Alle vier Männer, denen die Ermittler die Tötung von fünf Menschen im Raum Pattaya anlasten, sitzen seit Samstag in Untersuchungshaft. Das Provinzgericht Pattaya verweigerte jedem von ihnen die Kaution. Premierminister Anutin Charnvirakul reiste eigens nach Chonburi und forderte vor Kameras die härtestmögliche Strafe – um im nächsten Satz darauf hinzuweisen, dass die Entscheidung beim Gericht liege. Wochenblitz hat den Fall der russischen Geschwister Diana Nazimova (22) und Roman Nazimov (17) seit dem ersten Tag begleitet. Was am 1. August hinzukam: ein klareres Bild davon, wer diese vier Männer sind.
Vier Verdächtige, eine Reihe, keine Kaution
Um 11.30 Uhr am Samstag führten Sondereinheiten der Provinz Chonburi die vier Tatverdächtigen in einer Reihe zum Gefangenentransporter: Thana Kerdthong alias „Pong“ (43), Thongchai Srinil alias „Thong“ (39), Atsadang Chuwong alias „Ball“ und Chatchanan Paen-iam alias „Fluke“. Angehörige der getöteten Thai-Familie standen vor der Polizeiwache Huai Yai und riefen ihnen ihre Wut hinterher. Thong weinte. Pong zeigte nach Berichten mehrerer Thai-Medien keine sichtbare Regung.
Das Gericht lehnte alle Kautionsanträge ab. Die Begründung war knapp und unmissverständlich: Die Vorwürfe wiegen außerordentlich schwer, die Strafandrohung ist hoch, die Verdächtigen haben bereits gezeigt, dass sie fliehen wollen. Pong und Thong waren am 31. Juli in einem Longan-Obstgarten im Bezirk Wang Sombun, Provinz Sa Kaeo, festgenommen worden, als sie offenbar versuchten, die kambodschanische Grenze zu überqueren. Fluke und Ball wurden kurz darauf geschnappt und führten die Ermittler zum Fundort der vermissten Thai-Familie.
Wer ist „Pong“ – und wie lange war er bereits bekannt?
Thana Kerdthong, 43, ist nach allem, was bislang bekannt ist, die Zentralfigur der Gruppe. Er war knapp zwei Monate vor der Tat aus dem Gefängnis entlassen worden – vorbestraft wegen nächtlichen Diebstahls mit Fahrzeug und Hehlerei. Anwohner beschrieben ihn gegenüber Thai-Medien als jemanden, der sich seit Jahren als halboffizieller Polizeigehilfe inszenierte: immer bewaffnet, immer mit einem Ausweis mit behördlichem Emblem umgehängt, unterwegs als Schuldeneinzahler im Drogenmilieu. Wer nicht zahlen konnte, wurde nach Aussagen von Anwohnern kurzerhand als Untergebener rekrutiert.
Eine Frau, die sich gegenüber Thai-Medien als frühere Lebenspartnerin von Pong bezeichnete, schilderte am Samstag Vorfälle, die ein anderes Ausmaß der Gefährlichkeit zeigen: Er habe sie gezwungen, Videoaufnahmen von Gewaltverbrechen anzusehen, ihr von früheren Taten erzählt – und sie einmal in ein frisch ausgehobenes Loch steigen lassen und gedroht, sie lebendig zu begraben. Sie habe geweint und gebettelt, bis er sie gehen ließ. Eine bei der Polizei eingereichte Anzeige soll diese Schilderungen stützen.
Thong, Ball, Fluke – die drei anderen Männer
Thongchai Srinil, 39, alias „Thong“, behauptet, er habe unter Zwang gehandelt – Pong habe seine Familie bedroht. Ob das stimmt oder eine Schutzbehauptung ist, prüfen die Ermittler noch. Seine Ehefrau hatte bereits früher gegenüber Medien erklärt, sie glaube, ihr Mann sei von Pong in die Gruppe hineingezogen worden. Beim Transport zum Gericht rief er den Angehörigen der Thai-Opfer zu, er wolle sich entschuldigen.
Atsadang Chuwong alias „Ball“ und Chatchanan Paen-iam alias „Fluke“ waren nach Angaben der Ermittler am zweiten Fall beteiligt – der Tat an einer Thai-Familie Mitte Juni, deren Verschwinden bis dahin ungeklärt geblieben war. Nach ihrer Festnahme führten sie die Ermittler zu dem Ort, an dem die drei Vermissten gefunden wurden: eine Kokosplantage unweit der Stelle, an der zuvor bereits die russischen Geschwister gefunden worden waren.
Laut den Geständnissen, die Thai-Medien zitierten, war jeder der vier Männer an der Tat beteiligt. Die genaue Rollenverteilung wird derzeit noch forensisch überprüft. Die Ermittler vergleichen die Aussagen der Verdächtigen mit physischen Beweisen, bevor Anklage erhoben wird.
Die Masche: falsche Polizisten, echte Waffen
In beiden Fällen lief die Vorgehensweise nach demselben Muster ab. Die Gruppe trat als Polizisten auf – mit Verkleidung, Ausweis-ähnlichen Dokumenten und Waffen. Bei den russischen Geschwistern stoppten Pong und Thong das Motorrad gegen 4.33 Uhr morgens nahe einer Autobahnbrücke. Bei der Thai-Familie drangen alle vier in das Haus der Familie in Bang Lamung ein, angeblich für eine Durchsuchung. Vater und Mutter waren allein zu Hause. Als die 18-jährige Tochter vom Einkaufen zurückkam, wurde auch sie festgehalten. Alle drei wurden auf die Kokosplantage gebracht.
