Giftige Minen in Myanmar bedrohen Flüsse in Nordthailand

🌊 Unsichtbare Gefahr an der Grenze: Giftige Stoffe aus Minen gelangen in Flüsse – Menschen berichten von Hautproblemen und zerstörten Lebensgrundlagen. Behörden wirken machtlos. Droht eine Umweltkatastrophe mit noch größeren Folgen?

Giftige Minen in Myanmar bedrohen Flüsse in Nordthailand
Photo by Monika Guzikowska on Unsplash

THA TON, THAILAND – Im Kok-Fluss in Nordthailand haben Forscher alarmierend hohe Werte giftiger Schwermetalle gemessen, während Fischer von Gesundheitsproblemen und dem Verlust ihrer Lebensgrundlage berichten. Behörden sprechen von Gesprächen mit Myanmar, doch wegen Krieg, Minen und fehlender Kontrolle bleibt die Lage festgefahren.

Fischer ohne Fang und mit Ausschlag

Der Fischer Kob Kotkam aus Tha Ton kann seit Monaten nicht mehr im Kok angeln, weil er nach eigenen Angaben Chemikalien im Wasser fürchtet und den Einbruch der Fischbestände mit der Verschmutzung verbindet.

Zusätzlich klagt er über Hautreizungen, Pusteln und Pickel am ganzen Körper und sieht den Fluss als Ursache, weshalb er seinen Beruf vorerst nicht ausüben kann.

Messungen der Uni Chiang Mai zeigen Arsen und mehr

An der Universität Chiang Mai untersuchte der Toxikologe Wan Viriya mit seinem Team Wasserproben aus dem Kok-Fluss und fand Schwermetalle in Konzentrationen, die deutlich über den vorgesehenen Grenzwerten liegen.

Die Wissenschaftler entnahmen Proben an sieben unterschiedlichen Stellen und stellten fest, dass die Belastung Richtung Grenze zu Myanmar zunimmt und neben Arsen auch Cadmium, Bromium und Quecksilber nachweisbar sind.

Verdacht richtet sich auf Minen jenseits der Grenze

Viriya arbeitet nach eigenen Angaben mit Wissenschaftlern und Umweltschützern zusammen, die unter anderem mit dem Stimson Center Satellitenbilder auswerten.

Demnach liegen direkt hinter der Grenze bei Tha Ton in Myanmar zwei Minen für seltene Erden sowie eine Goldmine, aus denen Schwermetalle als Abfallprodukte freigesetzt und offenbar unzureichend behandelt in die Umwelt gelangen könnten.

Seltene Erden, China und die globale Lieferkette

Myanmar zählt zu den großen Produzenten von seltenen Erden und kritischen Mineralien, die etwa für Magnete in Windkraftanlagen und Elektrofahrzeugen gebraucht werden.

Nach Darstellung der Beteiligten wird Rohmaterial aus Myanmar zur Weiterverarbeitung nach China transportiert, das eine dominante Stellung bei der Magnetproduktion besitzt, während Länder wie Deutschland bei seltenen Erden stark von Importen abhängig sind.

Politik im Würgegriff von Bürgerkrieg und Zuständigkeiten

Thailändische Behörden bestätigten, dass sie mit dem Regime in Myanmar über grenzüberschreitende Verschmutzung sprechen, doch die Situation gilt als schwierig, weil in Myanmar Bürgerkrieg herrscht und das Militär nicht alle Gebiete kontrolliert.

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Gerade in Regionen nördlich der Grenze, darunter Gebiete der Kachin und Shan, seien unregulierte Minen ein Problem, für das praktisch niemand Verantwortung übernehme, obwohl viele am Abbau mitverdienen.

Trinkwasser-Sorge in Chiang Rai und Druck aus den Dörfern

Während Kommissionen eingerichtet wurden, tauchten weitere Befunde auf, denn auch in anderen Gewässern wie dem Salween-Fluss wurde Gift nachgewiesen und in Chiang Rai sollen im Trinkwasser bereits erhöhte Arsenwerte gemessen worden sein.

In Tha Ton forderten Betroffene bei einer Versammlung in der Stadthalle rasche Maßnahmen und berichteten, sie hätten Briefe an den thailändischen Premierminister, an Xi Jinping und an das Regime in Myanmar geschickt, während man vorsorglich zum Trinken von abgefülltem Wasser aufgefordert wurde.

Mekong als Verteiler – Risiko für eine ganze Region

Der Kok-Fluss fließt aus Myanmar nach Thailand und mündet wenige Kilometer flussabwärts in den Mekong, wodurch Schadstoffe weitergetragen und über große Gebiete verteilt werden können.

Der Analyst Brian Eyler vom Stimson Center warnte, die unregulierten Minen seien nicht nur ein lokales Problem, weil der Mekong weiter nach Laos, Kambodscha und bis nach Vietnam fließt und im Einzugsgebiet des unteren Mekong mehr als 60 Millionen Menschen von Fischerei und Landwirtschaft abhängig sind.

Citizen Scientists liefern Proben und Daten für eine Risikokarte

Forscher erstellen nach und nach eine Risikokarte, um belastete Flüsse zu erfassen und eine gemeinsame Datengrundlage zu schaffen.

In Tha Ton beteiligen sich Kob Kotkam und andere als sogenannte Citizen Scientists, nehmen regelmäßig Wasserproben und schicken sie an Wan Viriya, um in einer Situation ohne schnelle politische Lösung wenigstens belastbare Messwerte zu liefern.

Deine Meinung

Wie sollte Thailand mit grenzüberschreitender Umweltverschmutzung umgehen, wenn auf der anderen Seite der Grenze Krieg herrscht und niemand verlässlich durchgreifen kann.

Welche Maßnahmen wären aus Sicht der Community sinnvoll und praktikabel, damit Gesundheit, Fischerei und Landwirtschaft im Mekong-Becken besser geschützt werden.

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