BANGKOK – Thailands Außenministerium hat scharf auf die Kritik des UN-Sonderberichterstatters Tom Andrews zum Grenzkonflikt mit Kambodscha reagiert. Es weist jede Verantwortung für die Eskalation zurück und wirft Kambodscha stattdessen gezielte Angriffe auf zivile Gebiete vor.
Bangkok gibt Phnom Penh die Schuld an der Eskalation
In einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme erklärte das Ministerium, Thailand habe den Konflikt nicht begonnen. Die gegenwärtige Lage sei vielmehr das Ergebnis willkürlicher Angriffe Kambodschas auf zivile Ziele auf thailändischem Boden.
Die Reaktion erfolgte unmittelbar nachdem Tom Andrews, der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Kambodscha, am 31. Juli seinen Besuch beendet und eine umfassende Kritik veröffentlicht hatte.
Thailand bestreitet Zahl von 650.000 Binnenflüchtlingen
Andrews hatte in seiner Abschlusserklärung die humanitären Folgen des Konflikts in den Mittelpunkt gestellt und dabei von rund 650.000 intern Vertriebenen in Kambodscha gesprochen. Thailand hält diese Einstufung für falsch.
Das Ministerium argumentiert, ein Teil dieser Menschen stamme aus temporären Unterkünften, die Thailand bereits Ende der 1970er Jahre aus humanitären Gründen errichtet habe. Diese Personen seien trotz verbesserter Lage und wiederholter Aufforderungen zur Rückkehr in ihren Heimatregionen geblieben.
„Das Recht auf Rückkehr darf nicht für Propaganda missbraucht werden“
Thailand kritisierte die Darstellung des UN-Experten deutlich und warnte davor, das Rückkehrrecht politisch auszuschlachten. Die Hauptverantwortung für Schutz und Unterstützung betroffener Bürger liege klar bei Kambodscha selbst.
Thailand weist darauf hin, dass die betroffenen Personen in den Unterkünften teilweise aus humanitären Hilfsmaßnahmen der späten 1970er Jahre stammen.
Zweifel an der Zahl von 900.000 zurückgekehrten Arbeitern
Auch eine zweite zentrale Zahl von Andrews greift Bangkok an. Die genannten 900.000 kambodschanischen Rückkehrer umfassten sowohl legal Beschäftigte als auch illegal eingereiste Arbeiter, erklärte das Ministerium.
Es handele sich um freiwillige Ausreisen auf ausdrücklichen Aufruf der kambodschanischen Regierung hin. Thailand betonte, es habe zu keiner Zeit eine Politik der Ausweisung kambodschanischer Wanderarbeiter verfolgt.
Bangkok mahnt die UN zu Unparteilichkeit
Die thailändische Regierung erneuerte ihr Bekenntnis zu Menschenrechten und humanitärem Völkerrecht, forderte aber von den UN-Mechanismen strikte Objektivität ein. Bewertungen müssten Informationen aus glaubwürdigen, überprüfbaren Quellen und die Perspektiven beider Seiten berücksichtigen.
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Thailand habe konsequent mit den UN-Menschenrechtsgremien zusammengearbeitet und relevante Daten geliefert, hieß es in der Stellungnahme weiter.
Dialogbereitschaft verknüpft mit Bedingungen
Thailand erklärte sich grundsätzlich bereit, die zerrütteten Beziehungen zu Kambodscha wieder aufzubauen. Dafür müsse jedoch die Gemeinsame Erklärung vom 27. Dezember 2025 umgesetzt werden, die auf Deeskalation und Abbau von Spannungen zielt.
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