Wer zu wenig ausgibt, ist in Thailand bald unerwünscht

Thailand will künftig weniger Touristen – dafür soll jeder mehr ausgeben. Die Regierung nennt das Qualitätsstrategie. Was das für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet – und wer dabei als Erster aussortiert wird.

Wer zu wenig ausgibt, ist in Thailand bald unerwünscht
KI generiertes Symbolbild.

Bangkok hat einen Plan. Weniger Touristen, dafür zahlungskräftigere. Die Strategie klingt vernünftig – bis man Poo besucht. In ihrer kleinen Kochschule im Herzen der Stadt zeigt sich gerade, was es bedeutet, wenn Thailands Tourismuspolitik auf die Wirklichkeit trifft.

Saiyuud Diwong, Spitzname «Poo», führt seit mehr als 15 Jahren die Kochschule «Cooking with Poo» für ausländische Gäste. Ihr Kochbuch wurde zum Bestseller, sie war Gast bei Jamie Oliver. Heute stehen zwei leere Stühle in ihrem Unterrichtsraum – und die, für die sie reserviert waren, haben abgesagt.

Was Bangkok auf dem Papier plant

Die Tourismusbehörde TAT hat ihre Strategie für 2026 unter dem Motto „Value over Volume“ – Wert statt Masse – ausgerufen. TAT-Gouverneurin Thapanee Kiatphaibool erklärte beim ITB Berlin im März 2026, man wolle hochwertige Erlebnisse stärken, Qualitätssegmente ausbauen und Thailand als Destination positionieren, die Reisenden echten Mehrwert biete. Das Ziel: bis zu drei Billionen Baht Tourismuseinnahmen im laufenden Jahr – fünf Prozent mehr als 2025.

2025 kamen 32,9 Millionen ausländische Besucher nach Thailand und ließen umgerechnet rund 41,3 Milliarden Euro im Land. Deutschland gehört mit knapp 966.000 Reisenden zu den wichtigsten europäischen Herkunftsmärkten. Trotzdem wächst der Druck auf die Branche: Die Einnahmen steigen langsamer als die Besucherzahlen. Das Geld pro Kopf und Reise bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Weniger Gäste, mehr Umsatz – die Rechnung der Branche

Bhummikitti Ruktaengam, Präsident der Sustainable Tourism Development Foundation, unterstützt den Kurswechsel. «Das wird der Wirtschaft zugutekommen», sagt er. «Es kommen zwar weniger Menschen, aber diese leisten einen größeren Beitrag. Die Infrastruktur wird weniger beansprucht, während das Wachstum dennoch anhält.» Für die Tourismusbranche, so das Argument, ist weniger manchmal mehr.

Die Rechnung ist nicht neu. Massentourismus belastet Straßen, Strände und Abwassersysteme – ohne proportional mehr Geld in die Kasse zu spülen. Wer drei Nächte im Billig-Hostel verbringt, Street Food kauft und mit dem Tuk-Tuk fährt, gibt weniger aus als ein Gast, der eine Woche im Spa-Resort bleibt und täglich im Restaurant sitzt. Auf dieser Logik baut die neue Strategie auf.

Poo und der leere Kursraum

Saiyuud Diwong verkörpert genau das, was die TAT anstrebt: authentisches kulturelles Erlebnis, persönlicher Kontakt, lokales Wissen. Ihr Kochkurs beginnt mit einem Marktbesuch – Wasserkäfer, Kröten, Aale in Plastikbehältern. Wer das bucht, will Thailand wirklich verstehen, nicht nur einen Pool.

Trotzdem läuft es nicht. In der Nebensaison brachen die Buchungen ein. «Von den wenigen, die gebucht hatten, sagten viele ab und baten um Rückerstattung, weil sie dann doch nicht nach Thailand kamen», berichtet Poo. Sie vermutet den Nahost-Konflikt als Hauptgrund – gestiegene Flugpreise, Verunsicherung, abgesagte Reisepläne. Die TAT nennt dieselben Faktoren in ihrer offiziellen Lageeinschätzung.

Der Qualitätstourist kommt – aber wann?

Das Problem ist nicht das Konzept. Das Problem ist die Lücke zwischen Strategie und Realität. Die Qualitätstouristen, die mehr ausgeben sollen, müssen erst einmal ankommen. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Flugpreise und eine globale Kaufzurückhaltung drücken gerade genau das Segment, das Thailand anwirbt: Europäer mit Urlaubsbudget.

Die TAT hat ihre Jahresprognose bereits auf 30 bis 34 Millionen Ankünfte korrigiert – ein Rückgang von 18 Prozent gegenüber früheren Zielen. Im ersten Quartal 2026 kamen 9,31 Millionen ausländische Gäste. Das Gesamtziel von drei Billionen Baht Einnahmen bleibt ambitioniert. Was das konkret für kleine Anbieter wie Poo bedeutet, steht in keiner Pressemitteilung.

