TikTok lockt junge Frauen in Pattayas leere Bars

Ein TikTok-Video verspricht jungen Frauen in Thailand das große Geld. Doch was sie in Pattaya vorfinden, sieht ganz anders aus. Verändert sich die Stadt? Und wie sieht ihre Zukunft aus?

TikTok lockt junge Frauen in Pattayas leere Bars
KI generiertes Symbolbild

Ein TikTok-Video, eine Bar in Pattaya und das Versprechen auf sehr viel Geld: Mit solchen Clips werden junge Frauen vom Land in die Stadt gelockt. Lek aus dem Isaan hat so ein Video gesehen, ihre Sachen gepackt und ist losgefahren. Ich habe mit ihr gesprochen. Was sie erzählt, hat mit den Clips wenig zu tun, und sie ist damit nicht allein. Wer abends durch die Sois von Pattaya und Jomtien geht, sieht es selbst.

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Das Video, das sie aus dem Isaan nach Pattaya lockte

Lek kommt aus dem Isaan, sie ist jung, schlank und hübsch, so wie sich die Gäste in Pattayas Bars die Frauen wünschen. Sie hat ein TikTok-Video gesehen, in dem sich Frauen aus einer Bar in Szene setzen. Sie lachen, sie tanzen, und sie erzählen in die Kamera, sie hätten einen Haufen Geld gemacht, und jeden Tag sei Party.

Solche Videos gibt es wirklich. Sie sind kurz, bunt und gut gelaunt, und sie sagen genau das, was eine junge Frau auf dem Land hören möchte, wenn sie überlegt, wie sie ihrer Familie helfen kann. Für Lek klang das nach einem Ausweg, und sie ist gefahren.

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Was die TikTok-Clips verschweigen

Ein Clip dauert Sekunden, und in Sekunden zeigt man den guten Abend, nie den leeren. Wie viele Frauen schon in der Bar sitzen, sieht man nicht. Wie viele Gäste abends durch die Tür kommen, sieht man auch nicht. Und was eine Frau am Monatsende wirklich mit nach Hause nimmt, erfährt man nirgends.

Auch das Wort Geld sagt nichts: Wie viel, für wen und nach welchen Abzügen, bleibt offen. Wer das Video sieht, rechnet im Kopf mit der besten Zahl und vergisst, dass sie von einem guten Abend stammen kann. Das ist keine Dummheit der Frauen. Es ist ein Video, das genau diesen Eindruck erzeugen soll.

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Die Bar ist voll, der Abend leer

In der Bar, in der Lek jetzt sitzt, ist es voll, aber nicht mit Gästen. Auf den Hockern sitzen Frauen, viele Frauen, und dazwischen wenige Männer oder gar keine. Das ist keine Ausnahme einer einzelnen Bar. Ich sehe es jeden Tag, in Pattaya, in Jomtien und in den kleinen Sois dazwischen: viel Personal und kaum Kundschaft.

Dass die Gäste weniger Geld mitbringen, haben wir heute schon beschrieben: Pattayas Bars zittern vor der Hochsaison. Für einen Wirt ist das eine Frage der Rechnung. Für eine Frau auf dem Hocker ist es eine Frage des Abends, denn ohne Gäste verdient sie wenig.

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Nachbarbars, gleiche Not

Nebenan sieht es genauso aus. Auch dort sitzen Frauen, auch dort wartet das Personal, und sobald ein Gast die Straße entlangkommt, ruft ihn jede Bar in ihre Richtung. Wer an der Tür steht, hat eine Chance, wer drinnen sitzt, wartet. So wird aus Nachbarinnen ganz schnell Konkurrenz um denselben Mann.

Beschäftigte in Pattaya sagen, sie müssten die Touristen heute aktiv ansprechen und zum Bleiben überreden. Dazu kommt, dass Besucher gern durch mehrere Bars laufen, bevor sie sich irgendwo hinsetzen. Jede Bar, die sie dabei auslassen, ist für die Frauen dort ein verlorener Abend.

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Immer mehr Frauen, immer weniger Gäste

Eine Bedienung aus der Soi Buakhao hat es in wenigen Worten gesagt: mehr Beschäftigte, weniger Kundschaft. An manchen Abenden kommen die Frauen früh und warten lange, bis der erste Gast die Bar betritt. Das Trinkgeld bleibt dann aus, und auch die Getränke, an denen sie verdienen, werden nicht bestellt.

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Viele Bars leben vom Ladydrink, dem Getränk, das ein Gast der Frau spendiert und woran sie beteiligt ist. Ohne Gäste gibt es keinen. Und selbst wenn einer kommt, will er manchmal nur das Getränk ausgeben und sie danach nicht mitnehmen. Dann sitzt sie eine Stunde bei ihm, lacht und hört zu, und verdient an dem Abend wenig.

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Sie ist kein Einzelfall

Lek ist kein Einzelfall, und ich sage das so deutlich, weil sich Einzelfälle so leicht abtun lassen. Frauen aus dem Isaan und aus anderen Provinzen kommen seit Jahren nach Pattaya, und das Muster ist immer ähnlich: ein Versprechen, eine Reise, ein Hocker. Nur sind es heute mehr, und das Geld ist nicht mehr geworden.

