Falsche Thai-Väter für Chinesen-Kinder

Am Flughafen flogen zwei Fälle auf: Ein Junge hatte sogar zwei Geburtsurkunden, und die Fahnder prüfen nun Krankenhäuser und Ämter im ganzen Land.

Falsche Thai-Väter für Chinesen-Kinder
KhaoSod

BANGKOK, THAILAND – Thailands Einwanderungspolizei hat zwei Netzwerke aufgedeckt, die Kindern chinesischer Eltern mit falschen thailändischen Vätern die Staatsbürgerschaft verschafft haben sollen. Einer der leiblichen Väter wird in China wegen Betrugs und Geldwäsche gesucht, es geht um 2,5 Milliarden Baht und 133 Bankkonten. Die Ermittlungen reichen inzwischen bis in Krankenhäuser und Registrierungsbehörden.

Google Werbung

Neue Festnahmen am Flughafen

Polizei-Generalleutnant Nopasilp Poonsawat, Chef der Einwanderungsbehörde, gab am Mittwoch, 4. November, am Flughafen Suvarnabhumi neue Festnahmen bekannt. An seiner Seite standen Naruetcha Kosasitwilai, Generaldirektor der Provinzverwaltungsbehörde, und hochrangige Einwanderungsbeamte.

Beide leiblichen Väter werden in China von den Behörden gesucht. Die Aktion gehört zu einem Vorgehen der Regierung von Premier und Innenminister Anutin Charnvirakul. Aufgefallen sind falsche Geburtseinträge, gefälschte Krankenhausdokumente und fragwürdige behördliche Genehmigungen.

Google Werbung

Acht Monate altes Baby, keine Erklärung

Am 25. Oktober sprachen Beamte am Flughafen zwei Erwachsene mit einem acht Monate alten Jungen an. Es waren der 40-jährige Thailänder Ratthaphon und die 26-jährige Chinesin Yingxue. Das Kind war als Thai registriert.

Misstrauisch wurden die Beamten, weil die beiden ihre angebliche Verwandtschaft kaum erklären konnten. Ihre Antworten lösten weitere Prüfungen der Geburtsregistrierung und der eingetragenen Elternschaft aus.

Google Werbung

Leiblicher Vater wegen Schulplatz-Betrugs gesucht

Der leibliche Vater ist der 32-jährige Chinese Haitao, Mitarbeiter einer Firma für Inhaltserstellung. Chinas Behörden suchen ihn wegen Betrugs mit dem Versprechen, Schulplätze zu vermitteln.

Die chinesischen Eltern sollen die Geburt in Thailand geplant und Ratthaphon angeworben haben, damit er die Vaterschaft fälschlich anerkennt. Am 31. Oktober erließ das Provinzgericht Pattaya Haftbefehle gegen alle drei Erwachsenen wegen falscher Angaben und gefälschter Dokumente. Sie wurden festgenommen.

Google Werbung

Zwei Geburtsurkunden für einen Jungen

Am 27. Oktober stoppten Beamte die 31-jährige Chinesin Xiangjun, die mit ihrem zweijährigen Sohn ausreisen wollte. Ihre Aufenthaltserlaubnis beruhte auf ihrer Verantwortung für ein thailändisches Kind.

Der Junge besaß zwei Geburtsurkunden. Die erste führte ihn als Thai mit dem 26-jährigen Chatmongkol als Vater, die 53-jährige Thongsom bescheinigte die Geburt. Die zweite nannte ihn Ausländer und den 32-jährigen Chinesen Yiemjum als Vater.

Google Werbung

Vier Haftbefehle, ein Flüchtiger

Im Registrierungsverfahren tauchte ein gefälschtes Krankenhausdokument auf. Das Strafgericht Bangkok Süd erließ Haftbefehle gegen Yiemjum, Xiangjun, Chatmongkol und Thongsom wegen falscher Beweise und Angaben.

Stört Sie die Werbung?
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
ZUM ANGEBOT

Chinas Polizei sucht Yiemjum bereits wegen geschätzter Verluste von 500 Millionen Yuan. Die Nationalität des Sohnes stützte die Aufenthaltserlaubnis der Mutter. Dass sie zur Geldwäsche diente, haben die Ermittler nicht festgestellt.

Google Werbung

Beamter für Geburtseinträge unter Verdacht

Im zweiten Fall richtet sich die Untersuchung gegen Wiwatchai, der im Nordosten Thailands Geburten registriert. Ein Ausschuss der Provinzverwaltungsbehörde prüft mutmaßlich schwere Dienstverstöße. Empfohlen wurde seine Suspendierung.

Geprüft werden eingereichte Dokumente, akzeptierte Erklärungen und die befolgten Abläufe. Eine falsche Vaterschaftserklärung in den Akten kann später Anträge auf thailändische Ausweise stützen.

