Pattaya zieht fast zehn Millionen ausländische Touristen pro Jahr an. Viele kommen wegen der Nächte. Was dabei rechtlich gilt, wissen die wenigsten. Wer betrunken auf dem Motorrad nach Hause fährt, eine Begleiterin mitnimmt ohne das Alter zu prüfen oder bei einem Streit in der Bar die Nerven verliert, riskiert mehr als einen Kater. Dieser Ratgeber erklärt, was Ausländer wissen sollten.
Prostitution ist in Thailand verboten
Der häufigste Irrtum: Weil Bars, Begleitdamen und Nachtclubs offen sichtbar sind, gehen viele Besucher davon aus, dass Sexarbeit in Thailand legal oder geduldet sei. Das stimmt nicht. Der Prevention and Suppression of Prostitution Act stellt kommerzielle Sexarbeit unter Strafe, für Sexarbeiterinnen und für Kunden gleichermaßen.
Es gibt keine Toleranzzonen, keine staatliche Lizenzierung und keine Schutzzone für Kunden. Wer eine Sexarbeiterin aufsucht, begeht eine Straftat nach thailändischem Recht, unabhängig davon, ob in dieser Nacht jemand eingreift oder nicht. Straflosigkeit ist keine Legalität.
Ausweis verlangen ist keine Unhöflichkeit
Thailändisches Recht schützt Personen unter 18 Jahren mit harten Straftatbeständen. Das Alter lässt sich optisch nicht zuverlässig einschätzen. Wer sichergehen will, verlangt den Personalausweis. Die nationale ID-Karte enthält Geburtsdatum und Foto und ist in Thailand ein gültiges Ausweisdokument.
Unkenntnis des Alters ist vor thailändischen Gerichten kein verlässlicher Schutz. Wer sich darauf beruft, muss das glaubhaft machen und steht in einem Verfahren, das sich über Monate hinziehen kann, meist ohne Kaution. Es ist einfacher, vorher zu fragen.
Alkohol am Steuer wird in Thailand hart bestraft
Der Grenzwert für Trunkenheit am Steuer liegt in Thailand bei 50 Milligramm Alkohol pro 100 Milliliter Blut, vergleichbar mit Deutschland und Österreich. Wer erwischt wird, riskiert Führerscheinentzug, Geldstrafe und Inhaftierung. Touristen ohne thailändischen Führerschein haben ein doppeltes Problem: Sie fahren bereits ohne gültige Fahrerlaubnis.
Taxis, Baht-Busse und Fahrdienste sind in Pattaya auch mitten in der Nacht verfügbar. Wer ein Mietmotorrad tagsüber nüchtern bewegt, sollte außerdem prüfen, ob die Reiseversicherung Motorradunfälle abdeckt. Viele Policen schließen das aus, wenn kein gültiger Motorradführerschein vorliegt.
Streit in der Bar endet oft mit Verhaftung für beide Seiten
Konflikte in Bars entstehen schnell, über Getränkepreise, Missverständnisse oder Provokationen. Wer laut wird, zurückschlägt oder eine Situation eskalieren lässt, riskiert eine Verhaftung, unabhängig davon, wer angefangen hat. Thailändische Polizei verhaftet im Zweifel beide Parteien und klärt den Sachverhalt danach.
Die richtige Reaktion ist, ruhig zu bleiben, den Ort zu verlassen, wenn das möglich ist, und bei Bedarf die Tourist Police unter 1155 anzurufen. Diese ist auf Englisch erreichbar und rund um die Uhr besetzt. Wer die Situation selbst lösen will, macht sie in den meisten Fällen schlechter.
Drogen werden in Thailand ohne Ausnahmen verfolgt
Für harte Drogen gilt in Thailand eine strikte Null-Toleranz-Politik. Besitz, Konsum und Weitergabe können zu langjährigen Haftstrafen führen, in schweren Fällen zur Todesstrafe. Cannabis wurde zeitweise entkriminalisiert, dann wieder eingeschränkt. Der aktuelle Stand ist nicht mit europäischen Maßstäben vergleichbar.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Wer in einer Bar oder einem Club Substanzen angeboten bekommt, sollte ablehnen. Die Herkunft ist unklar, die Qualität unkontrolliert, und das Risiko einer Verhaftung ist auch bei kleinen Mengen real. Ausländer sind vor thailändischen Gerichten kein Sonderfall.
