Heute ist Halloween 🎃, und Thailand hat dabei einen Vorteil: Die Geister 👻 wohnen schon hier. Sie sitzen im Häuschen im Garten, schweben als Kopf mit Gedärm durch die Nacht oder warten seit Ewigkeiten auf ihren Mann. Die Thais finden das so unterhaltsam, dass sie dafür ins Kino rennen und abends den Fernseher einschalten. Mit Gänsehaut und Gelächter geht es durch die berühmtesten Spukgeschichten des Landes.
Warum Thais Halloween lieben
Thais lieben Halloween, weil sie Geister ohnehin gern haben und jeden Anlass zum Feiern nutzen. Der Tag heißt hier auch „Wan Ploi Phi“, übersetzt Tag der freigelassenen Geister (Phi heißt Geist). Gefeiert wird in Bangkok, in Chiang Mai, in Schulen, und sogar das Rote Kreuz wirbt in Kostümen fürs Blutspenden.
Dahinter steckt „Sanook“, der Spaß am Leben, gepaart mit dem Aberglauben, der hier ohnehin zu Hause ist. Deshalb greifen viele nicht zum amerikanischen Skelett, sondern zu den eigenen Gestalten. In Pattaya sind Maskenbildner und Kostümverleih vor dem Fest gut ausgelastet, gefragt ist vor allem der Look der Geistertänzerin Phi Nang Ram. Woher der Glaube kommt, steht im nächsten Abschnitt.
Warum Geister zum Alltag gehören
Geister gehören in Thailand zum Alltag, weil der Glaube an sie älter ist als der Buddhismus im Land. Beides hat sich vermischt: Man betet im Tempel zu Buddha und bittet im Garten den Geist des Grundstücks um Schutz. Für die meisten Thais passt das gut zusammen. Wer im Land lebt, sieht es an jeder Straßenecke.
Dazu kommt der Gedanke von Karma: Wer zu Lebzeiten Unrecht erlitten hat, findet nach dem Tod keine Ruhe. Darum sind viele Geister in Erzählungen und Filmen Frauen, denen Böses angetan wurde. Mit diesem Gedanken im Kopf wird klar, warum jedes Grundstück sein eigenes Häuschen für den Hausgeist bekommt.
Das Geisterhäuschen im Garten
Das Geisterhäuschen heißt San Phra Phum, Haus des Schutzgeists, und steht vor Wohnhäusern, Läden, Hotels und Büros. Der Gedanke dahinter: Wer baut, nimmt Land in Besitz, das schon einem Geist gehört. Das Häuschen gibt ihm eine neue Bleibe, damit er die Bewohner beschützt statt ärgert. Daneben steht oft ein niedrigeres Häuschen auf vier Pfosten für die Ahnen und früheren Bewohner des Platzes.
Oft kommen frische Girlanden, Räucherstäbchen, Reis, Obst und rote Limonade dazu, meist Fanta. Rot steht für Blut und damit für Leben. Alte Häuschen wirft niemand weg, sie werden mit einer Zeremonie verabschiedet. Als Gast fassen Sie nichts an und steigen nicht auf den Sockel. Vom Häuschen ist es nicht weit zu den Geistern selbst, und der berühmteste heißt Mae Nak.
Mae Nak wartet auf ihren Mann
Mae Nak ist die berühmteste Geisterfrau Thailands. Die Legende spielt am Kanal von Phra Khanong in Bangkok: Nak stirbt bei der Geburt ihres Kindes, während ihr Mann Mak im Krieg ist. Als er heimkommt, findet er Frau und Baby im Haus und freut sich. Dass sie längst tot ist, merkt er erst, als sie vom Balkon im Obergeschoss den Arm bis zum Boden streckt, um eine Limette aufzuheben.
Mak flieht, Nak tobt vor Trauer und Wut durchs Dorf, bis ein Schamane sie in einen Tonkrug bannt oder ein Mönch ihren Geist zur Ruhe bringt, je nach Version. Der erste Thai-Horrorfilm überhaupt erzählte ihre Geschichte, seither wurde sie in Dutzenden Filmen erzählt. Nicht jeder Geist ist so traurig-schön wie Nak, manche kommen deutlich blutiger daher.
