Nach einem Unfall in Thailand kommt die Rechnung oft schneller als der Befund. Wer zahlt sie? Die Regierung in Bangkok will darauf künftig selbst antworten: mit einer Einreisegebühr von 450 Baht, einer Grundversicherung für alle ausländischen Gäste und, nach dem Vorschlag eines Regierungsberaters, mit Zusatzpolicen für Roller, Jetski und Tauchgang. Beschlossen ist davon nichts. Die öffentliche Anhörung zum Entwurf läuft bis zum 28. September 2026.
Einreisegebühr 450 Baht: Warum noch kein Urlauber zahlt
Den Betrag hat das Nationale Komitee für Tourismuspolitik am 14. August 2026 im Grundsatz gebilligt. Nach der Online-Anhörung geht der Entwurf an dieses Gremium zurück und danach ins Kabinett. Erst die Veröffentlichung in der Royal Gazette setzt die Uhr in Gang: 180 Tage später soll die Erhebung bei Flugreisenden starten. Genannt wird das erste Quartal 2027.
Wer über Land oder See einreist, wäre nach dem Entwurf erst rund 360 Tage später dran. Eine Zahlung soll 30 Tage gelten, mehrfache Aus- und Wiedereinreisen eingeschlossen, samt Versicherungsschutz für diesen Zeitraum. Befreit wären unter anderem Diplomaten, Inhaber einer Arbeitserlaubnis, Transitpassagiere, Besatzungen und Kinder unter zwei Jahren. Der erste Anlauf scheiterte 2020 an Covid. Geduld hat Thailand, das muss man ihm lassen.
Versicherung für Touristen: Der Drei-Stufen-Vorschlag aus Bangkok
Die erste Stufe steckt bereits im Gebührenentwurf. Ein Teil der 450 Baht soll eine Unfall- und Notfallversicherung für jeden ausländischen Besucher bezahlen. Sie ersetzt die bisherigen Hilfsregelungen, über die der Staat Touristen nach Unfällen entschädigt oder unterstützt. Das Tourismusministerium verspricht sich davon eine Entlastung des öffentlichen Gesundheitshaushalts. Klingt vernünftig. Ist es auch, auf dem Papier.
Die Stufen zwei und drei stammen von Weerasak Kowsurat, früher Tourismusminister und heute Chef des Beraterteams von Vizepremierministerin Suphajee Suthumpun. Er schlägt sie zusätzlich zum Entwurf vor, der gerade angehört wird. Eine Deckungssumme für die Grundversicherung steht in keiner der bisher veröffentlichten Angaben. Eine Police ohne Deckungssumme ist ein Versprechen. Keine Versicherung.
Tauchen, Klettern, Jetski: Wann eine Zusatzversicherung fällig wäre
Stufe zwei zielt auf Aktivitäten mit hohem Risiko. Genannt werden Tauchen, Klettern und Bungee-Springen. Die Zusatzpolice soll der Gast direkt vor Ort kaufen, per QR-Code beim jeweiligen Anbieter, der Preis richtet sich nach dem Risiko. Die Pflicht zum Abschluss wandert damit vom Veranstalter zum Touristen. Wer abtaucht, zahlt vorher.
Stufe drei betrifft alles, was der Urlauber selbst steuert: Mietwagen, Motorrad, Jetski und Drohne. Die Police soll seine Haftpflicht abdecken, also Schäden und Verletzungen, die er anderen zufügt. Weerasak will das Personal an Attraktionen gleich zu registrierten Versicherungsvermittlern machen, mit Provision und Steuernummer. Der Rollerverleiher als Versicherungsmakler. Das wird ein Fest.
Roller-Unfall in Thailand: Was die Pflichtversicherung zahlt
Schon heute braucht jedes zugelassene Fahrzeug in Thailand die gesetzliche Pflichtversicherung nach dem Gesetz zum Schutz von Verkehrsunfallopfern von 1992, im Alltag Por Ror Bor genannt. Sie zahlt jedem Verletzten ohne Schuldprüfung zunächst bis zu 30.000 Baht für die Behandlung, bei Tod oder bleibenden Schäden 35.000 Baht. Das Geld fließt innerhalb von sieben Tagen, sobald die Unterlagen vollständig sind.
Wer nachweislich unschuldig ist, bekommt mehr: Behandlungskosten bis 80.000 Baht, im Todesfall bis 500.000 Baht. Wer dagegen allein stürzt oder den Unfall verursacht, bleibt bei der Grundleistung. Für den Fahrer heißt das höchstens 30.000 Baht Behandlung. Das Auswärtige Amt warnt außerdem, dass Motorräder in Thailand teilweise weder haftpflicht- noch kaskoversichert sind.
Auslandskrankenversicherung: Wann Alkohol und fehlende Papiere den Schutz kosten
Hier liegt die eigentliche Falle. Viele Reisekrankenversicherungen knüpfen die Leistung bei Motorradunfällen an einen gültigen Führerschein für die gefahrene Klasse, an den Helm und an einen nüchternen Fahrer. Fehlt eine Bedingung, kann der Versicherer kürzen oder ganz ablehnen. Welche Klauseln gelten, steht in den Bedingungen der eigenen Police. Nicht im Werbeprospekt.
JETZT den Wochenblitz WERBEFREI lesen!
