Thailands Sexgewerbe bleibt illegal

In Thailand arbeiten laut Swing mehr als 200.000 Sexarbeiter. Nach Übergriffen und Mord wird über Entkriminalisierung, Schutz und einen staatlich kontrollierten Sperrbezirk in Pattaya gestritten.

Thailands Sexgewerbe bleibt illegal
Photo by Lin Kiu on Unsplash

BANGKOK, Thailand – Thailands Sexgewerbe bleibt illegal und ist dennoch offen sichtbar. Nach dem Mord eines Australiers an einem 17-jährigen Thai stehen nun die Sicherheit von Sexarbeitern und die Bedeutung des Nachtlebens für die Wirtschaft erneut im Mittelpunkt.

Von Soi Cowboy im Sukhumvit-Viertel Bangkoks bis zur Walking Street in Pattaya ziehen Nachtlokale weiterhin Besucher aus aller Welt an.

Mehr als 200.000 Sexarbeiter im Land

Surang Janyam, Direktorin der Service Workers in Group Foundation, bekannt als Swing, sagte, in Thailand gebe es mehr als 200.000 Sexarbeiter. Die meisten arbeiten in Bangkok und Pattaya. Swing ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für gleiche Rechte einsetzt und Beschäftigten im Dienstleistungsbereich Bildung und Gesundheitsversorgung bietet.

In Pattaya sollen mehr als 50.000 Sexarbeiter tätig sein. Die nächtliche Wirtschaft der Stadt bringt nach Schätzungen jedes Jahr zwischen 100 und 200 Milliarden Baht ein. Als Zentrum der Sexindustrie gilt die Walking Street.

Pattaya wirbt um Familien, kann Sexarbeit aber nicht leugnen

Thailand wird seit Langem mit Sextourismus verbunden, vor allem Pattaya. Die Tourismusbehörden distanzieren sich davon und werben stattdessen um zahlungskräftige Reisende sowie um Thailand als hochwertiges Reiseziel.

Thanet Supornsahasrungsi, Präsident der Association of the Chonburi Tourism Federation, sagte, Pattaya wolle sich als familienfreundliches Reiseziel vermarkten. Zugleich gebe es Unterhaltungslokale und Massagesalons, die heimlich sexuelle Dienstleistungen anböten. Diese Grauzone könne Beamten Möglichkeiten geben, Bestechungsgelder zu verlangen oder Beschäftigte zu erpressen.

Viele wechselten nach der Pandemie in die Freiberuflichkeit

Nach Angaben von Swing hat sich die Branche nach der Pandemie nicht verlangsamt. Zwar schlossen viele Unterhaltungslokale, doch einige Sexarbeiter wechselten in die freiberufliche Arbeit und boten ihre Dienste über soziale Medien an.

Die Zusammensetzung der Beschäftigten wird laut Swing geschlechtlich vielfältiger. Sexarbeiter seien Teil des Tourismussektors, weil ihre Kunden auch andere Orte in der Stadt besuchten und dort weitere Angebote nutzten.

Weniger Festnahmen wegen Prostitution

Nach Daten der thailändischen Polizei wurden 2023 insgesamt 19.648 Menschen wegen Verstößen gegen das Prostitutionsgesetz festgenommen. Im Jahr 2022 waren es noch 38.139.

Seit dem Gesetz über Verwaltungsstrafen von 2022 werden Verstöße gegen Paragraph 5 des Prostitutionsgesetzes nur noch mit Geldbußen geahndet und nicht mehr als Straftaten behandelt. Die Zuständigkeit wechselte von der Polizei zu Beamten des Ministeriums für soziale Entwicklung und menschliche Sicherheit. In vielen Fällen können Betroffene laut Swing zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet werden, statt eine Haftstrafe anzutreten.

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Organisation fordert Schutz und Entkriminalisierung

Surang kritisiert, dass der illegale Status Sexarbeiter faktisch vom regulären Arbeitsmarkt und von Teilen der Wirtschaft ausschließe. Dadurch hätten sie kaum Möglichkeiten, über ihre Lebensgrundlage zu verhandeln. „Das Gesetz behandelt sie lediglich als Objekte und nicht als Menschen, denen bestimmte Rechte zustehen“, sagte sie.

Swing fordert die Abschaffung des Gesetzes von 1996 und eine Entkriminalisierung der Sexarbeit für Menschen ab 18 Jahren. Sexarbeiter könnten dann vom Arbeitsrecht, der Sozialversicherung und staatlichen Unterstützungsleistungen profitieren sowie Steuern zahlen. Gesetze gegen Menschenhandel könnten weiterhin durchgesetzt werden, um Minderjährige und zur Sexarbeit gezwungene Menschen zu schützen.

Morde und Übergriffe rücken die Sicherheit in den Mittelpunkt

Eine Entkriminalisierung bedeute nicht zwangsläufig, dass mehr Menschen den Beruf ergreifen würden, sagte Surang. Swing unterstützt Sexarbeiter, die von Kunden angegriffen oder missbraucht wurden, und hilft ihnen bei der Zusammenarbeit mit der Polizei. Die Organisation begleitete auch die Familie einer Transfrau, die ermordet und verstümmelt worden war, bis zum Prozess und zu einer Entschädigungsanordnung.

Auch die Familie des 17-jährigen Teenagers, der von dem Australier ermordet wurde, erhielt Unterstützung. Nach Angaben von Swing sind sich Polizisten inzwischen stärker der Probleme von Sexarbeitern und deren gesellschaftlicher Auswirkungen bewusst; sie betrachten sie seltener ausschließlich als Straftäter und verfolgen sie seltener mit überhöhten oder überzogenen Vorwürfen. In Workshops in Pattaya bringt die Organisation regelmäßig Beamte und Sexarbeiter zusammen, um das Verständnis zu verbessern und Konflikte zu verringern.

Streit über Sperrbezirk und neue Regeln

Swing will bis zur Abschaffung des Gesetzes eine Ministerialregelung erreichen, die faire Löhne, soziale Unterstützung und Arbeitsrechte garantiert. Nach einer Entkriminalisierung müssten Polizei und Verwaltungsbeamte für das neue System geschult werden, erklärte die Organisation.

Thanet schlägt stattdessen einen ausgewiesenen Rotlichtbezirk mit Zonen und staatlicher Kontrolle vor. Das könne Besucher schützen, die solchen Angeboten ausweichen wollten, und zugleich Pattayas Sicherheit und öffentliches Image verbessern. Surang lehnt den Vorschlag ab, weil eine unklare Regelung außerhalb der Zone ihrer Ansicht nach Bestechung und Korruption fördern könnte.

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Quelle: AseanNow
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