Gastartikel von Duangdee K. (Khun Daeng)
In Thailand gibt es ursprünglich keine Trinkkultur. Jemanden zum Kaffee oder Tee und Kuchen einzuladen ist hier ziemlich ungewohnt. Wenn man schon jemanden einlädt, dann gleich zu einer richtigen Mahlzeit mit verschiedenen Speisen, warm und kalt. Die verschiedenen Getränke – Wein, Bier, Sekt, Soda, Kaffee, Tee – kamen erst später aus den westlichen Kulturen dazu.
Einladungen zum Essen
Dazu wird nur kaltes Wasser serviert. Wer das nicht weiß, wartet vielleicht vergebens auf ein Glas Wein. Das ist keine Unhöflichkeit, sondern einfach nicht Teil der ursprünglichen Thai-Esskultur. Erst der westliche Einfluss hat hier in den letzten Jahrzehnten etwas verändert – in Restaurants und bei jüngeren Gastgebern findet man heute mehr Auswahl.
Statt einer Kaffeepause gibt es hier von 15 bis 17 Uhr eine Zwischenmahlzeit. Es sind leichte Speisen, „Ahan Wang“ genannt, und oft werden diese kalt verzehrt. Die meisten „Ahan Wang“ wurden ursprünglich von Hofdamen aus lang zurückliegenden Zeiten erfunden und sind bis heute überliefert.
Wenn ein Mann eine junge Dame einlädt
Wenn ein Mann eine junge Dame zum Essen einlädt, um sie näher kennenzulernen, muss er darauf eingestellt sein, dass sie vielleicht noch eine Freundin oder gar zwei Freundinnen ungemeldet mitbringt. Das klingt für Europäer zunächst seltsam – hat aber einen klaren historischen Hintergrund.
Früher durften Töchter niemals alleine ausgehen und wurden auch nie alleine zu Hause gelassen. Wollte ein junger Mann ein Mädchen besser kennenlernen, war es üblich, dass er direkt zu ihr nach Hause kam – in Anwesenheit der Eltern. Heute machen viele junge Frauen dieses Ritual noch mit, weil sie es nicht gewohnt sind oder zu schüchtern sind, zu zweit mit einem fremden Mann zu essen.
Geburtstagsfeier bei den Thais
Geburtstagspartys zu veranstalten, Freunde und Verwandte einzuladen – das alles mit Büffet und Getränken – kommt in Thailand traditionell kaum vor. Heutzutage ahmen viele der jüngeren Generationen westliche Gepflogenheiten nach. In Büros und bei Firmen ist das schon seit etwa zehn Jahren zur Gewohnheit geworden: Kuchen, leuchtende Kerzen, „Happy Birthday“ im Chor der Kollegen, dann schneidet das Geburtstagskind an und verteilt.
Viele Thais feiern ihren Geburtstag heute noch so wie früher: Das Geburtstagskind macht selbst Geschenke. Es erwerben sich dabei Verdienste, indem es Mönche am Wegesrand mit Speisen versorgt oder Mönche ins Haus zum Mittagessen einlädt. (Man muss sich zuvor mit dem Abt des jeweiligen Tempels in Verbindung setzen und einen Termin vereinbaren.)
Thambun: Verdienste erwerben durch Geben
Wer als Ausländer einige Zeit in Thailand gelebt hat, wird das Wort „Thambun“ schon einmal gehört haben. Thambun heißt wörtlich übersetzt: „selig machen“. Neben dem Thambun mit Speisen an Mönchen spenden wohlhabende Thais auch Haushaltsgegenstände – zum Beispiel Malhefte, Märchenbücher und Spielsachen für Waisenkinder, Mittagessen in Seniorenheimen oder Futter für streunende Tiere in Tierheimen.
Nach der buddhistischen Lehre soll der Mensch mehr geben als nehmen, um Selbstsucht abzubauen. Man soll das Naturgesetz respektieren: nach der Geburt erfolgt der Tod. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Deswegen wurden Thais erzogen, bescheiden zu leben, sich selbst nicht für wichtig zu nehmen und sich nicht in den Mittelpunkt zu stellen.
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Die drei Stufen des Gebens nach dem Buddha
Der Buddha teilte die Verdienste des Gebens in drei Stufen ein. Die unterste ist Watthu Thaan: materielles Geben – Kleidung, Essen, Wohnung, Geld. Das ist der geringste Verdienst und bleibt immer auf der untersten Stufe, egal wie viel Geld jemand ausgibt. Die mittlere Stufe ist Witthaya Thaan: Wissen vermitteln, Unterricht geben. Durch den Unterricht hat der Lernende die Chance, seine Intelligenz zu entfalten und einen guten Weg im Leben zu gehen.
Die allerhöchste Stufe ist Aphaiya Thaan: Verzeihung geben, Freiheit geben durch Vergebung von Schuld. Das ist die höchste Form des Gebens – obwohl man dabei keinen einzigen Baht ausgeben muss. Durch die Vergebung werden Rachepläne und damit alle bösen Gedanken ausgelöscht. Für viele Europäer ist das die überraschendste Rangfolge: dass Geld geben am wenigsten zählt und Vergeben am meisten.
Was der Staat für Senioren tut
Derzeit gibt es in ganz Thailand 12 staatliche Altersheime, davon in Bangkok zwei Filialen des „Ban Bang Khae“. Der thailändische Staat unterstützt Senioren, die keine Verwandten haben, kinderlos oder unverheiratet sind.
Im Allgemeinen werden Großeltern von ihren Kindern versorgt. Das ist in Thailand keine Frage der Gefälligkeit, sondern gesellschaftliche Selbstverständlichkeit – und hängt unmittelbar mit der buddhistischen Erziehung zusammen: Wer bescheiden lebt und gibt, darf erwarten, dass die eigene Familie für ihn da ist.
Redaktionelle Hinweise
Dieser Text ist ein Gastbeitrag und gibt die persönliche Perspektive und Erfahrung der Autorin wieder.
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Zur Autorin: Duangdee K. wuchs in der Residenz des thailändischen Botschafters auf, besuchte neun Jahre lang die Grundschule in Bonn und wurde 1967 in Deutschland getauft und konfirmiert. Zurück in Bangkok arbeitete sie 23 Jahre in deutschen Unternehmen, darunter Hoechst AG und Quelle Nürnberg.
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Persönliche Perspektiven kann man selbstverständlich nicht widerlegen, man darf Diese aber mit den eigenen Erfahrungen ergänzen. Da zu möchte ich anfügen daß ich schon vor mehr als 30 Jahren westliche Gepflogenheiten, wie Alkohol zu den Mahlzeiten, Kaffee/Tee Einladung, großartige Geburtstagsfeiern und vorallem Geld als oberste Belohnung bei thailändischen Menschen als Normalität vorfand. Vermutlich nicht im Isaan, aber überall dort wo der klassische Farang die Wege thailändischer Kultur kreuzte.