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Die Visakürzung und ihre Logik

Im Mai 2026 beschloss das Kabinett, die visafreie Einreise für Touristen aus 93 Ländern – darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz – von 60 auf 30 Tage zu halbieren. Die offizielle Begründung: Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei neun Tagen. Wer länger bleibt, sei oft kein Tourist mehr.

Bhummikitti sieht darin keinen Widerspruch zur Qualitätsstrategie. «Touristen bleiben in der Regel nicht länger als 30 Tage», sagt er. Wer mehr Zeit wolle, könne ein entsprechendes Visum beantragen. Ob diese Botschaft bei Familien aus München oder Zürich ankommt, die eine Drei-Wochen-Reise planen und jetzt mehr Bürokratie vor sich haben, bleibt offen.

Was Poo in der Küche zeigt

Poo passt sich an. In ihrer Küche bereitet sie eine Pomelo-Salat-Paste zu und erklärt, warum sie keine Erdnüsse verwendet – wegen möglicher Allergien bei westlichen Gästen. Kleine Geste, große Aussage: Sie kennt ihre Zielgruppe, sie denkt vom Gast her. Genau das meint die TAT, wenn sie von authentischen Erlebnissen spricht.

Nächste Woche kommen drei Gäste. Poo hofft, dass sie nicht absagen. Derweil läuft die Regierung Kampagne für den Qualitätstourismus der Zukunft – und kleine Anbieter wie sie warten darauf, dass die Strategie auch bei ihnen ankommt. Die Tourismusnachrichten aus Bangkok zeichnen ein anderes Bild als die leeren Stühle in ihrer Kochschule.

Wie das für Expats und Urlauber aus der DACH-Region aussieht

Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Thailand reist, merkt den Strategiewechsel konkret: weniger visafreie Tage, höhere Flughafengebühren, stärkere Kontrollen. Die Ausreisegebühr steigt von 730 auf 1.120 Baht – ein Plus von rund 50 Prozent, gültig ab 20. Juni 2026. Wer längere Aufenthalte plant, sollte jetzt prüfen, welche Visumsoption passt. Beratung dazu gibt es etwa bei spezialisierten Visa-Dienstleistern in Thailand.

Die Strategie „Value over Volume“ richtet sich offiziell gegen Billigtouristen. In der Praxis trifft sie erst einmal alle. Familien, Rentner, Kulturreisende – sie alle buchen jetzt mit mehr Aufwand, mehr Unsicherheit und höheren Reisekosten. Ob sie dafür ein besseres Erlebnis bekommen, entscheidet sich in Küchen wie der von Poo.

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27 Kommentare zu „Wer zu wenig ausgibt, ist in Thailand bald unerwünscht

  1. Steht ja wunderschön im Artikel wie man sich so die erwünschten Touristen vorstellt: „ein Gast, der eine Woche im Spa-Resort bleibt und täglich im Restaurant sitzt“. Möglichst viel Kohle in den Konzernkassen lassen und dem Rest von Thailand nicht auf die Nerven gehen. Wen interessieren schon die kleinen Hotel-Betreiber, Street Food Verkäufer, Tuk-Tuk-Fahrer und Kochschulenbetreiber? Und von diesen Qualitätstouristen regt sich dann auch keiner mehr über die unzähligen wilden Müllkippen und am Strand über ins Meer geleitete Abwasserrohre auf. Dafür kann man diese hochpreisigen Qualitätstouristen ja hin und wieder zu irgendwelchen Nationalparks etc. karren damit die das Double-Pricing verstehen lernen und wofür ihre Eintrittsgebühr nach Thailand verwendet werden. Vorschlag: Man könnte ja dann an jedem Hock-Klo ein mehrsprachiges Schild anbringen „Mit ihrem Eintrittsgeld nach Thailand wurde die tägliche Reinigung der Toilette bezuschusst.“

  2. Dieses „Konzept“ mit den sogenannten „Qualitäts Touristen“ hat Thailand schon sehr stark nach Corona publiziert!

    Nach dem Motto: „Weniger ist mehr“

    Was kam danach…??

    Pattaya verstopft mit Reisebussen voller Chinesen, danach waren es die Inder die eingeladen wurden,dann die Russen,ist beben nur die Frage: „Alles Qualitäts Touristen“ ?

    Wie will Thailand denn bitte ca. 33 Millionen Touristen,nach „Qualität“ sortieren??

    Ein machbarer Weg wäre ja, das die Kosten für ein Visa einfach um 500% zu erhöhen,für einen Qualitäts Touristen,kein Problem ;-)

    1. Ob deine Rechnung aufgeht??
      Touristen von 93 Länder reisen 30/60 Tage Visa frei…. also 0 Bath Visagebühr.
      Auf 0 Bath 500% draufschlagen gibt eben immer noch 0 Bath…

      1. naja, einfach eine Einreisegebühr von 10 o. 20 k Baht. Die Qualitätstouristen mit genug Kohle juckt das nicht, und die unerwünschten Low Budget Touris bleiben draussen 😁

    2. Ich habe eine Frage? Kann Jemand einem alten Schweizer erklären, warum die vielen Inder in Pattaya und die Israelis auf Koh Pagan als Qualitäts Touristen gelten? Was für Anforderungen muss man erfüllen, um als Qualitäts Tourist zu gelten.

