Wer in Thailand eine Firma auf Thai-Namen laufen hatte, aber selbst das Sagen behielt, kennt das Modell. Und wer die Nachrichten der letzten Monate verfolgt hat, weiß: Das DBD meint es ernst. Über 21.000 Verdachtsfälle, Razzien in Pattaya und auf Koh Samui, automatisierter Abgleich mit Steuer- und Sozialdaten — Nominee-Strukturen haben 2026 keine Grauzone mehr. Die entscheidende Frage ist jetzt eine andere: Was funktioniert stattdessen noch legal?
Das Kabinett hat Mitte Mai 2026 neun Branchen aus der Lizenzpflicht des Foreign Business Act gestrichen. Gleichzeitig gibt es für Expats aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mehrere rechtssichere Wege, in Thailand unternehmerisch aktiv zu bleiben — ohne Strohmann, ohne Risiko. Dieser Artikel zeigt, welche Optionen 2026 wirklich tragen.
Was das DBD seit Januar 2026 wirklich prüft
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die DBD-Anordnung Nr. 2/2568. Wer eine Firma mit ausländischem Direktor gründet oder ändert, muss dreimonatige Kontoauszüge aller Thai-Gesellschafter vorlegen — mit nachvollziehbarem Zahlungsfluss. Eine Einmalüberweisung vom deutschen Konto kurz vor Gründung reicht nicht mehr. Das System gleicht automatisch ab, ob Kapital und Einkommenshistorie des Thai-Partners plausibel zusammenpassen.
Seit dem 1. April 2026 kommt die Anordnung Nr. 1/2569 dazu. Wer einen ausländischen Direktor nachträglich einträgt, muss eine eidesstattliche Erklärung abgeben: alle Gesellschafter sind echte Investoren, das Kapital wurde aus eigenen Mitteln eingezahlt, keine versteckten Absprachen. Wer diese Erklärung unterschreibt und lügt, haftet strafrechtlich — nicht nur die Firma, auch der Direktor persönlich.
Was bei Verstößen droht — konkret
Der Foreign Business Act B.E. 2542 ist die Rechtsgrundlage für alle Durchsetzungsmaßnahmen. Sektion 36 gilt für Thai-Staatsbürger, die als Nominee agieren: bis zu drei Jahre Haft, Geldstrafe zwischen 100.000 und einer Million Baht. Sektion 37 trifft den ausländischen Hintermann mit identischen Strafen. Kommt ein Gerichtsurteil zustande und wird es nicht erfüllt, kommen Tagessätze von 10.000 bis 50.000 Baht dazu.
Dazu droht die Zwangsauflösung der Gesellschaft — was im schlimmsten Fall Totalverlust des eingesetzten Kapitals bedeutet. Der Oberste Gerichtshof hat Nominee-Konstrukte bereits in mehreren Urteilen verurteilt, darunter Fälle mit Grundstücken auf Koh Samui und verschleierte Darlehenskonstruktionen. Diese Urteile sind keine Rarität mehr — sie sind Maßstab für die aktuelle Praxis der Staatsanwaltschaft.
Neun Branchen ohne Lizenzpflicht — was das Kabinett im Mai freigegeben hat
Am 12. Mai 2026 genehmigte das Kabinett unter Premier Anutin Charnvirakul zwei Entwürfe, die neun Tätigkeitsbereiche aus der sogenannten Liste 3 des Foreign Business Act streichen. Wer in diesen Bereichen arbeitet, braucht keine Foreign Business License mehr beim DBD. Betroffen sind Sektoren, die bereits von Fachministerien überwacht werden — Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, Energie, Wertpapiere.
Für Expats aus dem DACH-Raum, die in IT, Software oder konzerninternen Dienstleistungen tätig sind, kann das die Situation deutlich vereinfachen. Wer bislang eine Foreign Business License beantragte, um legal in diesen Feldern tätig zu sein, entfällt künftig dieser Schritt. Die genaue Umsetzung hängt von der Veröffentlichung im Gesetzblatt ab — wer konkrete Pläne hat, sollte das mit einem Anwalt vor Ort abklären.
BOI: Volle Kontrolle, legal und steuerbegünstigt
Das Board of Investment ist der sauberste Weg zu 100-prozentiger ausländischer Kontrolle über eine Thai-Firma. Das BOI fördert Investitionen in Technologie, Forschung, digitale Infrastruktur und erneuerbare Energien — mit Körperschaftsteuerbefreiung für mehrere Jahre, reduzierten Importzöllen auf Maschinen und vereinfachten Prozessen für Arbeitsvisa. Wer gefördert wird, steht außerhalb der Nominee-Problematik.
