-Familie versorgt, den Haushalt trägt und Verwandte im Dorf unterstützt, fühlt sich schon als Steuerzahler im Kleinen. Ich kann das gut nachvollziehen, denn viele Männer hier tragen mit ihrer holden Gattin eine ganze Großfamilie, und das Geld dafür fällt nicht vom Himmel.

Für das Steuerrecht zählt dieses Gefühl nur begrenzt. Besteuert wird das Einkommen, nicht die Ausgaben, und Abzüge gibt es nur für bestimmte Dinge, etwa für den Ehepartner oder unter Bedingungen für die Eltern. Wer seine Familie unterstützt, hat also keinen Freibrief, aber auch keinen Grund, sich deswegen schlecht zu fühlen.

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Haus und Auto sind schon bezahlt

Viele Leser schreiben, sie hätten in Thailand ein Haus gekauft oder ein Auto angeschafft und dem Land damit schon genug Geld gebracht. Das stimmt auch, denn bei solchen Käufen fallen Gebühren und Abgaben an, und gerade in den Provinzen hängt an einem Hausbau von Ausländern mancher Handwerker, der davon seine Familie ernährt.

Mit der Einkommensteuer hat das allerdings nichts zu tun. Sie fragt nicht, was jemand gekauft hat, sondern was er verdient und ins Land bringt. Ein bezahltes Haus macht niemanden steuerfrei, und es gibt auch keine Regel, die ihn deshalb zusätzlich belastet. Die beiden Dinge laufen schlicht nebeneinander her.

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Manche melden sich einfach an

Dann gibt es die Pragmatiker, die schreiben: Ich habe mich beim Revenue Office angemeldet, eine Steuernummer bekommen und zahle, was fällig ist, kein Problem. Das klingt nach mehr Aufwand, als es ist. Thailänder nutzen ihre 13-stellige Ausweisnummer als Steuernummer, bei Ausländern mit Pink Card wird sie in vielen Büros ebenfalls akzeptiert, andere Büros vergeben eine eigene.

Die Erklärung wird bis Ende März des Folgejahres abgegeben, online etwas später. Wer nach den Freibeträgen bei null Baht landet, kann trotzdem zur Abgabe verpflichtet sein. Wer sich angemeldet hat, schreibt uns oft, es sei kein Problem gewesen. Ich glaube das, sehe aber auch, dass nicht jeder sich dazu aufraffen mag.

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Dass niemand nachfragt, bleibt nicht ewig so

Mein Eindruck ist, dass in Thailand kaum jemand kontrolliert, welche Ausländer mit mehr als 180 Tagen tatsächlich Steuern zahlen. Nachfragen kommen selten, eine Kampagne habe ich bisher nicht erlebt, und die Behörden scheinen sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Das ist ein Eindruck und keine Statistik, und er kann jederzeit überholt sein.

Ich halte diesen Zustand nicht für dauerhaft. Der Staat braucht Geld, die Regeln sind schon einmal verschärft worden, und über weitergehende Pläne wird immer wieder gesprochen, zuletzt über eine Besteuerung des Welteinkommens, die bisher nicht Gesetz ist. Was heute lax gehandhabt wird, kann morgen von der Politik ganz anders gesehen werden.

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Am Ende entscheidet jeder selbst

Ich will niemanden zu etwas drängen. Wer zahlen möchte, kann das tun, wer es lässt, trägt das Risiko selbst, und beides ist eine Entscheidung, die jeder für sich trifft. Mir geht es nur darum, dass man sie bewusst trifft und nicht aus Gewohnheit oder weil der Nachbar am Stammtisch es auch so macht.

Im Einzelfall kann ein Steuerberater oder das Revenue Office sagen, was für Sie gilt. Mich würde interessieren, wie Sie es handhaben: ob Sie sich angemeldet haben, zahlen, abwarten oder ganz anders rechnen, und was Sie zu der Frage meinen, ob ein reiner Rentner zahlen sollte. Schreiben Sie es gern in die Kommentare.

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Redaktionelle Hinweise

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Dieser Text gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Eine Erleichterung für Auslandseinkommen, das im Jahr der Entstehung oder im Folgejahr überwiesen wird, liegt als Entwurf vor und ist noch nicht in Kraft. Ebenso gilt eine Besteuerung des Welteinkommens bisher nicht. Die Auslegung im Einzelfall kann je nach Revenue Office abweichen.

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5 Kommentare zu „Warum wollen viele Expats in Thailand keine Steuern zahlen?“

  1. Habe mich angemeldet, meine Steuernummer bekommen und dann wurde mir gesagt, es sei erledigt, ich brauche nicht mehr zu erscheinen. Weil meine Pension in Deutschland versteuert wird, mache ich keine Steuererklärung. Ich brauche mich damit nicht zu quälen und das FA hat auch keine Arbeit mit mir. Win Win Situation sozusagen. Ob das nun Gesetzes konform ist oder ich irgendwann in einigen Jahren mal einen Brief/Besuch bekomme?…Das warte ich ab, wie bei vielen Dingen hier in Thailand…habe ich heute Morgen beim Thema Heirat/Rentner EoS schon geschrieben.
    Zu der Frage, ob ein Rentner Steuern zahlen sollte, sage ich: nein…weder in Deutschland noch in Thailand. Es sei denn, die Rente beträgt über 4.000€ im Monat (einfach eine Zahl von mir), da könnte man dann über einen „Solidarbeitrag“ mal nachdenken.

  2. Wenn ich komplett auf das Welteinkommen Steuern zahlen müsste, könnte ich mir meine Krankenversicherung später nicht mehr leisten. Ich überschlage, was diese mich mit 94 Jahre kostet wird. Dabei unterstelle ich eine mittlere jährliche Preissteigerung von 5% und nehme das als Kalkulationsgrundlage. Dieser Beitrag wäre höher als mein Rente, die Freibeträge – THB 25.000 p.a. – dort sind in Relation ein Witz, das deckt nicht mal einen Monatsbeitrag. Ich müsste den Umzug in diesem Fall neu bewerten, ich bin halt ein kalter Fischkopf
    Das nach Thailand transferierte Geld zu Leben darf versteuert werden, ich nutze ja auch die Ressourcen.

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  4. Wenn wir Expats, schon Steuern in Thailand abdrücken müssen, vermutlich mehr als viele Thais, sollten uns auch gewisse Rechte eingeräumt werden (gleiche Eintrittspreise für Nationalparks und Sehenswürdigkeiten, die Möglichkeit einer bezahlbaren Krankenversicherung beizutreten). Nur um zwei Beispiele zu nennen. Immer wieder heisst es: Nur für Thais! Egal welche Vergünstigungen es gerade betrifft.

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