Notwehr ist in Thailand kaum zu beweisen
Das thailändische Strafgesetzbuch kennt einen Notwehrparagraphen, aber die Beweislast liegt de facto beim Beschuldigten. Wer behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben, muss das glaubhaft machen. Ohne Zeugen, in einem privaten Raum, ist das außerordentlich schwer. Europäische Rechtsprinzipien wie „im Zweifel für den Angeklagten“ gelten in Thailand nicht in derselben Form.
Wer bedroht wird, sollte den Ort verlassen und die Polizei rufen, nicht selbst eingreifen. Was danach vor Gericht rekonstruiert werden muss, hängt fast ausschließlich daran, was sich durch Zeugen, Kameras oder Anrufe belegen lässt.
Bei einer Verhaftung sofort die Botschaft kontaktieren
Wer in Thailand festgenommen wird, hat das Recht, die Botschaft des Heimatlandes zu kontaktieren. Deutsche Staatsangehörige erreichen die Botschaft Bangkok unter +66 2 287 9000, Österreicher unter +66 2 344 6200, Schweizer unter +66 2 674 6900. Keine Aussage machen und keine Dokumente unterschreiben, bevor ein Konsularvertreter oder Anwalt erreichbar ist.
In schweren Fällen, bei Vorwürfen im Zusammenhang mit Minderjährigen, Mord oder Drogendelikten, wird Kaution häufig verweigert. Die Untersuchungshaft in Thailand kann Monate dauern. Über die Botschaft lässt sich eine Liste zugelassener Anwaltskanzleien anfordern.
Überhöhte Rechnungen und falsche Polizisten
Überhöhte Rechnungen in Bars sind in Pattaya ein bekanntes Phänomen. Getränke kosten plötzlich das Zehnfache, oder Begleitgebühren tauchen auf, die nirgendwo ausgewiesen waren. Preise vor dem Bestellen klären und Lokale meiden, die keine Preisliste aushängen, ist der einfachste Schutz.
Eine weitere Masche sind gefälschte Polizisten, die Touristen unter einem Vorwand kontrollieren und Bargeld verlangen. Echte Polizeibeamte in Thailand legitimieren sich auf Verlangen. Wer unsicher ist, ruft die Tourist Police unter 1155 an, bevor er zahlt.
Das sollte jeder vor dem Ausgehen wissen
Nur so viel Bargeld mitnehmen, wie man bereit ist zu verlieren. Den Reisepass im Hotel lassen und nur eine Kopie mitführen. Hotelnamen und -adresse auf Thai griffbereit haben, falls ein Taxifahrer Orientierung braucht. Nichts trinken oder nehmen, dessen Herkunft unklar ist.
Die wichtigsten Nummern: Polizei-Notruf 191, Tourist Police 1155. Wer diese Nummern vor dem Ausgehen im Telefon gespeichert hat, ist in den meisten Situationen besser aufgestellt als der Großteil der Touristen in Pattaya.
Redaktionelle Hinweise
Lesen Sie auch: Warum Rollerunfälle in Thailand so teuer enden
Die rechtlichen Angaben beziehen sich auf den Stand der thailändischen Gesetzgebung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Thailändisches Strafrecht weicht in wesentlichen Punkten von deutschem, österreichischem und schweizerischem Recht ab, vor allem bei Notwehrregelungen, Drogenpolitik und dem Schutz Minderjähriger. Bei konkreten rechtlichen Fragen wenden Sie sich an eine in Thailand zugelassene Rechtsanwaltskanzlei. Die genannten Botschaftsnummern können sich ändern; aktuelle Kontaktdaten finden Sie auf den jeweiligen Botschaftswebsites.

Wichtiger Hinweis für unsere Leser
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag! Bitte beachten Sie für ein freundliches Miteinander unsere Regeln: