Betrug ums Geld gehört in Thailand zu den häufigsten Straftaten gegen Ausländer. Die Täter rufen an, schreiben per SMS oder Line und setzen ihre Opfer unter Zeitdruck. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, die mit Online-Banking weniger vertraut sind und Behörden eher glauben. Das Geld ist oft nach wenigen Minuten weg. Wer die Maschen kennt und weiß, was Banken und Behörden inzwischen tun, kann sich gut schützen.
Ältere Opfer verlieren am meisten
Die meisten Betrugsmeldungen stammen von Menschen im Erwerbsalter. Bei Opfern ab 60 Jahren zeigt die Statistik der Cyberpolizei ein anderes Bild: Von Januar bis August stellten sie gut 8 Prozent der Anzeigen, aber fast 29 Prozent des Schadens. Der Gesamtschaden lag bei rund 11 Milliarden Baht, etwa 290 Millionen Euro.
Im Schnitt verlor ein älteres Opfer etwa 176.000 Baht, rund 4.600 Euro. Über alle Altersgruppen lag der Schnitt bei rund 50.000 Baht. Die Polizei nennt Anlagebetrug, falsche Behördenanrufe, Scheinjobs und angebliche Gewinne als häufigste Maschen bei Älteren. Ältere Ausländer gelten als Ziel, weil sie oft weniger technikerfahren sind und Behörden respektieren.
Falscher Polizist am Telefon
Der Anruf beginnt oft mit einem angeblichen Problem: Ein Paket mit verbotenem Inhalt sei auf den Namen des Opfers registriert. Der Anrufer gibt sich als Post, Zoll oder Bank aus und verbindet dann zu einem „Polizeibeamten“. Dieser meldet sich per Line-Videoanruf, in Uniform und vor einer Kulisse, die wie eine Polizeiwache aussieht.
Die Polizei stellt klar, dass echte Beamte niemanden per Line oder Videoanruf zu Überweisungen auffordern. Bei einer Razzia in einem Bangkoker Anwesen im September fanden Ermittler eine nachgestellte Polizeiwache, die für solche Videoanrufe gebaut war. Das angebliche Prüfungskonto gehört den Tätern. Wer Druck spürt, legt auf und ruft die Behörde selbst an.
Online-Banking Thailand: Überweisungen laufen in Sekunden
Das Zahlungssystem PromptPay überträgt Geld in Echtzeit zwischen thailändischen Bankkonten. Für Kunden ist das bequem, für Täter ebenfalls. Ist eine Überweisung ausgeführt, entscheiden die ersten Minuten. Je schneller ein Betrug gemeldet wird, desto eher können Banken und Polizei Restbeträge einfrieren.
Dass schnelles Handeln wirkt, zeigt eine Woche Anfang Juli: Die Betrugsabwehr der Polizei stoppte gemeinsam mit den Banken Überweisungen von 28 Opfern rechtzeitig. Verluste von mehr als 2 Millionen Baht, etwa 55.000 Euro, kamen so nicht bei den Tätern an. Jede Überweisung unter Druck sollte deshalb zuerst angehalten werden.
Strohmann-Konten und Ihr Bankkonto in Thailand
Betrüger brauchen Konten, auf die Opfer überweisen. Dafür werben sie Personen an, die gegen Bezahlung ein Konto auf ihren Namen eröffnen und die Zugangsdaten weitergeben. Diese sogenannten Mule Accounts, auf Deutsch Strohmann-Konten, verschleiern die Spur des Geldes. Wer sein Konto verleiht, macht sich strafbar.
Banken prüfen Konten deshalb strenger und sperren verdächtige schneller. Geplant ist, dass bei einem erkannten Strohmann alle Konten dieser Person bei allen Banken gesperrt werden. Außerdem soll die Person keine neuen Konten eröffnen dürfen. Wer zu Unrecht gesperrt wird, kann seine Identität nachweisen, die Bank prüft den Fall dann.
Gefälschte Bank-Apps per Link
Eine verbreitete Masche läuft über SMS oder Line. Das Opfer erhält einen Link zu einem angeblichen Update der Bank-App, einer Behörden-App oder einer staatlichen Hilfe. Die Datei wird außerhalb des offiziellen App-Stores geladen und ist in Wahrheit eine Schadsoftware.
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Die Software gibt den Tätern Fernzugriff auf das Handy. Sie sehen den Bildschirm mit, auch die PIN der Banking-App, und überweisen dann selbst. Die Polizei warnt besonders Rentner vor solchen Apps. Nach Angaben des thailändischen Bankenverbands verschicken Banken keine SMS mit Links und verlangen nie, eine Line-ID hinzuzufügen.
Phishing-SMS im Namen der Bank
Phishing-Nachrichten tragen oft Namen und Logos bekannter Banken. Sie warnen vor einer gesperrten Karte oder einem Sicherheitsproblem und fordern auf, sich über einen Link anzumelden. Auf der gefälschten Seite geben Opfer Benutzername, Passwort und Einmalcode ein.
Die Bank of Thailand will Banken künftig untersagen, Links per SMS oder E-Mail zu verschicken. Das ist bisher ein Entwurf. Bis dahin gilt: Nachrichten mit Link nie öffnen, die Bank-App immer selbst starten und Mitteilungen der Bank dort prüfen. So kann ein gefälschter Link keinen Schaden anrichten.
Falsche Anlageangebote auf Facebook
Facebook ist der wichtigste Kanal für Betrug. Im ersten Halbjahr lief nach Angaben des thailändischen Verbraucherrats mehr als jeder zweite Fall darüber. Es geht um gefälschte Konten, Werbung für Geldanlagen und Anbieter, die sich als bekannte Firmen oder Personen ausgeben.
