Kein Bankkonto, wenn man das Angebot ablehnt

Die Unterlagen sind vollständig, das Visum ist gültig. Am Schalter kommt trotzdem noch etwas dazu, das in keinem Formular steht. Was Ausländer dann tun können.

Kein Bankkonto, wenn man das Angebot ablehnt
KI generiertes Symbolbild

Ein Bankkonto gehört in Pattaya zum Alltag, für die Miete, den Strom und die Rente. Für Ausländer ist die Eröffnung schwieriger geworden. An manchen Schaltern kommt zu den Unterlagen noch ein Angebot dazu: eine Versicherung. Rentner berichten, dass sie ohne Unterschrift kein Konto bekommen haben, und manche zahlen lieber, als weiter von Filiale zu Filiale zu ziehen. Was Banken verlangen dürfen, ist geregelt. Was am Schalter passiert, sieht oft anders aus.

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Bankkonto eröffnen als Rentner in Pattaya

Wolfgang B. steht in der kühlen Lobby einer Bankfiliale in Pattaya. Der Hamburger ist 68 Jahre alt, Rentner und seit drei Wochen dauerhaft in Thailand. In einer grünen Plastikmappe trägt er Reisepass, Wohnsitzbescheinigung der Immigration und Mietvertrag. Es ist sein dritter Versuch, ein einfaches Sparkonto zu eröffnen.

Mit der Wartenummer B045 tritt er an den Schalter. Die Angestellte prüft den Pass Seite für Seite und das Visum, dann tippt sie lange Zahlenreihen in den Computer. Wolfgang braucht das Konto, damit seine Rente sicher ankommt. Er wartet und hält die Mappe fest.

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Unfallversicherung als Bedingung am Schalter

Dann schiebt die Angestellte die Papiere zurück. Für Ausländer sei derzeit nur ein Konto mit Unfallversicherung möglich, erklärt sie freundlich, aber bestimmt. Die Kosten betragen 5.000 Baht, nach aktuellem Kurs etwa 137 Euro. Wolfgang hat bereits eine Krankenversicherung und braucht keinen zusätzlichen Schutz.

Die Botschaft ist klar: ohne Versicherung kein Konto. Unter Expats in Pattaya kennt man dieses Muster. Wolfgang muss sich entscheiden, ob er zahlt oder geht. Er weiß nicht, ob die Bank das verlangen darf, und fragt sich, ob die nächste Filiale genauso reagiert.

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Keine gesetzliche Pflicht zur Versicherung

Eine Pflicht, beim Kontoeröffnen eine Versicherung abzuschließen, gibt es nicht. Die Zentralbank hat die Banken angewiesen, Versicherungen nicht mit einfachen Bankprodukten wie Einlagen zu bündeln. Eine Bank darf Versicherungen anbieten, aber nicht zur Bedingung für ein Konto machen.

Verkaufen dürfen sie nur zertifizierte Mitarbeiter, die sich vor dem Gespräch als solche vorstellen müssen. Kunden dürfen ablehnen und den Nachweis des Verkäufers verlangen. Wer sich übergangen fühlt, erreicht die Beschwerdestelle der Zentralbank unter der Nummer 1213, die Versicherungsaufsicht unter 1186.

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Warum Banken Versicherungen verkaufen

Banken vertreiben Versicherungen im Auftrag von Versicherungsgesellschaften und erhalten dafür eine Vergütung. Auch die Verkäufer am Schalter werden nach einer Vereinbarung zwischen Bank und Versicherer bezahlt. Für die Filiale ist die Police deshalb ein eigenes Geschäft.

Die Zentralbank zählt erzwungene und ungewollte Versicherungsverkäufe zu den häufigsten Beschwerden von Bankkunden. Welche Vorgaben einzelne Filialen ihren Mitarbeitern machen, ist nicht bekannt. Für Kunden zählt deshalb nur, was am Schalter gesagt wird und was auf dem Papier steht.

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Lebensversicherung versehentlich abgeschlossen

Nicht jede Police am Schalter ist eine einfache Unfallversicherung. Es gibt Berichte von Ausländern, die eine Lebensversicherung mit Jahresbeiträgen von mehreren zehntausend Baht unterschrieben haben. Der Vertrag lief über mehrere Jahre, obwohl sie nur ein Konto wollten.

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ZUM ANGEBOT

Unfallversicherung, Lebensversicherung und Konto sind drei verschiedene Verträge. Vor der Unterschrift sollten Rentner klären, wie lange der Vertrag läuft, was er pro Jahr kostet und ob die Prämie zurückgezahlt wird. Wer das nicht beantwortet bekommt, unterschreibt besser nicht.

