Fake-Strand, Fake-Zimmer: Wenn Thailand-Bilder lügen

Ein Traumstrand ohne Menschen, ein Hotelzimmer wie im Prospekt, ein Video, das nie gedreht wurde. Vieles davon stammt von KI. Wer bucht oder bestellt, sollte zweimal hinsehen.

Fake-Strand, Fake-Zimmer: Wenn Thailand-Bilder lügen
KI generiertes Symbolbild

KI steckt in Thailand längst in vielem, was man sieht, hört und liest, auch wenn es nirgends dasteht. Bilder, Videos und Texte entstehen heute auf Zuruf, und das Ergebnis ist oft verblüffend gut. Ich nutze das selbst gelegentlich und gönne es jedem kleinen Betrieb, der damit Geld spart. Meine Geduld endet allerdings erst dort, wo ein Foto, ein Film oder eine Beschreibung etwas verspricht, das es nicht gibt.

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Was KI kann: Bilder, Videos und Texte, die kein Mensch gemacht hat

Man gibt einem Computerprogramm ein paar Worte, zum Beispiel „Strand mit Palmen bei Sonnenuntergang“, und nach Sekunden liegt ein Bild vor, das aussieht wie ein Foto. Mit demselben Verfahren entstehen Filme, in denen sich Menschen bewegen und sprechen, und Texte, die klingen, als hätte sie ein Reiseführer geschrieben.

Das Programm zeigt nicht, was es gibt, sondern was es sich nach den Worten vorstellt. Der Strand wird schöner als jeder echte, das Zimmer größer, der Text glatter. Man erkennt das nicht immer, denn vieles ist inzwischen sehr gut gemacht, und genau deshalb lohnt sich ein zweiter Blick.

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Fotos in Thailand-Gruppen auf Facebook, die von echten kaum zu unterscheiden sind

In den Thailand-Gruppen auf Facebook tauchen sie immer wieder auf: ein Wasserfall, den es nirgends gibt, ein Markt, auf dem alle Gesichter ähnlich aussehen, ein Strand ohne einen einzigen Touristen. Die meisten klicken auf „Gefällt mir“ und scrollen weiter, ohne zu fragen, ob dort je jemand fotografiert hat.

Bei Anzeigen soll es strenger werden. Seit 1. November müssen soziale Netzwerke in Thailand die Identität jedes zahlenden Werbekunden prüfen, bevor die Anzeige erscheint. Das hilft gegen Betrüger, die sich hinter falschen Namen verstecken, sagt aber nichts darüber, ob das Bild in der Anzeige echt ist.

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Videos, die in Thailand so echt wirken, dass sie hunderttausendfach angesehen werden

Ende September ging auf Facebook ein Video herum, in dem ein Mitglied der Regierung angeblich dazu aufrief, Hochwasserwarnungen im Netz nicht zu glauben. Faktenprüfer stuften den Clip als KI-gemacht ein, er wurde fast 800.000 Mal angesehen. Verräterisch waren Kleinigkeiten, etwa die Schrift auf einem Bus, die keine Sprache ergab, und ein Kennzeichen, das nicht zum thailändischen Format passte.

Facebook hatte das Video immerhin mit dem Hinweis „AI info“ versehen, doch wer nur kurz hinsieht, übersieht ihn. Gefährlich wird so etwas, wenn Menschen in einem Hochwassergebiet deshalb Warnungen nicht ernst nehmen. Bei Hochwasser würde ich mich nur auf das Wetteramt und den Katastrophenschutz verlassen.

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Warum ich selbst gelegentlich KI nehme

Ich gestehe, dass ich ab und zu selbst auf KI zurückgreife, wenn zu einem Thema kein passendes Foto vorliegt. Ein Symbolbild soll nichts beweisen, es soll nur zeigen, worum es geht. Ein Rentner mit Reisepass oder ein Teller Reis darf ruhig aus dem Computer kommen, solange niemand es für ein Beweisfoto hält.

Der Unterschied liegt im Versprechen. Ein Symbolbild sagt „So ungefähr sieht das aus“, ein Verkaufsbild sagt „Das bekommen Sie“. Das erste ist harmlos und manchmal eine Wohltat für das Auge. Beim zweiten muss das Bild stimmen, sonst wird aus einem hübschen Bild eine falsche Zusage.

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Für das Lokal in Pattaya oder Isaan mit kleinem Budget ist das ein Glücksfall

Ich verstehe jeden Wirt, der KI nimmt. Wer ein kleines Lokal in Pattaya, Udon Thani oder in einem Dorf im Isaan führt, hat meist weder Geld für einen Fotografen noch für eine Werbeagentur. Früher blieb dann ein handgeschriebenes Schild oder ein verwackeltes Handyfoto.

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Heute tippt der Wirt ein paar Worte in ein Programm, und es entsteht ein Plakat für den Livemusik-Abend oder das Wochenendbuffet, auch den Werbetext schreibt die KI gleich mit. Oft kostet das nichts oder sehr wenig. Das Lokal sieht plötzlich so aus, als hätte es eine eigene Werbeabteilung, und ich finde das gut so.

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Für den Grafikshop an der Hauptstraße eher weniger

Die andere Seite sehe ich auch. Der kleine Grafikshop an der Hauptstraße lebte lange von genau solchen Aufträgen: Plakate für Veranstaltungen, Speisekarten, Flyer für die Eröffnung. Ich vermute, dass ihm ein Teil davon wegbricht, wenn die Kundschaft das Plakat nun selbst am Telefon erstellt.

