Wer 2026 nach Thailand fliegt, stolpert vor dem Abflug fast zwangsläufig über die TDAC, die digitale Einreisekarte. Und wer nach ihr googelt, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Seite, die aussieht wie eine Behörde, sich anfühlt wie eine Behörde und am Ende die Kreditkarte will. Sie ist keine Behörde. Sie kassiert für etwas, das die thailändische Regierung gratis anbietet.
Das Immigration Bureau hat inzwischen offiziell gewarnt: Rund zehn Prozent der ausländischen Einreisenden füllen die TDAC über gefälschte Websites aus und bezahlen dafür. Die Preise reichen von zehn US-Dollar bis über hundert – für Passdatenweitergabe an unbekannte Dritte inklusive. So weit, so schlecht. Der zweite Baustein, die neue App THIM, kommt gerade dazu – und die Scam-Industrie zieht bereits nach.
Die Papierkarte TM6 ist endgültig Geschichte
Am 1. Mai 2025 hat Thailand die gelb-blaue TM6 kassiert – jenes Papierformular, das eine Generation von Auswanderern und Urlaubern noch im Flugzeug auf dem Klapptisch ausgefüllt hat. Seither gilt die Thailand Digital Arrival Card, kurz TDAC. Sie ist Pflicht für alle Nicht-Thais bei jeder Einreise, egal ob per Flug, über eine Landgrenze oder mit dem Schiff. Ausgenommen sind nur Transitreisende ohne Passkontrolle und Grenzpass-Inhaber.
Der Wechsel war überfällig und läuft in den großen Terminals wie Suvarnabhumi, Don Mueang und Phuket ohne größere Reibung. Kein Kugelschreiber-Gefummel, keine unleserlichen Zettel, kein Nachtragen am Schalter. Das eigentliche Problem hat sich nur verlagert: Es sitzt jetzt vor dem Flug, am Laptop im Wohnzimmer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
Was die TDAC rechtlich ist – und was nicht
Die Meldepflicht selbst ist nicht neu. Sie steht im thailändischen Immigration Act, B.E. 2522, aus dem Jahr 1979 und verpflichtet jeden Einreisenden, Personalien, Reiseweg und Aufenthaltsort wahrheitsgemäß anzugeben. Neu ist nur die Form: statt Papier ein elektronischer Datensatz, den das Immigration Bureau spätestens beim Passscan am Schalter angezeigt bekommt. Die TDAC ist ausdrücklich kein Visum, keine Einreisegenehmigung und kein Ersatz für andere Nachweise wie Rückflugticket oder Finanzmittel.
Ausgefüllt werden darf sie frühestens 72 Stunden vor Ankunft – nicht früher. Wer es zwei Wochen im Voraus versucht, bekommt eine Fehlermeldung. Wer es vergisst, kann sie noch am Flughafen an Kiosken oder auf dem Smartphone in der Schlange nachreichen. Das kostet Zeit, nicht Geld. Für jede Einreise gilt eine eigene Karte, auch für Kleinkinder, auch für Expats, die zum dritten Mal in diesem Jahr aus Kambodscha zurückkommen.
Die Schattenwirtschaft im Suchmaschinen-Ranking
Die Google-Ergebnisseite zum Suchbegriff „TDAC“ ist ein Musterbeispiel für digitale Kaperei. Ganz oben stehen bezahlte Anzeigen von Portalen mit Thai-Flagge im Header, offiziell klingenden Namen und einer Adressleiste, die auf .com oder .net endet – niemals auf .go.th. Wer den Unterschied nicht kennt, klickt. Dann folgt ein sauber gestaltetes Formular, dann eine „Bearbeitungsgebühr“, dann die Kartenmaske.
Das Immigration Bureau warnt seit dem Starttag der TDAC vor diesen Seiten. Die Tourist Police, das Tourismusministerium und mehrere Thai-Botschaften haben Kampagnen dagegen gefahren. Genützt hat es begrenzt: Solange die Scam-Betreiber Suchmaschinenwerbung buchen und das Original nicht, bleiben sie oben. Das ist keine juristische Grauzone, sondern schlichter Betrug – nur eben einer, der sich technisch unter dem Radar der thailändischen Strafverfolgung bewegt.
Was Fake-Seiten wirklich kosten – Geld und Passdaten
Die Gebühren liegen zwischen zehn und über hundert US-Dollar pro Person, umgerechnet rund 350 bis 3.500 Baht. Für eine vierköpfige Familie sind das im Extremfall über 12.000 Baht – für ein Formular, das die Regierung gratis anbietet. Manche Anbieter verkaufen zusätzlich Premium-Optionen mit angeblich beschleunigter Übermittlung. Die gibt es nicht: Die TDAC-Daten laufen bei jedem Anbieter über dieselbe staatliche Schnittstelle.
Der finanzielle Schaden ist das kleinere Problem. Passnummer, Geburtsdatum, Reisedaten und Kreditkarteninformationen landen bei einem Unternehmen, das der Reisende nicht kennt, dessen AGB versteckt sind und dessen Server meist nicht in Thailand stehen. Wer nach der Einreise verdächtige Buchungen auf der Karte sieht oder Phishing-Mails mit korrekter Passnummer bekommt, weiß, woher der Wind weht. Eine solide Reiseabsicherung für Thailand federt Folgen ab – der beste Schutz bleibt, gar nicht erst zu zahlen.