Bei älteren Opfern steht Anlagebetrug laut Polizei beim Schaden an erster Stelle. In Pattaya traf es vor allem ältere Expats: Die Angebote verbreiteten sich über Freunde, Seminare und Mundpropaganda. Viele britische, australische, amerikanische und europäische Rentner verloren dabei Ersparnisse, die sie für sicher hielten.
Gebühren am Geldautomaten
Ausländische Karten kosten an thailändischen Geldautomaten eine feste Gebühr pro Abhebung. Sie liegt bei mindestens 250 Baht, etwa 6,50 Euro, an manchen Automaten bei bis zu 350 Baht. Geräte in Minimärkten und Hotellobbys verlangen oft mehr als die Automaten der großen Banken.
Hinzu kommen Gebühren der eigenen Bank. Wenige größere Abhebungen sind deshalb günstiger als viele kleine. Die meisten Automaten geben höchstens 20.000 bis 30.000 Baht pro Vorgang aus, etwa 530 bis 790 Euro. Das Limit der Karte und die Gebühr der eigenen Bank sollten vorher geklärt sein.
Euro-Umrechnung beim Abheben
Viele Automaten und Kartenterminals bieten an, den Betrag gleich in Euro abzubuchen. Das heißt Dynamic Currency Conversion. Es wirkt bequem, der Umrechnungskurs ist aber schlecht. Reiseratgeber nennen einen Aufschlag von drei bis acht Prozent gegenüber dem Kurs der eigenen Bank.
Bei 10.000 Baht, etwa 260 Euro, sind das bis zu 21 Euro mehr. Richtig ist immer die Abrechnung in Baht, die Umrechnung übernimmt dann die eigene Bank. Am Automaten heißt die Auswahl meist „ohne Umrechnung“ oder „in Thai Baht“. Dieselbe Regel gilt an Kartenterminals in Geschäften und Restaurants.
Tageslimit, zweites Konto und Gesichtsscan
Ein niedriges Überweisungslimit begrenzt den Schaden, falls Täter Zugriff auf die Banking-App bekommen. Ob und wie sich ein Limit einstellen lässt, sagt die eigene Bank. Sinnvoll ist auch ein zweites Konto mit kleinem Guthaben für die Karte, während das Hauptvermögen ohne Kartenzugriff bleibt.
Bei Überweisungen in der Banking-App ab 50.000 Baht, etwa 1.300 Euro, verlangen die Banken schon seit Längerem einen Gesichtsscan. Dasselbe gilt, wenn die Überweisungen an einem Tag 200.000 Baht erreichen, etwa 5.300 Euro. Ein Entwurf der Bank of Thailand sieht strengere Vorgaben gegen gefälschte Gesichter vor und will SMS-Einmalcodes abschaffen. Wann das gilt, ist nicht bekannt.
Betrug anzeigen: Hotline 1441 und Polizei
Die Hotline 1441 des Anti-Online Scam Operation Center ist rund um die Uhr erreichbar. Dort lässt sich ein Betrug melden und das Empfängerkonto sperren. Nach einem Betrug gilt diese Reihenfolge: zuerst die eigene Bank anrufen, dann 1441, danach die Anzeige bei der Polizei. Belege und Referenznummern bleiben aufbewahrt.
Die formelle Anzeige läuft über das Online-Portal der Polizei, thaipoliceonline.go.th, oder bei einer Polizeistation. Das Protokoll wird auf Thailändisch geschrieben, die Touristenpolizei kann beim ersten Schritt helfen. Wer anbietet, gegen Gebühr das Geld zurückzuholen, betrügt ein zweites Mal. Behörden verlangen dafür kein Geld.
Wer zahlt den Schaden bei Betrug?
Thailand hat die Haftung verschärft. Nach der geltenden Notverordnung müssen Banken, Telekomfirmen und Plattformen mithaften, wenn sie ihre Pflichten verletzen. Seit Mitte August gibt es ein Erstattungsverfahren über die Geldwäschebehörde AMLO. Opfer melden den Schaden dort elektronisch, die Frist beträgt 90 Tage ab der Bekanntmachung im Amtsblatt. Ein Ausschuss prüft den Fall.
Ob eine Versicherung zahlt, steht in den Bedingungen. Eine Hausratversicherung deckt digitalen Betrug in der Regel nicht, dafür gibt es Zusatzbausteine. Ob Schäden durch Betrug im Online-Banking versichert sind, sollte der Versicherer vorab schriftlich bestätigen.
Handlungsempfehlungen in Kurzform
Installieren Sie nie Apps aus Links in SMS oder Chats, sondern nur aus dem offiziellen Store. Legen Sie bei Anrufen von angeblicher Polizei, Post oder Bank sofort auf und rufen Sie die Stelle selbst an. Geben Sie PIN und Einmalcode an niemanden weiter. Echte Behörden fordern keine Überweisung auf ein Prüfungskonto.
Speichern Sie 1441 und die Sperrnummer Ihrer Bank getrennt vom Handy. Bei Verdacht auf Fernzugriff trennen Sie das Gerät sofort vom Internet, zum Beispiel mit dem Flugmodus, und rufen die Bank von einem anderen Telefon an. Schnelles Handeln kann Restbeträge retten, bevor das Geld weitergeleitet wird.
Redaktionelle Hinweise
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Die geplanten Neuerungen zur Sicherheit im Online-Banking sind bisher ein Entwurf der Bank of Thailand, die endgültige Regel kann abweichen. Aktuelle Hinweise gibt es bei der Bank of Thailand, auf thaipoliceonline.go.th und bei der eigenen Bank. Umrechnung: 1 Euro entspricht etwa 38 Baht.

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