  3. Ich war mal ein großer Thailand Fan aber seitdem nur noch I in der Regierung sitzen ist dies längst vorbei.Nach dem Motto (Denn sie wissen nicht was sie da tun)läuft in diesem Land nichts mehr.Wenn ich sehe was da zur Zeit an Qualitätstouristen rumläuft wird mir Angst und Bange.

  4. Alleine in diesem (Un-)Wort „Qualitätstourist“ steckt so viel Abwertung, dass einem schlecht werden kann. Aber es passt bestens in das aktuelle Stimmungsbild, das sich auch in der Berichterstattung hier im WB täglich auf’s Neue zeigt. Meine Tipps: Alle Hotels unterhalb 5-Sterne abreißen, Streetfood in allen Touristengebieten von der Straße jagen, tägliche Razzien in Rotlicht-Bars, Gentlemen-Clubs und Massagen mit Verhaftung aller Kunden und öffentlicher Zurschaustellung (auch nackt), alle Damen vom Gewerbe wieder auf die Felder im Isaan schicken, dazu Alkoholgenuss (auch privat) nach 21 Uhr mit Gefängnis nicht unter einem Jahr und anschließender Abschiebung bestrafen, Farangs auf Miet-Rollern mindestens zweimal täglich anhalten und abkassieren, etc., etc…(weitere Ideen sind hochwillkommen!). Und damit sich auch bereits nach der Landung am Flughafen ein sicheres Qualitätsgefühl einstellt, den Barmittel-Nachweis auf mindestens 5.000 Dollar pro Person festsetzen, selbstverständlich auch für Kinder! Nicht zu vergessen: Visumpflicht für Einreisende ab dem ersten Tag. Dann werden sie schon kommen, die „Qualitätstouristen“ – so wie Fred vom Jupiter!

  5. Ja, die beliebten Null-Dollar Qualitätstouristen werden weiter hoch gelobt.
    Genauso wie diejenigen die einen Visa-Sonderstatus verlangen, deren Bürger das überreife Obst an den Pickups kaufen und dann auf dem Zimmer über die
    4 Kilo Mangos oder Papaya herfallen weil ihnen die Restaurants, sowie das Streetfood zu teuer sind. Die auf dem Nachtmarkt die Sitzplätze blockieren und ihr mitgebrachtes Essen plus Dosenbier vom sevenEleven verdrücken. Die Marktbetreiber wissen nicht wie sie die Miete zahlen sollen und die Qualitätstouristen blockieren die Sitzgelegenheiten der wirklichen Gäste.
    Ich sehe diese Leute täglich.
    Vielen ist selbst der Liegestuhl am Strand zu teuer, liegen lieber in der prallen Sonne verzehren ihre Mamasoup und lassen auch noch den Müll liegen.
    Unsereins der bei den Lokals sein Geld ausgibt soll zum Dank mit Kürzung der Tage per Einreisestempel drangsaliert werden.
    Irgendwie kommt mir so einiges Realitätsfremd vor

  6. Wenn ich als frei reisender Gast nicht mehr willkommen bin, muss ich mir etwas anderes suchen. Ich will nicht in einem Luxusbunker leben und in Luxus Restaurant essen und stinkreiche Thailänder noch reicher machen.
    Ich will Thailand kennenlernen.
    Wenn das Thailand nicht mehr reicht , na dann Tschüss.
    Ich denk dann gerne an die schönen Tage in Thailand zurück.

  7. Endlich langjährige Rentner würdigen! Sie geben jeden Tag ihr Geld aus, nicht nur zwei Wochen im Jahr! Dazu Hausbau, Fahrzeugkauf und Familienunterstützung.
    Rentner sind die wahren Qualitätstouristen! Thailand sollte sie endlich wertschätzen!
    Zum Bsp. mit weniger Bürokratie, längeren Visa und geringeren finanziellen Anforderungen.

    1. Ja wie nun? „…weniger Bürokratie, längeren Visa…“
      Mir wurde hier vor ein paar Monaten von Schreibern geraten, „klopp‘ auf nem Boxsack rum und renn‘ mit nem Lächeln durch die Gegend und alles ist gut im Paradies.“
      Da liegt mir die Thai-Logik schon näher: Wenn wir nicht hier wären, gäbe es diese Probleme gar nicht.

  8. Ich will das thailändische Leben spüren, ich will unter Thailändern sein,ich will thailändisch essen, das thailändische Leben geniessen. Ich will nicht in einem Luxusschuppen wohnen. Ich will nicht unter lang Nasen sein, ganz klar.

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