Frauen, die seit Jahren hier arbeiten, erzählen, dass die Neuen vom Land mit den Videos im Kopf ankommen und glauben, das Geld sei leicht verdient. Eine Zahl dazu hat niemand, und ich will keine erfinden. Aber wer die Sois kennt, erkennt auch die Gesichter, die erst seit ein paar Wochen da sind.

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Was sich in Pattaya gerade verändert

Die Touristen sind nicht verschwunden. Die Hotels in Pattaya waren im ersten Halbjahr nach Angaben von Immobilienberatern zu fast 80 Prozent belegt. Nur geben die Gäste ihr Geld nicht unbedingt in den Bars aus, und bis August kamen in ganz Thailand gut drei Prozent weniger ausländische Besucher. Ein voller Strand ist noch keine volle Bar.

Gleichzeitig suchen sich viele Gäste andere Wege. Sie gehen in kleinere Seitenstraßen, zu freien Frauen oder in einfache Lokale, weil ihnen die Preise der großen Bars zu hoch sind. Was in die leeren Bars nachrückt, haben wir an anderer Stelle beschrieben.

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Was ich vor der Tür sehe

Ich sehe es jeden Tag, und ich schaue nicht wie ein Gast hin, sondern wie ein Mann, der seit Jahrzehnten hier lebt. Frauen stehen am Rand der Straße, tanzen ein wenig, winken, rufen. Aus der Ferne wirkt das wie ein Ritual. Aus der Nähe ist es Arbeit unter Druck, bei der jeder Gast zählt.

Hinter manchem Winken steckt jemand, dem ein Video etwas ganz anderes versprochen hat. Das sieht man den Frauen nicht an, sie lächeln ja, das ist ihr Beruf. Aber wenn ein Gast vorbeigeht, ohne stehen zu bleiben, sieht man, wie lange das Lächeln danach noch hält. Oha.

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Das Versprechen an die Eltern

Lek hat ihren Eltern versprochen, Geld nach Hause zu schicken. Das ist für sie keine Nebensache, sondern der Grund, warum sie überhaupt losgefahren ist. Jeden Monat soll etwas ankommen, und je weniger ihr die Gäste dafür lassen, desto schwerer wird dieses Versprechen.

Was sagt sie ihnen, wenn das Geld ausbleibt? Dass das Video gelogen hat, dass kaum Gäste kommen, dass sie auf dem Hocker sitzt und wartet? Kaum eine Tochter erzählt das am Telefon. Sie sagt, es geht ihr gut, und hofft, dass es morgen besser wird.

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Warum sie nicht einfach heimfährt

Von außen ist der Rat schnell gegeben: Dann fahr doch zurück. Für Lek ist das keine Lösung, solange sie nichts vorzuweisen hat. Wer mit leeren Händen im Dorf ankommt, muss erklären, warum das große Geld ausblieb, und er muss es den Eltern erklären, die darauf gebaut haben.

Dazu kommt, dass die Reise Geld gekostet hat, das erst einmal wieder hereinkommen muss. Und es kommt der Stolz dazu: Eine Tochter, die losgezogen ist, um zu helfen, kehrt nicht gern als der Beweis zurück, dass das Video gelogen hat. Also bleibt sie, und also wartet sie.

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Zurück auf die Farm oder weiter nach Phuket?

Was macht Lek also? Sie hat drei Wege, und keiner ist leicht. Sie kann zurück auf die Farm der Familie fahren. Sie kann in Pattaya bleiben und einen anderen Job suchen, in einem Café, einem Laden oder einem Hotel. Oder sie zieht weiter nach Phuket und hofft, dass es dort besser läuft.

Ob es dort besser läuft, weiß niemand, die Videos zeigen es ja auch nicht. Lek weiß es selbst noch nicht, und ich will ihr keine Antwort in den Mund legen. Ich sehe nur, dass sie abends wieder auf dem Hocker sitzt. Das ist keine Entscheidung, das ist Aufschieben.

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Wenn der Abend zur Gewohnheit wird

Eine Frage will ich stellen, ohne jemandem etwas zu unterstellen: Was geschieht mit einer jungen Frau, die Abend für Abend wartet, mit Musik, Kolleginnen und Alkohol in der Nähe? Manche trinken mit, weil es zum Geschäft gehört, und ein Ladydrink ist nicht immer Saft. Zahlen dazu habe ich keine und werde keine erfinden.

Alkohol und Drogen sind im Nachtleben von Pattaya kein Geheimnis. Dass eine Frau daran zerbricht, die nur Geld für ihre Eltern verdienen wollte, wäre die traurigste Fortsetzung dieser Geschichte. Ich hoffe, dass Lek vorher einen anderen Weg findet. Ob sie ihn findet, weiß ich nicht. Wir werden sehen.

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Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Gestrandete Expats in Thailand ohne Geld für den Rückflug

Stand: 27. Oktober. Lek ist ein Spitzname, weitere Angaben zu ihrer Person und zur Bar bleiben zu ihrem Schutz offen. Aktuelle Zahlen zu Besuchern in Thailand veröffentlichen die Tourismusbehörde TAT und die Bank von Thailand.

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