Ganz ohne Fachleute kommt aber kaum ein Lokal aus. Das Plakat muss gedruckt werden, das Logo muss sitzen, und wer ein Schild über der Tür braucht, will keine verdrehten Buchstaben. Vielleicht wird der Grafikshop künftig mehr Druckerei und Berater sein als Zeichner. Schön ist das für ihn nicht, aber ein Ende bedeutet es auch nicht.

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Das Hotelzimmer auf Phuket, das im Internet größer und heller war als vor Ort

Hier hört bei mir der Spaß auf. Wer ein Zimmer auf Phuket bucht, kauft ein Versprechen, und das Versprechen besteht fast nur aus Fotos. Kommt man an und das Zimmer ist kleiner, dunkler oder gar ein anderes, ärgert man sich zu Recht, auch wenn das Bild nur ein wenig aufgehübscht wurde.

Eine Untersuchung von rund 25.550 Hotelfotos aus sieben europäischen Urlaubszielen fand bei etwa jedem fünften Bild Spuren von KI oder Bearbeitung. Ob ein Bild ganz erfunden oder nur verschönert war, wurde dabei nicht getrennt. Für Thailand kenne ich keine solche Zahl. Verantwortlich für die Bilder ist formal das Hotel, nicht die Buchungsseite, die an jeder gebuchten Nacht verdient.

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Auch die Beschreibung auf Buchungsseiten wie Booking.com kann vom Computer stammen

Nicht nur die Fotos, auch die Texte können von der KI kommen. Booking.com setzt sie selbst ein: Sie beantwortet Fragen zu einer Unterkunft anhand von Beschreibung, Bewertungen und Fotos und fasst Gästebewertungen zusammen. Als diese Funktionen vorgestellt wurden, liefen sie nur in einigen Ländern, darunter die USA, Großbritannien und Singapur. Ob sie für Thailand gelten, weiß ich nicht.

Dazu kommt, dass Reiseunternehmen ihre Hotelbeschreibungen mit KI schreiben lassen. Ein großer Veranstalter hat öffentlich beschrieben, dass das bei ihm in weniger als zehn Sekunden pro Hotel geht. Das ist praktisch, aber so ein Text kennt das Haus nicht und kann eine ruhige Lage loben, obwohl nebenan gebaut wird. Ich vertraue deshalb Gästefotos in den Bewertungen mehr als jeder Beschreibung.

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Die Mikrowelle aus dem Online-Shop, die in Thailand als Kinderspielzeug ankam

Noch ärgerlicher wird es beim Einkauf. Man sieht auf dem Bildschirm eine stattliche Mikrowelle, bezahlt sie, wartet ein paar Tage und hält dann ein Modell in der Hand, das fünf Zentimeter misst und eher in die Puppenküche gehört. Das Foto zeigt eben, was der Verkäufer zeigen will, und nicht, was im Karton liegt.

Die Verbraucherschutzbehörde OCPB zählte im Mai und Juni mehr als 8.400 Beschwerden, die meisten über Online-Käufe. Dazu kommt, dass seit Januar jedes Paket aus dem Ausland zollpflichtig ist, auch kleine Bestellungen. Ich schaue deshalb bei Lazada, Shopee und Temu zuerst nach einer Größenangabe und nach echten Kundenfotos in den Bewertungen.

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Was ich mir von Thai-Anbietern wünsche, die mit KI werben

Ich wünsche mir wenig: ein Bild, ein Video oder einen Text, der zur Ware passt. Die Verbraucherschutzbehörde verlangt das seit dem Frühjahr bei Werbung ohnehin. Wer Bilder oder Videos mit KI oder Software bearbeitet, muss Größe, Menge und Zusammensetzung der Ware richtig zeigen und einen Hinweis anbringen, zum Beispiel „Image created by AI“ oder „Video created by AI“.

Ob sich alle daran halten, wird sich zeigen. Wer trotzdem hereinfällt, kann sich bei der OCPB beschweren, unter der Hotline 1166, in der App OCPB Connect, auf ocpb.go.th oder in den Damrongtham-Zentren im ganzen Land. Bei Paketen rät sie zu einem ungeschnittenen Video vom Auspacken als Beweis.

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KI ist erlaubt, eine Täuschung nicht

Am Ende steht für mich eine einfache Regel. Ein schönes Bild, ein hübscher Film oder ein gut geschriebener Text darf jedem gehören, dem Wirt, dem Hotelier und dem Händler. Wer damit aber ein Zimmer, eine Mahlzeit oder eine Mikrowelle verspricht, muss das Versprochene auch liefern, und zwar in der gezeigten Größe.

Wer bucht oder bestellt, darf sich ruhig angewöhnen, einmal öfter zu fragen, ob da jemand fotografiert und geschrieben hat oder nur getippt. Ich selbst werde weiter hin und wieder ein Symbolbild einsetzen und dabei darauf achten, dass man es als solches erkennt.

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Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Gruseliges Halloween in Thailand mit Mae Nak, Krasue und Geisterhäuschen

Die Angaben zu den Regeln für KI-Werbung und zur Prüfung von Werbekunden entsprechen dem Stand von Anfang November. Ein geplantes Gesetz für fehlerhafte Waren, das Umtausch, Reparatur oder Rückerstattung regeln soll, wurde vom Kabinett beschlossen. Ob es schon gilt, erfahren Betroffene bei der OCPB unter der Hotline 1166. Die Untersuchung zu Hotelfotos betrifft europäische Urlaubsziele, nicht Thailand, und die Angaben zu den KI-Funktionen von Booking.com stammen aus deren Vorstellung für einzelne Länder.

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