Beim Alkohol zieht Thailand die Grenze bei 0,5 Promille. Für Fahrer ohne gültige Fahrerlaubnis und für Inhaber eines vorläufigen Führerscheins gilt 0,2 Promille. Wer ohne passende Papiere auf dem Roller sitzt, ist also gleich doppelt im Nachteil. Das Auswärtige Amt liefert die Zahl dazu: 70 Prozent der Opfer tödlicher Verkehrsunfälle in Thailand sind Zweiradfahrer.
Führerschein Thailand: Welche Papiere auf dem Roller gelten
Für Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt: nationaler Führerschein plus Internationaler Führerschein nach dem Wiener Übereinkommen von 1968, beide immer zusammen. Österreicher dürfen zusätzlich den Genfer Führerschein von 1949 nutzen. Für Roller und Motorräder muss die Motorradklasse eingetragen sein. Die Pkw-Klasse B reicht nicht, auch nicht für den kleinen Scooter.
Wer länger als drei Monate im Land bleibt, braucht nach Angaben der Botschaften aller drei Länder einen thailändischen Führerschein. Die Umschreibung setzt ein Non-Immigrant-Visum voraus, die Gebühr beim Verkehrsamt DLT beträgt 505 Baht. Ein auf Visa spezialisiertes Beratungsbüro hilft beim Führerschein Thailand mit Terminen und Unterlagen. Touristen mit Visumbefreiung bleibt nur der internationale Weg.
Krankenversicherung aus der Heimat: Was Kassen in Thailand zahlen
Die Europäische Krankenversicherungskarte gilt in Thailand nicht. Österreich hat mit Thailand kein Sozialversicherungsabkommen, das Außenministerium in Wien empfiehlt deshalb dringend eine Reiseversicherung, die alle Risiken abdeckt. Das Auswärtige Amt in Berlin rät zu einer Auslandskrankenversicherung mit Rückholversicherung. Beide Ministerien sagen damit dasselbe, nur höflicher als nötig.
Schweizer stehen etwas besser da, aber nicht gut. Die Grundversicherung übernimmt Notfälle außerhalb von EU und EFTA bis zum doppelten Betrag, den dieselbe Behandlung in der Schweiz kosten würde, stationär höchstens 90 Prozent. Einen Rücktransport zahlt sie nicht. Die Krankenkasse Helsana beziffert eine Rückholung aus Thailand im Ambulanzjet auf rund 100.000 Franken.
Unbezahlte Krankenhausrechnung: Wer am Ende zahlt
Internationale Privatkliniken verlangen die Bezahlung meist sofort, bar oder per Kreditkarte. Die offenen Rechnungen entstehen deshalb vor allem in staatlichen Krankenhäusern, die ausländische Patienten behandeln und ihr Geld danach nicht vollständig eintreiben. Nach offiziellen Angaben gleicht der Staat dafür im Schnitt 300 bis 400 Millionen Baht pro Jahr aus. Bezahlt vom thailändischen Steuerzahler.
Auf die eigene Botschaft als Zahlmeister sollte niemand setzen. Das Auswärtige Amt weist ausdrücklich darauf hin, dass es Kosten für Hilfsmaßnahmen nach dem Konsulargesetz in Rechnung stellt. Die geplante Grundversicherung aus der Einreisegebühr soll die Lücke bei den Krankenhäusern schließen. Wie weit sie im Ernstfall reicht, hat die Regierung bisher nicht gesagt.
Krankenversicherung für Expats: Was der Entwurf offenlässt
Für Auswanderer ist die Gebühr eine Randfrage, die Versicherung nicht. Der Entwurf befreit Inhaber einer Arbeitserlaubnis. Rentner und Ehepartner mit Jahresvisum tauchen in der bekannten Ausnahmeliste nicht auf. Ob sie bei jeder Rückkehr aus dem Heimaturlaub 450 Baht zahlen, ist damit offen. Eine Police mit 30 Tagen Laufzeit ersetzt für sie ohnehin keinen Dauerschutz.
Wer dauerhaft im Land lebt, braucht eine eigene Krankenversicherung in Thailand, die Unfälle auf dem Roller einschließt und deren Bedingungen zum eigenen Führerschein passen. Die 450 Baht kaufen einen Monat Grundschutz. Einen gültigen Führerschein, einen Helm und einen klaren Kopf kaufen sie nicht.
Redaktionelle Hinweise
Die Angaben zur Einreisegebühr von 450 Baht und zum Drei-Stufen-Versicherungsmodell beruhen auf dem Entwurf und den Vorschlägen mit Stand 22. September 2026. Beträge, Ausnahmen und Starttermin können sich nach der Anhörung und dem Kabinettsbeschluss noch ändern. Welche Unfälle eine private Auslandskrankenversicherung deckt, regeln allein die Bedingungen des jeweiligen Tarifs. Hinweis: Dieser Artikel enthält Links zu unseren Werbepartnern.

Finde ich gut wenn es denn den unverschuldet in Not geratenen Touristen nach Unfällen auch zugute kommt.Bis 1000 Baht pro Einreise würde ich als angemessen empfinden plus Pfichtabschluss Auslandskrankenversicherung.Ich selber habe 2,eine vom ADAC für 45 Tage und eine für 90 Tage in meiner DB Travelkarte.Ich habs 3 x gebraucht die letzten 20 Jahre,Kosten von über 10.000.- Euro wurden übernommen.Dann ist das Thema von unbezahlten Rechnungen durch Ausländer allemal vom Tisch.
Gruss aus Nakhon Phanom