Google Werbung

1.483 verdächtige Einträge in acht Krankenhäusern

Landesweit fielen 1.483 verdächtige Einträge zur Staatsangehörigkeit auf, verbunden mit acht Krankenhäusern. Das sind Fälle zur Prüfung, keine 1.483 bewiesenen Betrugsfälle.

Die Ermittlungen laufen in der dritten Phase. Im April waren es drei Kinder und sechs Festnahmen, im Juli 22 weitere Kinder und Dutzende Festnahmen. Bis zum 27. Oktober kamen 46 Haftbefehle hinzu.

Google Werbung

DNA-Tests widerlegen die Väter

Tests bei 24 Personen ergaben, dass keine von ihnen biologisch mit dem eingetragenen thailändischen Vater verwandt ist. Über alle drei Phasen meldet die Polizei 67 Festnahmen und 74 vollstreckte Haftbefehle.

Auch 23-jährige Zwillinge geraten ins Visier, deren Geburtsurkunden ebenfalls einen nicht verwandten Thailänder nennen. Einer studiert im fünften Jahr Medizin mit Klinikausbildung in Chon Buri, sein Bruder arbeitet nach dem Abschluss an der Hongkonger Universität für Wissenschaft und Technologie als Programmierer.

Google Werbung

Ein Eintrag, 27 Jahre alt

Manche Einträge sind Jahrzehnte alt. Die Geburtsurkunde eines 27-Jährigen nennt einen thailändischen Vater und eine chinesische Mutter, ein DNA-Test aber einen Chinesen als leiblichen Vater.

Der Mann ist Absolvent der King Mongkut’s University of Technology Thonburi im Wirtschaftsingenieurwesen und verdient bei einer Kabelfirma in Samut Prakan rund 30.000 Baht im Monat. Die Polizei nahm ihn und seine chinesischen Eltern in Bangkok fest.

Google Werbung

Glücksspiel-Flüchtiger in Pattaya gefasst

Am 20. Oktober nahmen Einwanderungspolizisten den 37-jährigen Chinesen Li Jianlu in seinem Haus in Pattaya fest. Er wurde per roter Interpol-Ausschreibung wegen Online-Glücksspiels im Umfang von rund 1,5 Milliarden Baht gesucht.

Seine zweijährige Tochter war als Kind eines 22-jährigen Thailänders eingetragen. Ihre chinesische Mutter Yourui Wang erhielt damit eine Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis. Nopasilp will die Staatsbürgerschaft des Mädchens widerrufen und prüft die Verantwortlichen der Eintragung.

Google Werbung

Die Lücke im Staatsangehörigkeitsrecht

Nach thailändischem Recht erhält ein Kind mit thailändischem leiblichem Vater oder Mutter grundsätzlich die Staatsbürgerschaft, bei zwei ausländischen Eltern gilt das nicht automatisch. Genau diese Lücke nutzten die Netzwerke, indem sie thailändische Männer fälschlich als Väter chinesischer Kinder eintrugen.

Die Polizei kennt Fälle, in denen Thailänder Geld für die Eintragung einer Ehe mit Chinesinnen erhielten. So soll der als Vater des 27-Jährigen Eingetragene vor 27 Jahren 5.000 Baht bekommen haben.

Google Werbung

Immobilien im Blick, Reform des Gesetzes von 1965 geplant

Mit thailändischem Pass gelten weitergehende Rechte bei Landbesitz und Geschäften. Die Polizei prüft Verbindungen zu Immobilienkäufen und Geldwäsche, im September kündigte das Innenministerium eine Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes von 1965 an.

Google Werbung

Was denkst du darüber?

Lesen Sie auch: Bankkonto-Betrug: Ältere trifft es am härtesten

Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

Newsletter abonnieren

Newsletter auswählen:
Abonnieren Sie den täglichen Newsletter des Wochenblitz und erhalten Sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und exklusive Inhalte direkt in Ihr Postfach.

Wir schützen Ihre Daten gemäß DSGVO. Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Thai Examiner

Wichtiger Hinweis für unsere Leser

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln:

  • Höflichkeit: Keine Beleidigungen, Kraftausdrücke oder Gewaltandrohungen.
  • Sorgfalt: Bitte achten Sie auf die korrekte Schreibweise von Namen.
  • Quellen: Zitate nur mit Namensnennung (Internet-Links/URLs sind nicht erlaubt).
  • Themen: Bitte keine Kritik an der Regierung, der Monarchie oder Diskussionen zur Moderation.
Vorbehalt der Redaktion: Wir behalten uns das Recht vor, Kommentare nachträglich zu bearbeiten oder zu löschen, sollten diese gegen unsere Regeln oder geltendes Recht verstoßen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Daten bleiben 30 Tage lokal im Browser-Cookie.