Das erklärte Motiv war in beiden Fällen Raub: beim ersten Fall das Motorrad, beim zweiten der Pickup-Truck der Familie. Die Thai-Familie war bereits Mitte Juni verschwunden und von Angehörigen als vermisst gemeldet worden – ohne Ergebnis, bis der Fall der russischen Geschwister die Ermittler auf die Spur brachte. Die Schwester eines der Thai-Opfer sagte am Samstag unter Tränen vor Medien: Ohne die Aufklärung des anderen Falls hätten sie nie erfahren, was mit ihrer Familie passiert ist.
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Was Thong vor dem Gericht sagte – und was Pong schwieg
Beim Transport vor das Gericht spielten sich Szenen ab, die in Thai-Medien ausführlich dokumentiert wurden. Thong rief den Angehörigen der Thai-Familie zu, er wolle sich entschuldigen, und brach in Tränen aus. Pong blieb, nach mehreren übereinstimmenden Berichten, stumm und bewegungslos. Die Angehörigen der Thai-Opfer reagierten mit lautem Protest vor der Polizeiwache. Das Gericht ließ sich davon nicht leiten: Es entschied nach Aktenlage und lehnte alle Kautionsanträge mit identischer Begründung ab.
Pong wurde nach früheren Wochenblitz-Berichten bereits als Hauptverdächtiger geführt, noch bevor die Geständnisse vorlagen. Die Dashcam-Aufnahmen vom 29. Juli hatten ihn und Thong in unmittelbarer Nähe des Ortes gezeigt, an dem das Motorrad vergraben war.
Anutin in Chonburi: Entschuldigung und harte Ansage
Premierminister Anutin Charnvirakul sagte seinen geplanten Besuch in Suphan Buri kurzfristig ab und flog am Samstagnachmittag gemeinsam mit Nationalem Polizeichef Pol. Gen. Kittirat Phanphet und dem Gouverneur der Provinz Chonburi nach Huai Yai. Am Fundort der russischen Geschwister entschuldigte er sich öffentlich bei der Familie und bei Russland. Die Überführung der sterblichen Überreste werde Thailand vollständig unterstützen, sagte er.
Zur Forderung nach der Höchststrafe, die aus der Bevölkerung laut wurde, äußerte er sich mit einer Konstruktion, die als politische Aussage und juristische Distanzierung zugleich funktioniert: Das Gesetz sehe alle Möglichkeiten vor, die Entscheidung liege beim Gericht. Wiederholungstäter, die unmittelbar nach der Haftentlassung erneut schwerste Verbrechen begingen, dürften nicht auf Milde hoffen. Pong war, nach Polizeiangaben, knapp zwei Monate vor der Tat aus dem Gefängnis entlassen worden.
Überwachung nach Haftentlassung – Ankundigung mit offenem Ausgang
Anutin kündigte an, die Zusammenarbeit zwischen Strafvollzugsbehörde und Polizei zu intensivieren. Wer wegen schwerer Delikte verurteilt wurde, soll nach der Entlassung einer Verhaltensüberwachung unterliegen – zumindest für einen definierten Zeitraum. Ob das legislative Substanz hat oder ein Ankündigungsreflex auf eine Nachrichtenlage ist, die Russland und Thailand gleichzeitig beschäftigt, ließ Anutin offen. Nationaler Polizeichef Kittirat bestätigte, dass alle Geständnisse derzeit forensisch abgeglichen werden und die Ermittler prüfen, ob die Gruppe für weitere ungelöste Fälle in der Region verantwortlich sein könnte.
Tourismusminister und Bürgermeister melden sich zu Wort
Tourismusminister Surasak Phancharoenworakun erklärte, sein Ministerium koordiniere mit der russischen Botschaft in Bangkok und der Touristenpolizei, um der Mutter Sarina Nazimova konsularisch zur Seite zu stehen. Sicherheitsmaßnahmen in Tourismusgebieten würden landesweit verschärft: mehr Streifenbeamte an Risikopunkten, stärkere CCTV-Auswertung, rund um die Uhr besetzte Tourist-Assistance-Center.
Pattaya-Bürgermeister Poramese Ngampichet betonte in einer schriftlichen Stellungnahme, der Vorfall habe sich zwar außerhalb der Stadtgrenzen Pattayas ereignet, erschüttere aber das Sicherheitsgefühl der gesamten Region. Er forderte die Regierung auf, entlassene Straftäter mit einschlägiger Vorgeschichte nach der Freilassung systematisch zu überwachen – und verwies auf den laufenden Ausbau des KI-gestützten CCTV-Systems in der Stadt.
Was noch offen ist
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Die Ermittlungen sind nicht abgeschlossen. Anutin deutete an, die Gruppe könnte für ein bis zwei weitere Fälle verantwortlich sein – konkrete Namen oder Orte nannte er nicht. Die Polizei prüft, ob das Muster dieser Taten auf ungelöste Vermisstenfälle in der Region passt. Die Anklage wird nach Abschluss der Ermittlungen dem Gericht vorgelegt; ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest. Alle vier Verdächtigen befinden sich bis dahin in der Untersuchungshaftanstalt Pattaya.

Meine These war Richtig kenne solche Typen genügend🧐
…ich frage mich, wer stellt bei diesem Fall Kautionsanträge und das notwendige Geld?