BANGKOK – Eine Thailänderin muss sich in Myanmar vor Gericht verantworten. Der Fall hat eine tödliche Wendung: Pavinee Supasirivisan wird beschuldigt, ihren Ex-Mann, einen US-Diplomaten, ermordet zu haben. Zunächst steht sie jedoch wegen eines Einwanderungsdelikts vor dem Richter.
Zwei Verfahren, eine Angeklagte
Der erste Prozess gegen Pavinee Supasirivisan dreht sich um einen Verstoß gegen Myanmars Einwanderungsgesetz. Dieses greift automatisch, wenn ein Ausländer im Land eine Straftat begeht. Die mögliche Strafe dafür reicht von sechs Monaten bis zu fünf Jahren Gefängnis.
Deutlich schwerer wiegt der zweite Vorwurf: Mord an ihrem Ex-Ehemann. Der US-Diplomat wurde am 11. Mai tot im Sakura Residence & Hotel in Yangon aufgefunden. Für Mord sieht das Gesetz in Myanmar zwischen zehn Jahren Haft und der Todesstrafe vor.
Ein Diplomat, erstochen im Hotel
Der Tote wurde mit kritischen Verletzungen entdeckt. Das Sakura Residence & Hotel liegt nur eineinhalb Kilometer von der US-Botschaft entfernt und ist bei internationalen Besuchern und Geschäftsleuten beliebt. Die Identität des Diplomaten hält das US-Außenministerium weiter unter Verschluss.
Das Ministerium in Washington bestätigte lediglich den Tod eines Mitarbeiters, verweigerte aber jede weitere Auskunft. Auch zum Namen des Getöteten gab es keine Stellungnahme.
Zeugen sagen aus, Details bleiben geheim
Am Dienstag traten vor dem Kamayut Township Court drei Zeugen der Anklage in den Zeugenstand. Darunter waren nach Angaben eines anonymen Anwalts auch Beamte der Einwanderungsbehörde. Es war bereits der zweite Verhandlungstag in dem Einwanderungsverfahren.
Ein Mitarbeiter der Einwanderungs- und Bevölkerungsbehörde von Kamayut bestätigte die Aussagen. Weitere Details nannte er nicht. Er sprach nur unter der Bedingung, dass sein Name nicht veröffentlicht wird, da er nicht befugt sei, mit Medien zu reden.
Justiz hinter verschlossenen Türen
Das Militär in Myanmar regiert das Land seit dem Putsch gegen Aung San Suu Kyi im Jahr 2021 mit eiserner Hand. Das Land versinkt in einem blutigen Bürgerkrieg. Behörden und Polizei äußern sich fast nie gegenüber Journalisten.
Zu dem Fall schweigen die Ermittler, das Gefängnis und das Gericht eisern. Journalisten ist der Zutritt zu den Verhandlungen nicht gestattet. Ob Pavinee Supasirivisan ein Plädoyer abgab und wann der Mordprozess beginnt, blieb am Dienstag völlig unklar.
Thailand leistet konsularische Hilfe
Das thailändische Außenministerium in Bangkok bestätigte, dass es die verdächtige Landsfrau konsularisch betreut. Weitere Einzelheiten zu dem Fall oder zum Aufenthaltsort der Frau wollte auch das Ministerium nicht preisgeben.
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Die Frau sitzt vermutlich in einer Haftanstalt in Myanmar. Ihr Anwaltsteam besteht aus zwei Rechtsvertretern. Der weitere Fahrplan für beide Verfahren gegen sie liegt im Dunkeln.



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