Thailand: Elefanten leiden in Camps – das Geschäft mit dem Tourismus

Elefanten in Thailand: Hinter bunten Touristenfotos steckt oft Leid statt Luxus. Wie Camps mit den sensiblen Riesen umgehen – und ob es einen Weg aus dem Geschäft mit der Ausbeutung gibt?

Elefantenbaby in Kanchanaburi gerettet
KhaoSod

Seit Jahrhunderten gelten Elefanten in Thailand als mächtige Symbole für Stärke und Weisheit. Eng verwoben mit Kultur und Tradition begleiteten sie das Volk einst in der Landwirtschaft, beim Holztransport und sogar in der Kriegsführung.

Der Wendepunkt kam 1989 mit einem strengen Abholzverbot. Tausende Arbeitselefanten verloren plötzlich ihre Aufgabe und wurden in die Tourismusindustrie gedrängt. Was als Überlebensstrategie begann, entwickelte sich schnell zu einem boomenden, oft grausamen Geschäft.

Schatten im Paradies: Die Realität der Camps

Laut World Animal Protection leben heute rund 4.000 Elefanten in thailändischen Gefangenschaftslagern. Hinter den bunten Postkartenbildern verbergen sich oft brutale Trainingsmethoden, Isolierung von der Herde und chronischer Stress für die sensiblen Riesen.

Hatai Limprayoonyong von WAP warnt: „Elefanten sind soziale Wesen, die eine Gemeinschaft brauchen.“ Wenn Touristen reiten oder direkt baden, wird nicht nur das Tier missverstanden, es entstehen auch gefährliche Situationen für Mensch und Elefant.

Ein Lichtblick: Der Weg zu elephantenfreundlichen Sanctuaries

Der Wandel ist machbar. Seit 2017 unterstützt WAP Camps bei der Umstellung auf artgerechte Haltung. Ein Vorzeigeprojekt ist „Chang Chill“ in Chiang Mai, das in nur sechs Monaten Reiten und Zwangskontakte abschaffte und Besuchern nun respektvolles Beobachten ermöglicht.

Zwar verschärften finanzielle Einbrüche durch fehlende Touristen die Krise vieler Camps, doch sie befeuern auch den Drang nach nachhaltigeren Modellen. Immer mehr Einrichtungen erkennen, dass respektvoller Tourismus langfristig profitabler und ethisch vertretbar ist.

Rechtliche Schlupflöcher und der Kampf um Schutz

Ein großes Hindernis bleibt das thailändische Recht: Elefanten gelten oft noch als „Lasttiere“, was Privateigentum regelt und Ausbeutung legalisiert. Zudem decken fragwürdige Exporte zu Bildungszwecken oder als diplomatische Geschenke ein dunkles Handelsnetz auf.

Dagegen wehrt sich eine Allianz aus NGOs und Regierungsvertretern mit einem neuen Gesetzentwurf, der kommerzielle Zucht und grausame Dressur verbieten soll. „Wir wollen, dass die jetzigen Gefangenen die letzte Generation bleiben“, betont Limprayoonyong hoffnungsvoll.

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