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Kleingedrucktes auf Thai

Formulare und Verträge sind meist auf Thai. In den Touristenzentren wird zwar oft Englisch gesprochen, unterschrieben wird aber der thailändische Text. Wer unterschreibt, muss darauf vertrauen, dass das gesprochene Wort mit dem Papier übereinstimmt.

Ein Versicherungsantrag ist ein eigener Vertrag, auch wenn er am Kontoschalter unterschrieben wird. Rentner können den Text fotografieren und übersetzen lassen, bevor sie zustimmen. Fehlt ein Dolmetscher, hilft ein thailändischer Bekannter. Im Zweifel gilt: lieber nicht unterschreiben.

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Diese Unterlagen verlangen die Banken von Ausländern

Grundlage ist ein Langzeitvisum, bei Rentnern meist das Non-O. Touristenvisum, visumfreie Einreise und DTV genügen bei den großen Banken nicht. Dazu kommen der Reisepass und die Wohnsitzbescheinigung der Immigration. Für diese meldet zuerst der Vermieter die Adresse bei der Immigration, die sogenannte TM30.

Eine Arbeitserlaubnis brauchen Rentner nicht, einzelne Filialen fragen trotzdem danach. Verlangt werden außerdem ein amtlicher Ausweis aus dem Herkunftsland und eine thailändische SIM-Karte, an die Konto und App gebunden sind. Die Mindesteinlage liegt bei vielen Banken bei 500 Baht.

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Jede Filiale entscheidet selbst

Eine einheitliche Vorgabe für ganz Thailand gibt es nicht. Jede Filiale legt selbst fest, welche Dokumente sie verlangt, und Filialleiter haben viel Ermessensspielraum. Zwei Filialen derselben Bank entscheiden deshalb oft verschieden. Was in Jomtien abgelehnt wird, kann in Naklua problemlos klappen.

Eine Ablehnung bedeutet also nicht, dass die Bank insgesamt ablehnt. Rentner versuchen es am besten in einer anderen Filiale, möglichst in einem Viertel mit vielen Ausländern. Dort kennen die Mitarbeiter den Ablauf. Mehr Unterlagen mitzunehmen als nötig erspart einen zweiten Weg.

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Mit thailändischer Begleitung zur Bank

Ingrid P., 72, stammt aus Köln und lebt seit fünf Jahren in Pattaya. Bei ihrem ersten Versuch wurde sie abgewiesen, weil sie keine Arbeitserlaubnis vorweisen konnte. Dabei besaß sie als Rentnerin ein gültiges Visum. Die Filiale bestand trotzdem auf dem zusätzlichen Papier.

Erst als sie einen thailändischen Bekannten mitnahm, öffnete sich die Tür. Er bürgte für sie und führte das Gespräch auf Thai. Ein Bürge ersetzt keine Unterlagen. Er zeigt der Filiale aber, dass jemand vor Ort für den Kunden einsteht.

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Visa-Agenturen als Helfer bei der Kontoeröffnung

In Pattaya bieten Visa-Agenturen an, das Konto gleich mit zu organisieren. Sie kennen die Filialen und wissen, welche Unterlagen dort angenommen werden. Die Dienstleistung kostet meist mehrere tausend Baht, je nach Agentur und Umfang.

Für Rentner, die kein Thai sprechen, ist das oft eine Hilfe. Eine Pflicht, eine Agentur zu nutzen, besteht nicht. Vor der Zahlung sollten sie klären, was genau enthalten ist, und niemandem die Kontrolle über das Konto überlassen. Zugangsdaten und Karte bleiben in der eigenen Hand.

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Wie Wolfgang sein Konto bekam

Wolfgang lehnte die Versicherung ab und verließ die Filiale ohne Konto. Das war der Frust eines dritten Versuchs, den viele Expats kennen. Zwei Straßen weiter ging er in eine andere Bank. Dort saß ein Mitarbeiter, der früher in Deutschland studiert hatte.

Nach einem kurzen Gespräch über die Bundesliga war das Konto eröffnet, ohne Versicherung. Wolfgang verließ die Bank mit einer Debitkarte in der Hand. Seine Unterlagen waren dieselben wie zuvor. In Pattaya kann die nächste Filiale schon anders entscheiden.

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Redaktionelle Hinweise

Lesen Sie auch: Bankkonto-Betrug: Ältere trifft es am härtesten

Stand der Angaben ist Oktober. Bankregeln für Ausländer können sich kurzfristig ändern und werden von jeder Filiale anders ausgelegt. Wolfgang B. und die Beträge im Eingangsbeispiel stehen stellvertretend für Erfahrungen vieler Rentner; Preise für Versicherungen am Schalter schwanken stark. Die Umrechnung beruht auf einem Beispielkurs von 1 Euro = 36,50 Baht. Weitere Informationen gibt die Beschwerdestelle der Zentralbank unter 1213.

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