BANGKOK – Thailand und Großbritannien rücken im Kampf gegen den massiven Cannabisschmuggel eng zusammen. Am Mittwoch starteten Zollbehörde und die britische National Crime Agency eine gemeinsame Grenzschutz- und Durchsetzungspartnerschaft. Die neuen Zahlen offenbaren ein Milliardengeschäft: Allein ins Vereinigte Königreich gingen fast 14 Tonnen Cannabis – rund zwei Drittel aller Schmuggelfälle.
Neue Allianz soll Export illegaler Cannabis-Ladungen stoppen
Zolldirektor Panthong Loykulnan, der stellvertretende britische Botschafter David Thomas und NCA-Ermittlungsleiterin Beki Wright stellten die Zusammenarbeit im Zollhauptquartier in Bangkok vor. Im Mittelpunkt steht der schnellere Austausch von Geheimdienstinformationen, gemeinsame Kontrollen von Passagieren und Fracht sowie die Unterbindung illegaler Exporte.
Panthong betonte, dass Cannabis ausschließlich für autorisierte medizinische Zwecke ausgeführt werden dürfe. Jede Ladung müsse sowohl von thailändischen Behörden als auch vom Zielland genehmigt sein.
Britische Route dominiert mit 65 Prozent aller Abfänge
Im laufenden Geschäftsjahr 2026 – das vom 1. Oktober 2025 bis Ende Juni reicht – registrierten Zollbeamte 3.309 Cannabis-Schmuggelfälle. Sie beschlagnahmten 37.210 Kilogramm mit einem Schätzwert von über 474 Millionen Baht im Inland.
Allein 2.133 Fälle oder 65 Prozent entfielen auf Sendungen mit Ziel Großbritannien. 13.960 Kilogramm Cannabis wurden hier abgefangen. Umgerechnet auf britische Straßenpreise liegt der Wert bei mehr als 6,2 Milliarden Baht.
Organisierte Banden ködern Briten mit Gratis-Reisen
Nach Erkenntnissen der Ermittler rekrutieren kriminelle Netzwerke vor allem junge britische Staatsbürger über soziale Medien. Sie locken mit kostenlosen Flügen, Unterkunft und Taschengeld. Im Gegenzug sollen die Angeworbenen Cannabis im Gepäck nach Hause schmuggeln.
Verhaftete Kuriere werden nach der Festnahme jedoch sofort fallengelassen. Die Hintermänner verschwinden und überlassen die Schmuggler allein der Strafverfolgung.
Thailand verhängt saftige Finanzstrafen für Kiffer-Exporte
Seit dem 17. Juni gilt eine neue finanzielle Sanktion: Wer beim Cannabisschmuggel erwischt wird, muss das Rauschgift abgeben und eine Geldstrafe von 30.000 Baht pro beschlagnahmtem Kilogramm zahlen. Verweigert ein Täter die Zahlung, droht ein gerichtliches Strafverfahren.
Zollchef Panthong nennt die härtere Gangart einen Meilenstein. Sie mache deutlich, dass Thailand illegale Cannabis-Ausfuhren nicht länger hinnehme und Wiederholungstäter hart bestraft würden.
71 Festnahmen und 1,3 Tonnen Cannabis in drei Wochen
Die Wirkung der neuen Regeln zeigt sich bereits. Zwischen dem 17. Juni und dem 7. Juli nahmen Zollfahnder an internationalen Flughäfen 71 mutmaßliche Cannabisschmuggler fest. In diesem Zeitraum stellten die Beamten rund 1,3 Tonnen der Droge sicher.
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Die Ermittler glauben, dass die höheren Strafen und die dichter gewordenen Kontrollen die Abschreckung erhöhen. Viele Abfänge sollen inzwischen gelingen, bevor das Gepäckstück überhaupt ins Flugzeug gelangt.
Britische Festnahme-Zahlen explodieren seit 2023
Auf britischer Seite stiegen die Verhaftungen von Cannabis-Kurieren rasant. 2023 fassten die Behörden 142 Schmuggler, im Jahr darauf bereits 801. 2025 waren es 976 Verdächtige. Bis zum 23. Juni 2026 kamen schon 600 Festnahmen dazu.
Die meisten Rekruten erhalten laut NCA ihre Anwerbe-Nachrichten auf Plattformen wie Instagram oder Telegram. Nach der Festnahme sitzen sie ohne jede Unterstützung der kriminellen Drahtzieher in Haft und sehen sich dort mit schweren Drogenanklagen konfrontiert.
Smuggel-Routen weiten sich aus – Abfänge auch in Polen, Indonesien und Hongkong
Behörden schlagen Alarm, weil die Schmuggelnetzwerke ihre Aktivitäten international ausdehnen. Erst in der vergangenen Woche meldeten Polen, Indonesien und Hongkong große Cannabis-Abfänge, deren Spur nach Thailand führte.
Teilweise räumten thailändische Beamte ein, dass im Ausland gestoppte Ladungen ursprünglich mit einer gültigen Exportlizenz ausgeführt worden waren. Das schürt die Sorge, dass selbst autorisierte Lieferungen umgeleitet oder zweckentfremdet werden.
Vom liberalen Experiment zur Rückkehr strenger Drogengesetze
Thailand hatte Cannabis im Jahr 2022 entkriminalisiert. Die Lockerung lockte Urlauber und kleinere Händler an, öffnete aber auch Schlupflöcher für internationale Kartelle. Nun signalisieren Regierung, Gesundheitsministerium und die einflussreiche Bhumjaithai-Partei eine Kehrtwende.
Die Königlich Thailändische Polizei fordert seit Langem mehr Durchsetzungsbefugnisse. Fachleute erwarten, dass Cannabis in absehbarer Zeit wieder als Betäubungsmittel eingestuft wird. Bis dahin setzen die Behörden auf scharfe Kontrollen und eine enge Abstimmung mit ausländischen Partnern.
Britische Technik und Aufklärungskampagnen als weitere Bausteine
Das Vereinigte Königreich unterstützt die thailändischen Zöllner mit mobiler Röntgentechnik und Schnelltest-Kits für Cannabis. Spezialisten der National Crime Agency und von Home Office International Operations arbeiten direkt mit thailändischen Kräften bei Passagier- und Frachtscreenings zusammen.
Zugleich will London die Aufklärung der eigenen Bevölkerung verstärken. Kampagnen sollen über die harten Strafen für Cannabis-Schmuggel informieren und vor den Versprechungen krimineller Anwerber warnen.
Thailand will sein Image retten – und noch mehr Cannabis-Lieferungen stoppen
Zolldirektor Panthong versprach, die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern weiter auszubauen. Grenzsicherheit, Datenaustausch und gemeinsame Einsätze blieben das Herzstück der Strategie, um den Schmuggel einzudämmen.
Ziel sei es, das Vertrauen des Auslands zurückzugewinnen und Thailands Rolle bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität zu stärken. Die nächsten Monate dürften zeigen, ob die neue Partnerschaft die Abfangquote weiter in die Höhe treibt.



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