Der Antragsprozess ist aufwändig, aber planbar. Die BOI-Förderung setzt einen echten Investitionsplan voraus, der die geförderten Sektoren abdeckt. Wer ein Restaurantkonzept oder eine Immobilienverwaltung betreiben will, kommt über BOI nicht weiter — das ist kein Weg für jede Geschäftsidee. Wer aber in einem geförderten Bereich tätig ist oder plant, hat damit dauerhaft Rechtssicherheit. Erste Informationen gibt es direkt unter fsconsultings.com.
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Joint Venture mit echten Partnern — was das 2026 bedeutet
Ein Thai-Gesellschafter, der wirklich investiert, eigenständig Kapital einbringt und tatsächlich unternehmerisches Risiko trägt — das ist nach wie vor legal und kann funktionieren. Was nicht mehr funktioniert: ein Namensträger, der 10.000 Baht im Jahr bekommt und das Stimmrecht per Vertrag abgetreten hat. Das DBD schaut mittlerweile auf Stimmrechtsbindungsverträge, Vorzugsaktien mit ungleicher Gewinnverteilung und Vetorechte, die faktisch einen ausländischen Direktor steuern lassen.
Ein echtes Joint Venture setzt voraus, dass der Thai-Partner nicht nur auf dem Papier existiert. Kontoauszüge, Steuerhistorie, plausibles Vermögen — alles wird geprüft. Wer einen solchen Partner hat oder aufbauen kann, hat weiterhin eine solide Basis. Wer keinen findet, sollte BOI oder die neuen lizenzfreien Bereiche prüfen, statt auf den alten Strukturen zu beharren.
Thailand Elite Card und digitale Nomaden — was erlaubt ist
Wer keine Firma in Thailand betreiben, aber remote für ein ausländisches Unternehmen arbeiten will, hat andere Optionen. Das Long-Term Resident Visa erlaubt bestimmten Einkommensgruppen, in Thailand zu leben und für einen ausländischen Arbeitgeber tätig zu sein — ohne Work Permit für genau diese Tätigkeit. Die Thailand Elite Card ist kein Geschäftsvisum, schützt aber Langzeitaufenthalte ohne Firmenkonstruktion.
Wer dagegen in Thailand lokal Geld verdient — aus einer Bar, einer Pension, einer Massage-Praxis — braucht eine legale Firmenstruktur mit Work Permit. Daran hat sich nichts geändert, aber die Anforderungen an diese Struktur sind 2026 deutlich gestiegen. Wer hier auf dem Stand von 2018 plant, plant falsch.
Was jetzt konkret zu tun ist
Wer eine bestehende Thai-Firma mit ausländischem Direktor oder Thai-Gesellschafter mit fraglicher Kapitalherkunft hält, sollte die aktuelle Struktur anwaltlich prüfen lassen — bevor das DBD das übernimmt. Die neuen Verordnungen gelten zwar nicht rückwirkend, greifen aber bei jeder nächsten Eintragungsänderung. Ein Gesellschafterwechsel, ein neuer Direktor, eine Kapitalerhöhung: dann greift das System sofort.
Wer neu startet, sollte BOI prüfen, die neuen lizenzfreien Sektoren klären und bei Bedarf ein echtes Joint Venture mit einem nachweisbar solventen Partner aufbauen. Die Zeiten der billigen Lösung sind vorbei — aber Thailand ist als Wirtschaftsstandort nicht versperrt. Es ist selektiver geworden. Wer sauber aufgestellt ist, kommt weiterhin rein.
Redaktionelle Hinweise
Dieser Artikel gibt den Stand der thailändischen Gesetzgebung im Mai 2026 wieder und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Unternehmensentscheidungen empfiehlt die Redaktion, einen in Thailand zugelassenen Anwalt zu konsultieren.



Das würde mich ja mal interessieren wie viele entsprechende LTR-Visa seit Einführung 2022 vergeben wurden. Ob wohl eine Hand ausreicht oder braucht man doch zwei? Das Privilege Visum erlaubt keine Berufstätigkeit in Thailand. Weder im In- noch Ausland. Lediglich allein das DTV-Workcation Visum erlaubt noch Remote-Arbeit im Ausland von Thailand aus. Nachteile: Ggf. wird man steuerpflichtig in Thailand. Privilege. ebenso wie die DTV Visa zählen zur Klasse der „Touristenvisa“ mit denen man kein Bankkonto in Thailand eröffnen kann.