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Der einzige legitime Web-Weg: tdac.immigration.go.th
Die offizielle Adresse ist eine einzige, und sie endet zwingend auf .go.th – das Kürzel für thailändische Regierungsstellen. Nur tdac.immigration.go.th ist der Betreiber Immigration Bureau. Jede Variante mit .com, .net, .org, .info oder einer angehängten Landesabkürzung ist ein Drittanbieter, unabhängig davon, wie seriös das Layout aussieht. Das Formular gibt es ausschließlich auf Englisch, das Ausfüllen dauert fünf bis zehn Minuten.
Nach dem Absenden schickt das System sofort einen QR-Code per E-Mail. Der muss am Schalter vorgezeigt werden – digital auf dem Handy reicht, ein Ausdruck schadet nicht, falls der Akku streikt. An Passkontrollen mit Passscan-Terminals wird der Code nicht immer aktiv abgefragt, weil der Datensatz beim Scannen des Passes ohnehin auf dem Bildschirm des Beamten erscheint. Verlassen sollte man sich darauf nicht. Wer bei „QR-Code bitte“ erst suchen muss, verliert Zeit und Sympathie.
THIM – die neue Regierungs-App und ihr Fahrplan
Seit dem Frühjahr 2026 gibt es die zweite offizielle Option: die App THIM, Thailand Immigration Management. Entwickelt vom Immigration Bureau gemeinsam mit Amazon Web Services und der thailändischen Digital Identity Co., verfügbar kostenlos in beiden großen App-Stores, Herausgeber Immigration Bureau of Thailand. Wer prüft, welcher Name als Publisher gelistet ist, hat die Fake-Apps innerhalb von Sekunden aussortiert.
Der Zeitplan ist zweistufig: Der verpflichtende Rollout als primärer Einreichungskanal erfolgt im August 2026, die breitere Feature-Erweiterung ab dem 1. Oktober 2026. Bis dahin läuft ein Pilotbetrieb. Wer heute einreist, kann THIM nutzen oder weiter das Webportal – beides ist gültig. Wer sich in juristischen Grenzfragen unsicher ist, etwa bei Aufenthaltsverlängerung oder Umschreibung eines Visums, ist mit einer spezialisierten Visa- und Immigration-Beratung besser aufgehoben als bei einer App-Rezension.
Was THIM technisch kann – und was nicht
Der praktische Kern ist die Passscan-Funktion: Die Kamera erfasst die maschinenlesbare Zone, die Datenseite und – bei elektronischen Pässen – den Chip. Name, Passnummer und Geburtsdatum werden fehlerfrei übernommen. Für Vielreisende speichert die App die Stammdaten lokal; bei jeder weiteren Einreise müssen nur noch Flugnummer und erste Unterkunft aktualisiert werden. Gruppen bis zu zehn Personen lassen sich in einem Account verwalten – gedacht für Familien und Reiseleiter, nicht für kommerzielle Sammelanmeldungen.
Die Gesundheitsdeklaration schaltet sich strikt erst innerhalb der 72 Stunden vor Ankunft frei – vorher lässt sich die TDAC nicht abschließen, egal ob im Web oder in der App. Was THIM ausdrücklich nicht ist: ein Visum, ein Nachweis für Finanzmittel, ein Ersatz für die 90-Tage-Meldung (das kommt erst später) und schon gar kein Zahlungsmittel. Wer in der App nach Kreditkartenfeldern gefragt wird, hat die falsche App installiert. Löschen, richtige suchen, Herausgeber prüfen.
Woran man den offiziellen Kanal in drei Sekunden erkennt
Drei Prüfpunkte reichen, auch ohne Englischkenntnisse. Erstens die Domain: Endet sie auf .go.th, ist sie staatlich. Alles andere ist es nicht. Zweitens die Gebühr: Verlangt die Seite oder App Geld, ist sie nicht das Original. Der thailändische Staat kassiert für die TDAC keinen Satang. Drittens der Herausgeber im App-Store: „Immigration Bureau of Thailand“ ist der einzige korrekte Eintrag. Alles mit Namen wie „TDAC Helper“ oder „Fast Arrival“ ist ein Drittanbieter.
Wer diese drei Prüfungen macht, spart Geld und Ärger. Wer bereits gezahlt hat, sperrt umgehend die Kreditkarte, meldet die Zahlung als Betrug und reicht die TDAC nochmal offiziell ein. Scam-Anbieter leiten Daten in der Regel zwar tatsächlich weiter – darauf verlassen sollte sich niemand, dessen Flug in 24 Stunden geht. Details zur Praxis am Schalter stehen in unserem Text zu TM30, TDAC und THIM sowie im Beitrag zu zehn teuren Einreisefallen.
Anmerkung der Redaktion
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Stand dieses Beitrags ist Juli 2026. Der verpflichtende Rollout der THIM-App als primärer Einreichungskanal ist für August 2026 angekündigt, die breitere Feature-Erweiterung für den 1. Oktober 2026 – Verschiebungen des Zeitplans sind bei thailändischen Digitalisierungsprojekten erfahrungsgemäß möglich. Hinweis: Dieser Artikel enthält Links zu unseren Werbepartnern.

Bei Kauf des Tickets schickt in D die Airline einen Link zur TDAC. Da braucht man nur daufklicken- sollte nicht zu schwer sein.