Die Krasue schwebt durch die Nacht
Die Krasue ist tagsüber eine gewöhnliche Frau. Nachts löst sich ihr Kopf vom Körper und schwebt davon, die Eingeweide hängen unten dran. Sie sucht Blut und Fleisch, so erzählt man es. Nach den Erzählungen ist sie die ruhelose Seele einer Frau, der Unrecht widerfuhr. Ein Comic und dessen Verfilmung machten sie im ganzen Land bekannt.
Der neuere Film „Saeng Krasue“, international „Inhuman Kiss“, zeigt sie als Frau mit einem Fluch, die selbst Opfer ist. Er wurde als Thailands Beitrag für den Auslands-Oscar ausgewählt, und Netflix nahm ihn ins Programm. Mitleid mit einem schwebenden Kopf samt Gedärm, das muss ein Film erst einmal schaffen. Viel friedlicher wohnt die nächste Gestalt, nämlich im Bananenbaum.
Nang Tani wohnt im Bananenbaum
Nang Tani ist ein weiblicher Geist, der in wilden Bananenstauden wohnt, den Kluai Tani. Sie trägt ein grünes Thai-Gewand und zeigt sich der Überlieferung nach nur bei Vollmond. Wer so eine Staude im Garten hat, bindet manchmal ein buntes Seidentuch um den Stamm. Gefährlich ist sie selten, meist gilt sie als wohlwollend.
Auch sie hat es ins Kino geschafft: Ein Film über Nang Tani gilt als Klassiker des Thai-Kinos, spätere Filme folgten. Bäume mit Geistern gibt es mehrere, die Nang Ta-khian wohnt in großen Ta-Khian-Bäumen und gilt als weniger freundlich. Während Nang Tani still im Garten bleibt, kommen in Loei jedes Jahr die Geister selbst auf die Straße.
Phi Ta Khon: Geisterfest in Loei
Phi Ta Khon ist das Geisterfest von Dan Sai in der Provinz Loei im Isaan. Drei Tage lang ziehen Einheimische mit bunten Masken und Flickenkostümen durch die Straßen, tanzen und machen Lärm. Es gehört zum Fest Bun Luang und findet im Juni oder Juli statt. Den genauen Termin legen jedes Jahr die Geistermedien des Ortes fest.
Der Ursprung ist eine buddhistische Legende: Als Prinz Vessantara in seine Stadt zurückkehrte, folgten ihm Geister und Waldwesen und feierten mit. Mit dem Fest bitten die Dörfler um Regen und eine gute Ernte. Wie es dort zugeht, steht im Bericht über das Fest in Dan Sai. Ihre größte Bühne haben die Geister aber im Kino.
Warum Thais Horrorfilme lieben
Thais lieben Horrorfilme, weil sie darin Vertrautes sehen: Glaube, Karma und Geister, die man aus Familie und Dorf kennt. Die meisten Geister im Thai-Kino sind Frauen, denen zu Lebzeiten Unrecht geschah, und die Zuschauer fühlen oft mit ihnen mit, statt nur Angst zu haben. Schrecken, Liebe und Trauer gehören in diesen Filmen zusammen.
Dazu kommt, dass die Filme oft Komik und Romantik mit dem Grusel mischen. Das macht sie für sehr unterschiedliche Zuschauer interessant. Der Film „Nang Nak“ über Mae Nak war der erste Thai-Film, der mehr als 100 Millionen Baht einspielte. Auch im Ausland fiel das auf, vor allem durch einen Film mit Geisterfotos.
Shutter: der Spukfilm mit dem Foto
„Shutter“ machte den Thai-Horror weltweit bekannt. Auf entwickelten Fotos eines Fotografen tauchen unheimliche Schatten und Gesichter auf, die auf einen Geist hindeuten. Die beiden jungen Regisseure Banjong Pisanthanakun und Parkpoom Wongpoom drehten damit ihren ersten Spielfilm, und er wurde in seinem Jahr der erfolgreichste einheimische Film in Thailand.
Hollywood drehte ein Remake, das in Japan spielt und mit amerikanischen Schauspielern besetzt ist. Auch in Indien entstanden Neuverfilmungen. Banjong ging danach einen ganz anderen Weg und drehte später eine Komödie, in der ein Geist die Hauptrolle spielt. Genau solche Mischungen aus Lachen und Gruseln lieben Thais besonders.
Gruselkomödien bringen Thais zum Lachen
Gruselkomödien sind in Thailand ein Dauerbrenner. „Pee Mak“ von Banjong Pisanthanakun erzählt die Mae-Nak-Geschichte aus der Sicht ihres Mannes, mit viel Humor. Allein in Thailand spielte der Film mehr als 500 Millionen Baht ein und stellte damals den Rekord für einen Thai-Film auf. Aus der traurigen Legende wurde ein Publikumsliebling.
Schon die klassischen Geisterfilme mischen den Spuk mit komischen Szenen, und die meisten Thais sehen das gern. Man geht ins Kino, um zu gruseln und um zu lachen. Ich finde diese Gelassenheit gegenüber dem Übernatürlichen sympathisch. Dieselbe Mischung kennt das Fernsehen, wo der Spuk jeden Abend ins Wohnzimmer kommt.
Spuk im Thai-Fernsehen
Im Fernsehen laufen Geisterstoffe häufig in Lakorn, den Thai-Fernsehserien. Horror kommt dort meist zusammen mit einer Liebesgeschichte, und Rache, Liebe und Familie sind ohnehin die großen Themen. Auch bei Channel 3 lief eine neue Serienfassung von Mae Nak. So bleibt die alte Legende für jede neue Zuschauergeneration lebendig.
Im Netz sind es die Hörer, die erzählen: Bei „The Ghost Radio“ berichten Anrufer nachts live von eigenen Spukerlebnissen, gesendet aus einem Studio in einem Einkaufszentrum in Bangkok. Der YouTube-Kanal hat Millionen Abonnenten, und aus einer Geschichte der Sendung wurde sogar der Kinofilm „Our House“. Wer das alles gesehen hat, will vielleicht den Ort besuchen, an dem Mae Nak verehrt wird.
Mae Naks Schrein in Bangkok besuchen
Mae Naks Schrein steht im Tempel Wat Mahabut an der Soi On Nut 7 (Sukhumvit Soi 77) im Bangkoker Bezirk Suan Luang. Täglich von 7:30 bis 17:30 Uhr kommen Gläubige, um Mae Nak um Liebesglück und Kinder zu bitten. Sie bringen Kleider, Spielzeug und Girlanden mit, und auf der Statue klebt Blattgold. Vor der Ziehung der Staatslotterie kommen viele um ein Glückszeichen.
Als Besucher kleiden Sie sich wie in jedem Tempel, Schultern und Knie bedeckt, und ziehen im Schreinbereich die Schuhe aus. Die Gegend um On Nut erreichen Sie bequem mit dem BTS-Zug auf der Sukhumvit-Linie. Ob Sie dort einen Geist oder nur eine rührende Liebesgeschichte antreffen, entscheiden Sie selbst. Ein Wai, die Verbeugung mit gefalteten Händen, schadet jedenfalls nie.
Redaktionelle Hinweise
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Die Legenden von Mae Nak, Krasue und Nang Tani werden in mehreren Fassungen erzählt, Namen und Ausgang unterscheiden sich je nach Region und Erzähler. Öffnungszeiten des Schreins und der Termin von Phi Ta Khon können sich ändern, Auskunft geben der Tempel und die Tourismusbehörde TAT in Loei. Wie man mit dem Geisterhäuschen umgeht, ist eine Glaubensfrage: Wer unsicher ist, fragt am besten die Thai-Familie vor Ort.
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