MAE SOT, THAILAND – Eine dubiose Bildungsagentur soll rund 350 junge Burmesen mit falschen Versprechungen nach Finnland gelockt und ihnen Tausende Euro aus der Tasche gezogen haben. Finnische Behörden ermitteln nun wegen schwerer Erpressung gegen die Firma Brighter Future Way (BFW), deren Gründer bereits hinter Gittern sitzt.
Traumjob in Finnland – das große Versprechen
BFW warb in Mae Sot gezielt burmesische Flüchtlinge an, die nach dem Militärputsch 2021 über die Grenze geflohen waren. Die Agentur versprach Sprachkurse und direkte Vermittlung in finnische Berufsausbildungen – Krankenpflege, Instandhaltung oder Gastronomie.
Zielgruppe waren junge Menschen ohne Perspektive, die auf eine Aufenthaltserlaubnis und ein stabiles Leben in Europa hofften, wie BBC-Recherchen belegen.
10.000 Euro pro Kopf – und dann alles selbst gemacht
Pro Bewerber kassierte BFW rund 10.000 Euro – 8.000 Euro für angeblichen Sprachunterricht, 2.000 Euro für Visumsbearbeitung und Anträge. Doch laut Betroffenen gab es kaum richtigen Unterricht, viele paukten Finnisch mit Kommilitonen.
Gleichzeitig mussten die Studenten ihre Visumsunterlagen größtenteils selbst zusammensuchen. Fünf von ihnen wurde die Aufenthaltserlaubnis schließlich verweigert – wegen unzureichender Finanznachweise und verspäteter Papiere.
"Ich wollte nur meiner Familie helfen"
Die 19-jährige Ma Naw Phaw schloss sich dem Programm an, um ihrer Familie finanziell unter die Arme zu greifen. Ihr Antrag wurde abgelehnt, das eingezahlte Geld bekam sie nicht zurück.
Mehrere Familien mussten Land verkaufen oder Kredite aufnehmen, um die horrenden Gebühren zu stemmen. Viele blieben nach dem Abbruch des Programms hoch verschuldet in Thailand sitzen.
Ermittler sprechen von "schwerer Erpressung"
Der finnische Grenzschutz hat eine großangelegte Untersuchung eingeleitet, die Rekrutierungen zwischen 2022 und 2025 unter die Lupe nimmt. Im Raum steht der Verdacht auf „schwere Erpressung“ durch völlig überhöhte Gebühren.
Ermittler Juho Sillanpaa warnt: Der Fall könnte weitreichende Folgen haben. Bisherige Fälle dieser Art seien kleiner gewesen, doch jetzt gehe es um ein systematisches Geschäftsmodell zulasten von Flüchtlingen.
Gründer in Haft, Agentur dicht
BFW-Gründer Min Min Soe Shwe wurde in Finnland inhaftiert. Der in Thailand ansässige Mitbegründer erklärte, man habe den Kontakt zu ihm verloren und stelle den Betrieb komplett ein.
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Die finnische Berufsschule EduSavo Oy in Iisalmi kappte umgehend ihre Partnerschaft mit BFW. Es seien nie Studiengebühren geflossen, und die Vorwürfe hätten das Vertrauen zerstört.
Finnland zieht Konsequenzen
Das finnische Bildungsministerium zeigte sich besorgt über die verbreitete Praxis, internationale Studenten über private Vermittler anzuwerben. An den laufenden Ermittlungen ist das Ministerium nicht direkt beteiligt.
Ab August 2026 greift eine neue Regelung: Studenten können sich dann direkt bei Berufsbildungseinrichtungen bewerben, ohne teure Drittvermittler einzuschalten. Für viele junge Burmesen kommt diese Reform zu spät.



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